Der europäische Festival-Sommer ist vorbei und so macht die Agenda der in Passau lebenden Klaudia Gawlas nun vor allem eines deutlich, es ist wieder Club-Saison. Hinter ihr liegen unzählige Erinnerungen an einen langen Sommer sowie an einen glorreichen Birthday-Weekender mit Gigs in Köln und Augsburg – und das in einer einzigen Nacht. Stunden verbrachte sie auf den Straßen, viele weitere an den Mischpulten namhafter Venues und großer Festivitäten. Ihre Diskografie hat sie dabei jedoch nicht vernachlässigt. Am 14. Oktober debütierte sie mit ihrer „Opus“-EP auf Coyus In-Label Suara. Ein Interview.


Klaudia, du hast einen vielbeschäftigten Festival-Sommer plus einige internationale Touren hinter dir, wie fühlst du dich?

„Ja, der Sommer hatte es definitiv in sich. Ich war viel unterwegs, teilweise zwei bis drei Festivals an einem Tag. Zu den Highlights zähle ich unter anderem das Parookaville, Nature One, Panama Open Air und im Süden das Sea You und Ikarus Festival sowie die WET Afterparty im Lehmann Club Stuttgart. In den Niederlanden habe ich beim LIEF Festival meinen eigenen Floor gehostet, das hat sehr viel Spaß gemacht. Außerdem ging dieses Jahr ein großer Traum für mich in Erfüllung! Ich habe mich riesig gefreut, in den USA, genauer gesagt in New York City, zu spielen. Danach zog es mich mit einer kleinen Tour nach Kolumbien. Ich bin sehr gerne dort und erlebte eine der verrücktesten Partys meines Lebens mit den Kolumbianern. Natürlich zehren diese Trips ganz schön an den Kräften, aber das sind so viele schöne Erinnerungen, die einen alle Anstrengungen schnell vergessen lassen.“

Du hast kürzlich auf Einladung von Joseph Capriati im Nordstern Basel gespielt, erzähle uns mehr zu eurer Connection und über die Nacht.

„Das hat sich irgendwie durch Zufall ergeben. Joseph hat mich letztes Jahr gefragt, ob ich ihm ein paar Tracks für sein Label Redimension schicken könnte, da er meine letzten Sachen gut fand. Daraufhin habe ich ihm einiges geschickt. Zwar fehlte ihm noch der richtige A-Seiten Track auf der EP, doch er pushte mich immer wieder aufs Neue – bis „The Siren“ entstand. Ich wusste, der Track ist es! Joseph sah das genauso und hat die EP sofort gesigned. Da sich die Dinge so gut entwickelt haben und die EP sehr erfolgreich war, war ich natürlich sehr froh über seine Einladung in den Nordstern. Die Nacht in Basel war großartig. Cooler Club, tolle Anlage, brechend voll und das alles auf einem Schiff, dass ist schon sehr besonders. Ich habe bis sieben Uhr morgens gespielt. One for the books!“

Ebenfalls besonders ist dein aktuelles Release auf Suara. Dein Label-Debüt ist auch in den Beatport-Charts ziemlich erfolgreich. Wie entstand der Kontakt zu Coyu?

„Ich mochte seine Musik schon immer. Das witzige ist, persönlich kennen wir uns leider noch gar nicht. Im Sommer war er in Südamerika auf Tour und hat mich mitten in der Nacht auf Instagram angeschrieben. So sind wir in Kontakt gekommen. Da ich Suara sehr mag, habe ich ihm am nächsten Tag die drei Tracks geschickt, die ich ursprünglich sowieso an ihn schicken wollte. Ich war also gut vorbereitet, ohne zu wissen, dass er sich bei mir melden würde. Das war irgendwie ein kurioser Zufall und sehr lustig. Er fand die Tracks dann auch noch auf Anhieb super, woraufhin das Release entstand.“

Erzähle uns noch etwas mehr zur Idee und Entstehung der drei Titel.

„Opus“ entstand eigentlich durch Zufall. Ich wollte ein Bootleg bearbeiten, an dem ich schon ewig saß und nicht fertig wurde. Ich begann mit dem Vocal rumzuspielen, zu editieren und irgendwann hatte ich einen kurzen Loop, an dem ich Gefallen fand. Nach ein paar weiteren Zutaten konnte ich dann diese Energie spüren, die der Track transportiert und habe mich davon total mitreißen lassen. Bei den anderen Tracks habe ich mich eher auf die Modulation konzentriert, um aus wenigen Elementen viel rauszuholen. „Irresolution“ hat eine Art hypnotische Wirkung auf mich – hier kann man sich gut treiben lassen. „No Face“ ist einfacher gestrickt, aber dafür ein absoluter Power-Track. Die Nummern begleiteten mich durch den Sommer und haben immer gut funktioniert.“

Nach dem Sommer ist vor dem Winter. Welche Highlights stehen für dich in den kommenden Wochen und Monaten an? Dein Tour-Kalender verrät bereits große Shows in Frankreich, Tschechien und Ungarn.

Ich konzentriere mich weiter auf meinen Output. Es geht jedoch immer und überall um eine gute Party, um gute Stimmung und die Verbindung zu den Leuten – da ist es mir persönlich dann egal, ob ich international oder national unterwegs bin. Eine gute Anlage, eine gute Party und schon bin ich glücklich. Auch die Anzahl an internationalen Shows steigt und steigt, da haben wir in diesem Jahr einen großen Sprung gemacht. Es stehen jedoch noch ein paar Highlights an in diesem Jahr, die ich aber leider noch nicht verraten kann, da die Line-ups noch nicht veröffentlicht wurden. Zum Jahresende wird auch noch ein weiterer Track in Zusammenarbeit mit Flug auf Pan-Pots Second State rauskommen. Darauf freue ich mich schon sehr. Und für 2020 ist ähnliches geplant: Ganz viel Techno – sowohl auf den Bühnen, als auch im Studio.

Aus dem FAZEmag 093/11.2019
Text Triple P