Kolumbien bremst Polizei- und Militäreinsätze gegen Koka-Anbau

Kolumbien beendet den Einsatz von Polizei und Militär gegen den Anbau von Kokablättern. Präsident Gustavo Petro setzt auf eine neue Strategie, die auf Freiwilligkeit beruht.

Innenminister Armando Benedetti erklärte, dass Sicherheitskräfte nicht länger auf Plantagen vorrücken werden. Damit setzt die Regierung eine sofortige Ankündigung Petros um, wie er der Zeitung El Tiempo zufolge sagte.

Die Entscheidung begründet Bogotá mit hohen Verlusten in den eigenen Reihen: Viele Polizisten und Soldaten seien bei Zerstörungsaktionen ums Leben gekommen. Kokablätter sind die Grundlage für Kokain.

Mit Blick auf Washington stellte Benedetti klar: „Die USA stellen keinen einzigen Toten bei der Bekämpfung des Drogenhandels.“ Die US-Regierung hatte Kolumbien jüngst als „gescheitert“ im Anti-Drogenkampf eingestuft.

Präsident Petro widersprach scharf: Er werde nicht zulassen, dass sein Land „vor den Interessen der USA in die Knie geht“. Zudem betonte er, dass Bauern, die Koka anbauen, nicht „verprügelt“ werden dürften.

Noch vor kurzem hatte er gefordert, Glyphosat zur Vernichtung von Feldern erneut zuzulassen. Diese Linie gilt nun als aufgegeben. Stattdessen setzt die Regierung auf Programme, die Landwirten alternative Nutzpflanzen anbieten.

Der Drogenhandel steht seit Jahrzehnten im Zentrum des bewaffneten Konflikts, in dem Staat, Guerilla und paramilitärische Gruppen einander gegenüberstehen. Seit den 1960er-Jahren kamen rund 300.000 Menschen ums Leben, Millionen wurden vertrieben.

Die UN-Drogenbehörde UNODC meldete 2023 einen Rekordanbau von 253.000 Hektar. Auch die beschlagnahmten Mengen erreichten mit 654 Tonnen im Jahr 2025 einen Spitzenwert.

Trotz Petros Ziel eines „umfassenden Friedens“ bleibt die Lage angespannt. Im August wurden bei zwei Anschlägen auf Militärs 18 Menschen getötet. Entführungen von Soldaten beim Vorgehen gegen Kokaplantagen nahmen ebenfalls zu.

Kolumbien setzt nun darauf, dass ein Kurswechsel den Kreislauf aus Gewalt, Drogen und Repression durchbrechen kann.

Quelle: Zeit

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