Nur einige ausgewählte Songs, die man im Laufe seines Lebens zu hören bekommt, brennen sich so eindrucksvoll in die Gehörgänge, dass man sie von dort nie wieder vertreiben kann. Siân Evans, Mark Morrison und Darren Beale ist dieses Kunststück gleich drei Mal innerhalb weniger Monate gelungen. 2001 erschienen „Hide U“ und “Catch”, 2002 gefolgt von „Hungry“ – drei Perlen aus dem musikalischen Kosmos Kosheens, die ihnen bis heute nachhängen. Nicht etwa, weil sie danach nichts Erwähnenswertes mehr veröffentlicht hätten. Eher, weil diese Nummern so einzigartig und wegweisend waren, dass sie zusammen mit dem dazugehörigen Album “Resist” auch heute noch in jeden Plattenschrank gehören. Es folgten mit “Kokopelli” und “Damage” zwei weitere Longplayer, dann würde es für fünf Jahre im Hinblick auf neue Veröffentlichungen ruhiger um das Trio aus Bristol. Nun steht seit dem 28. September das vierte Album zum Kauf bereit.

“Independence” rückt nach dem eher rockigeren “Kokopelli” lautstark die Elektronik zurück in den Vordergrund und versprüht beinahe einen ravigen Charme. “Alle unsere Alben sind in erster Linie elektronisch, aber ja, ‚Kokopelli‘ war in der Tat mehr ein Live-Album für uns selbst. Wir spielten so viele Gigs zu dieser Zeit und wollten gern ein Album, das gut dazu passt. Aber elektronische Musik war natürlich trotzdem immer unser Haupteinfluss, und das bringt ‚Independence‘ mal wieder auf den Punkt.” Es waren auch die Live-Shows, die den langen Zeitraum zwischen den genannten Alben entschuldigen. “Und wir haben 2010 unser eigenes Label Skeleton gegründet, was uns sehr beschäftigt hat. Wir haben aber die ganze Zeit durchgeschrieben und produziert. Das ist ein immer währender Prozess bei uns.” Erholung gönnt man sich dabei kaum, dabei ist Abschalten gerade für Siân enorm wichtig. Aus diesem Grund hat sie Bristol vor einigen Jahren zumindest geografisch erst mal den Rücken gekehrt. “Ich lebe jetzt zwar in Wales, aber die Musikszene Bristols ist nach wie vor fantastisch, und es gibt immer wieder tolle neue Venues oder auch Restaurants. Aber wenn man so viel unterwegs ist wie wir, die unterschiedlichsten Städte bereist und an Flughäfen rumhängt, ist es gut, aus all dem mal herauszukommen und den Kopf frei zu kriegen,” erklärt sie ihre Entscheidung gegen den Rückzug in die Stadtmitte. Doch dient das viele Reisen immer als wichtige Inspirationsquelle, wie auch das Leben ganz allgemein. “Wo wir sind, was wir hören, mit wem wir zusammen sind … all das fließt in unser Songwriting mit ein.” Und so finden sich auf “Independence” zwölf elektronisch produzierte Stücke, bei denen unüberhorbar viel Wert auf klassisches Songwriting, aber eben auch auf gute Tanzbarkeit gelegt wurde. Einst neben einigen anderen Kollegen aus Bristol – wie Massive Attack und Portishead – als Vorzeige-TripHop/Drum’n’Bass/Broken Beats-Act gehandelt, erfährt genau dieser Sound heute, viele Jahre später, einen Hype, der auch Kosheen in die Karten spielen könnte. “Ich denke, das ist eine gute Sache,” bestätigt Darren. “Wir werden diesmal womöglich eine andere Reaktion auf die Drum’n’Bass- und Dubstep-Parts unserer Show erleben. Es wird die Leute nicht mehr verwirren, da sie es inzwischen aus dem Radio kennen.” Auf Tour in den deutschsprachigen Raum geht es für die drei ab Ende Oktober, und dies dürften äußerst  energetische und schweißtreibende Abende werden.

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