
Ein neues Kapitel, aber kein Bruch: Mit „Velvet Seas“ präsentieren Kraak & Smaak ein Album, das ihre musikalische DNA weiterträgt und zugleich neue Horizonte öffnet. Entstanden zwischen den Grachten der niederländischen Stadt Leiden und der kalifornischen Sonne von Los Angeles, entfaltet sich ein Klangkosmos aus Psychedelia, Soul und Pop – und zeigt, wie lebendig und neugierig das niederländische Trio nach über zwei Jahrzehnten noch immer ist. Das Album ist Ende Oktober auf ihrem eigenen Imprint Boogie Angst erschienen.
„Wir haben einen großen Sprung ins psychedelische Soul- und Pop-Territorium gewagt“, erklärt Oscar de Jong, der Studiotüftler der Band. „Schon bei ,Pleasure Centre’ haben wir damit begonnen – und konnten einfach nicht genug davon bekommen.“ Gleichzeitig habe man aber nie den Clubsound vernachlässigt, betont er: „All das verträumte, soulig-vernebelte Material ist diesmal auf dem Album gelandet, während die clubbigen Sachen über Remixe oder einzelne Releases weiterliefen.“
Der Entstehungsprozess führte die Band von ihrer Heimatstadt Leiden bis nach Kalifornien. „L.A. hat dieses besondere Etwas, das man kaum beschreiben kann“, sagt Oscar. „Das Lebensgefühl, das Licht, das Wetter – all das hat seinen eigenen Zauber. Und die Sessionkultur dort hat uns enorm inspiriert.“ Während in Leiden vor allem die langjährigen Weggefährten IVAR, Berenice van Leer und Izo FitzRoy ins Studio kamen, öffnete sich die Band in Los Angeles neuen Begegnungen: „Etwa die Hälfte des Albums entstand mit unseren Leuten zu Hause, die andere Hälfte mit Künstlern, die wir in L.A. getroffen haben.“
Die Liste der Gäste liest sich wie ein Who’s who der internationalen Soul- und Indie-Szene: Izo FitzRoy, The Undercover Dream Lovers, Kainalu oder Kosta G. „Unsere Instrumental-Demos gehen ohnehin schon in ganz verschiedene Richtungen“, erzählt Oscar. „Wir suchen dann gezielt nach Stimmen, die dazu passen – das kann manchmal richtig herausfordernd sein. Aber wenn es klappt, entsteht eine Art musikalisches Büffet.“ Das titelgebende Stück „Velvet Seas“ beschreibt Oscar als „nostalgische Sommerhymne, die an Jugend und unbeschwerte Tage erinnert – für die Details sollte man genau hinhören“. Auch sonst zieht sich ein filmischer und melancholischer Faden durch das Werk. „Unsere Musik ist immer stark mit den 60er- und 70er-Jahren verbunden“, sagt er. „Wir waren schon als Teenager große Filmfans – das hat uns geprägt. Der Song ,Midnight Cowboy’ ist zum Beispiel nach einem unserer absoluten Lieblingsfilme benannt.“
Kraak & Smaak sind bekannt für die Balance aus Live-Instrumentierung und elektronischer Produktion. „Das Gleichgewicht stimmt immer noch“, meint Oscar. „Nur haben wir uns diesmal etwas vom Funk- und Soul-Bereich hin zur psychedelischen Westcoast-Pop-Ära bewegt. Einige Fans haben sogar Steely Dan als Referenz genannt.“ Viele der üppigen Klänge seien zwar mit modernen Plug-ins entstanden, „aber meistens starten wir mit alten Instrumenten – Gitarren, Piano oder analogen Synths“. Ein besonderer Höhepunkt ist „Travel Light“, ein euphorischer Song voller Streicher und Bläser. „Der entstand aus einem Sample, das wir schon ewig benutzen wollten“, verrät Oscar. „Diese Hörner und Streicher rufen sofort ein hedonistisches Gefühl hervor. Wir haben das Sample am Ende nachspielen lassen – aber es trägt immer noch dieselbe Stimmung in sich.“
Auch live bleibt die Band in Bewegung. „Das Set frisch zu halten, ist ein ständiger Prozess“, sagt Oscar. „Da das Album weniger beatgetrieben ist, müssen wir einige Songs remixen. Aber wir werden keine reine Albumshow spielen – dafür gibt es einfach zu viele Kraak & Smaak-Klassiker, die wir lieben.” Nach über 20 Jahren hat sich die Dynamik innerhalb des Trios gewandelt, ohne ihren Kern zu verlieren. „Unsere Rollen sind klarer verteilt als früher“, erklärt Oscar. „Mark ist inzwischen Vollzeit-DJ und betreibt mehrere Plattenläden, Wim leitet unser Label Boogie Angst und kümmert sich ums Tourmanagement und ich bin der Studiotyp. Wim und ich spielen außerdem in der Liveband.“ Und wie blickt das Trio in die Zukunft? „Ich hoffe einfach, dass ,Velvet Seas’ ein Klassiker wird“, sagt Oscar lächelnd. „Und dass einige Songs später in neuen Versionen wieder auftauchen – Zeit für ein paar Remixe!”
Aus dem FAZEmag 166/12.2025
Text: Triple P
Foto: Sanja Marusic
www.instagram.com/kraakandsmaak