KraftwerkParis, 04.07.2003Loc.: Cite de la musique


Das Album „Mensch-Maschine“ von Kraftwerk wird in Kürze 40 Jahre alt. Dazu sollte es eigentlich eine Ausstellung im Wirtschaftsministerium in Düsseldorf geben, doch die Band untersagte das Abspielen des Albums, weshalb das Event abgesagt wurde.

Die Musiklegende Rüdiger Esch (Electri_City, Die Krupps), der das Ganze initiierte, kündigte auf seiner Facebook-Seite kurz und knackig an: „Ausstellung kann nicht stattfinden, da untersagt wurde, die Schallplatte abzuspielen. Kein Witz.“ Schon lange hatte Esch das Datum 19. Mai 1978 in seinem Computer gespeichert. An diesem Tag wurde nämlich das Album „Mensch-Maschine“ veröffentlicht.

All die Jahre dachte Esch, zum 40. Geburtstag von „Mensch-Maschine“ muss man etwas ganz Besonderes zu machen. Zusammen mit Gabi Luigs entwickelte er also die Idee, eine Ausstellung mit dem Albumcover und Originalgrafiken von Karl Klefisch und Fotos von Kai Schäfer zu machen. Außerdem sollte Musik von verschiedenen Genres interpretiert werden und man versuchte Weggefährten von Kraftwerk, wie etwa Musik-Kenner Pertti Grönholm aus Finnland oder Design-Experte Jonathan Barnbrook aus London als Referenten für das Event zu gewinnen.

Das Kulturamt der Stadt und das Wirtschaftsministerium waren so begeistert von der Idee, dass sie sofort geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellten. Der Eintritt für das Event sollte nichts kosten.

Doch es kamen Probleme auf, als Esch anstandsweise die künstlerischen Vertreter über das Event informierte. Eigentlich hätte er das gar nicht machen müssen, da das Albumcover bereits veröffentlicht wurde. Gema-Gebühren für das Abspielen der Musik hätte er natürlich auch bezahlt. Außerdem hatte die Veranstaltung ja auch keinen kommerziellen Charakter, da die Besucher keinen Eintritt hätten zahlen müssen.

Das Abspielen der Tracks würde aber angeblich gegen das Urheberrechte verstoßen, wenn die Band dem Abspielen nicht zugestimmt hat. Kraftwerk wollte der Aufführung der Werke nicht zustimmen, weil sie nicht möchten, dass ein Album aus dem gesamten Werk herausgehoben wird. „Es ist schwierig, jemanden zu ehren, der nicht geehrt werden will“, sagt Esch. Er wollte das Album „Mensch-Maschine“ und die Band Kraftwek ehren, da es für ihn das beste der Band sei.

Es wurde letztendlich entschieden, dass die Veranstaltung abgesagt wird. Zwar hätte man das Risiko eingehen und das Album abspielen können. Jedoch wollte man das Ministerium und das Kulturamt nicht in Schwierigkeiten bringen. Schade eigentlich, denn das Mannesmann-Hochhaus, in dem die Veranstaltung stattgefunden hätte, wurde sogar von Architekt Paul Schneider-Esleben geschaffen, dem Vater von Kraftwerk-Gründungsmitglied Florian Schneider.

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Quelle: Westdeutsche Zeitung