Laura Korinth: Musik als Lebenswende

Laura Korinth: Musik als Lebenswende. Credits: Dean Thonn, Hair & Make Up: Franca Frankenstein

Lauras musikalische Reise begann in einer der wohl unerwartesten Situationen – in einer Nacht im Münchner Club Harry Klein. In einer Zeit voller Herausforderungen, in der ihr Alltag von der Arbeit in der Pflege und Tristesse geprägt war, erlebte sie einen Wendepunkt: „Meine musikalische Reise begann im Club Harry Klein – ein entscheidender Wendepunkt in meinem Leben. Damals befand ich mich in einer herausfordernden Lebenszeit: Alltag in der Pflege, wenig Perspektive, Feiern als Flucht. Eine Nacht veränderte alles. Ich begegnete in dieser Nacht einem Straßenmusiker, als ich etwas frische Luft schnappen wollte, griff spontan nach seinem Mikrofon und begann zu singen. Es war wie ein Befreiungsschlag, ehrlich und unkontrolliert, ein Moment, der mir zeigte: Es gibt wohl einen anderen Plan für mein Leben.“ Weltweite Aufmerksamkeit verschaffte ihr eine Kollaboration mit Boris Brejcha. Zuletzt ist ihre neue Single „ANGEL“ erschienen, gerade steht die nächste Single „Transformation“ in den Startlöchern.

Ihre ersten Berührungen mit elektronischer Musik hatte sie in der Rakete, einem legendären Club in Nürnberg: „Die Rakete war definitiv ein Ort, der mich musikalisch und persönlich prägte. Ich erinnere mich noch genau an die ersten Sets meines Lebens, die ich dort hörte: Chris Liebing, Johannes Heil, Dominik Eulberg. Dieser Club gab mir anfangs viel Raum, mich zu entfalten.” Später führte ihr Weg nach Berlin – ein radikaler Neuanfang, wie sie erzählt: „Der Umzug nach Berlin war ein kompletter Neustart für mich – ohne jemanden zu kennen, mit einem einzigen Koffer und dem Wunsch, eine absolut neue Richtung einzuschlagen: die Jazz- und Blues-Szene musikalisch zu erkunden. Diese Entdeckung hat meinen Sound auf eine neue Ebene gebracht.” Doch Musik bedeutete für Laura noch viel mehr: Freiheit. „Ich wuchs in einer streng religiösen Sondergemeinschaft auf, in der Individualität kaum Platz hatte, mein Alltag durchgetaktet war und ich mich oft isoliert fühlte. Schon recht früh suchte ich nach einem Ausbruch – nachts feierte ich heimlich mit falschem Ausweis im Club, tagsüber saß ich in der Kirche. Diese zwei völlig gegensätzlichen Welten gehörten für mich damals untrennbar zusammen. Musik wurde mein Tor zu einer anderen Welt, ein Raum der Freiheit und der Träume.”

Ihre Einflüsse sind vielfältig: „Mit zwölf Jahren bekam ich von einem Jungen aus der religiösen Gemeinde eine gebrannte CD mit Tracks von The Prodigy und DJ Hell – ihre Energie fühlte sich wie ein Ausbruch aus meiner Welt an. Gleichzeitig prägten mich Rockbands wie Billy Talent und später The Doors, deren Sound mich bis heute begleitet. Marilyn Monroes stimmliche Ausdruckskraft hat mich ebenfalls tief beeindruckt. Musik war für mich stets wie eine verlässliche Freundschaft. Filmmusik inspiriert mich – ich sehe mein Leben wie einen Film, immer begleitet von dem passenden Track. Genauso kreiere ich auch meine Musik: meinen eigenen Soundtrack.“
Einen wichtigen Meilenstein ihrer Karriere markierte die Zusammenarbeit mit Boris Brejcha, die ihr internationale Aufmerksamkeit verschaffte: „Diese Kollaboration war ein wichtiger Schritt in meiner Karriere. Es war meine absolut erste Erfahrung im Songwriting, und die Möglichkeit, meine Ideen in einen Track einzubringen, hat mich sehr motiviert. Ich konnte viel lernen, sowohl künstlerisch als auch persönlich. Diese Erfahrung hat mir geholfen, mich weiterzuentwickeln und meine Musik einem deutlich größeren, internationalen Publikum näherzubringen.“

„Gravity”, die Kollaboration zwischen Laura Korinth und Boris Brejcha ist 2019 via Ultra Records erschienen:

Ein besonderes persönliches Projekt ist ihr Song. „‚ANGEL‘ erinnert uns daran, dass wir mehr sind als die Rollen, die uns von außen zugeschrieben werden. Der Song lädt dazu ein, unsere inneren Widersprüche zu akzeptieren und diese nicht isoliert zu sehen, sondern als eine Einheit. Er ermutigt uns, über die Herausforderungen hinauszuwachsen und unser eigenes Licht zu entdecken, auch wenn es sich zunächst verborgen anfühlt.“ Das neue Musikvideo zu dem Song ist ebenfalls veröffentlicht. Der Produktionsprozess war herausfordernd, wie sie erzählt: „Der Produktionsprozess war ein echter Marathon – von ‚Hilfe, das klingt zu weird!‘ bis ‚Okay, das funktioniert doch‘. Der Track lag lange auf meiner Festplatte, bevor ich den Mut fand, ihn zu veröffentlichen. Zuvor wurde er bereits in einem Techno-Ballett in London aufgeführt, was mir zusätzliche Motivation gab. Es war der dritte Track, den ich jemals produziert hatte, und ich hatte anfangs große Zweifel, vor allem wegen meiner technischen Fähigkeiten. Letztlich war es jedoch der Wunsch, meine Musik mit der Welt zu teilen, der mich dazu brachte, den Schritt zu wagen. Mein engster Kreis hat mich dabei sehr unterstützt.“

Lauras technische Ausstattung ist dabei ebenso ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit: „Ich arbeite mit Ableton Live 11, weil es meinen Workflow unterstützt. Die RME Fireface UCX II Soundkarte liefert exzellente Audioqualität. Der DeepMind 12D und Prophet 08 Synthesizer, die mir mein Onkel Michi vererbt hat, prägen meinen Sound. Als Mitglied der Band ‚Sounders Department‘ war er ein talentierter Produzent und später eine wichtige Person in meinem Leben. Das AKAI MPK88 fühlt sich wie ein echtes E-Piano an, das Neumann TLM-102-Mikrofon liefert klare Vocals, die gut zu meiner Stimme passen. Die Adam-Audio-Boxen sorgen für eine präzise Wiedergabe.“

Das autodidaktische Erlernen aller Skills sieht sie als zentrale Erfahrung: „Es war eine Herausforderung, aber auch eine wertvolle Chance. Durch ständiges Experimentieren habe ich nicht nur meine künstlerischen Fähigkeiten erlernt, verbessert, sondern auch eine tiefere Verantwortung für mich und meine Kunst übernommen. Diese Unabhängigkeit gibt mir die Freiheit, meinen eigenen Sound zu entwickeln und meine Musik authentisch zu kreieren.“

Die Clubkultur bleibt eine zentrale Inspiration: „Sie inspiriert mich weiterhin. Auch wenn ich nicht mehr jedes Wochenende feiere, finde ich in diesen Nächten immer noch neue Musik, frischen Input und erlebe echte Momente. Diese Erlebnisse fließen direkt in meine Werke und verbinden mich mit den Ursprüngen meiner künstlerischen Reise.“ Für die Zukunft hat Laura klare Pläne. „Ich möchte vor allem regelmäßig Musik veröffentlichen – und nicht mehr nur alle fünf Jahre“, sagt sie lachend. „Dabei möchte ich meinen Sound weiterentwickeln. Meine kulturellen Wurzeln aus Deutschland, England und Südamerika sollen in meine Produktionen einfließen. Ich möchte vor allem meine technischen Fähigkeiten ausbauen und gleichzeitig möchte ich weiterhin experimentieren und mir Freiräume lassen. Da gibt es noch viele künstlerische Ideen, die ich Stück für Stück umsetzen möchte.“

Am 21. Februar 2025 die neue Single „Transformation“, in die ihr hier schon mal reinhören könnt:

Credit: Jonas Seamus Graf. Make Up & Hair: Franca Frankenstein

Die Single „Transformation“ von Laura Korinth erscheint am 21. Februar 2025.

Aus dem FAZEmag 154/12.2024
Text: Lisa Bonn
Credit: Dean Thonn, H&M, Franca Frankenstein
Web: www.instagram.com/laurakorinth