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Mit durchschnittlich 23.000 Besuchern pro Jahr gilt die MAYDAY als einer der größten Indoor-Raves überhaupt. Fünf Floors warten auch wieder am 30. April auf die feierwütigen Massen, die auf knapp 24.000 Quadratmetern die Nacht zum Tag machen wollen. Das Motto lautet dieses Mal “Full Senses” und versteht sich als ein Appell, das Festival mit allen Sinnen zu erleben und zu genießen. Der Gast soll nicht bloß Zuhörer sein, sondern Akteur. Um den Sinnen auch stimulierende Reize zu bieten, ziehen die Veranstalter mit einer 6-Punkt Beschallung, Kinetic-Konstruktion an der Decke und einer gewohnt hochwertigen Licht-, Laser und LEDInstallationen wieder alle nur erdenklichen Technik-Register. Auch das Line-up der MAYDAY 2014 hat einiges zu bieten. Mit Robin Schulz, Wildstyles, Oliver Schories und Faul trifft die junge, frische DJ-Generation auf ihre einstigen Vorbilder: Chris Liebing, Paul van Dyk, Sven Väth, Moonbootica und Len Faki. Letzteren haben wir zum Interview geladen.

Len, du liebst es, lange Sets zu spielen. Auf den Festivals kannst du gerade mal zwei Stunden spielen. Ist das immer eine große Umgewöhnung für dich?
Wenn man so sagen will, bin ich natürlich im Club groß geworden. Von daher hat das auch einen gewissen Wert für mich. Aber trotzdem, die Frage was mir lieber ist stellt sich gar nicht. Inzwischen ist das eher so natürlich für mich wie Jahreszeiten. Nach den kalten Tagen im Winter geht es wieder raus auf die Festivals, man genießt die Zeit draußen, das schöne Wetter und die besondere Atmosphäre – die Abwechslung von beidem ist das, was es für mich erfrischend macht, und ich möchte diese Vielfalt nicht missen. Ob ich acht Stunden spiele, was eher selten vorkommt, oder zwei Stunden; zwar sind das unterschiedliche Situationen und Herausforderungen, beides ist für mich aber wie eine Art Reise. Ein musikalischer Ausflug wenn man so will, wo es nicht wichtig ist, auf den Punkt zu kommen sondern eine besondere Atmosphäre zu schaffen, mit dem Publikum einzutauchen und den Moment zu genießen.

Vor vielen Jahren bist du von Stuttgart nach Berlin gezogen. Vermisst du manchmal das eher ländliche, bodenständige Heimatgefühl, wenn du dir deinen Kalender so anschaust oder im Flieger sitzt?
Heimatgefühl ist für mich nicht unbedingt an einen Ort gebunden, den es zu vermissen gilt. Was mir auf Reisen natürlich manchmal fehlt, sind Familie, Freunde und mein eigenes Bett, aber letzten Endes liebe ich es, unterwegs zu sein, ins Ungewisse zu starten, mich neuen Herausforderungen zu stellen und die Menschen mit meiner Musik zu begeistern und schöne Augenblicke mit ihnen zu teilen, das gibt mir sehr viel. Nach meiner Ankunft am Flughafen gibts direkt eines meiner Rituale. Ich hole mir immer einen Kaffee, gehe nach draußen, zünde eine Zigarette an und während ich beides genieße, sauge ich die ersten Eindrücke, Gerüche und Emotionen der Stadt auf und taxiere den Stand der Dinge. Um die Atmosphäre eines Landes aufzunehmen, finde ich es weiterhin einfach am besten, sich unter die Leute zu mischen, was vielleicht auch an meinen südländischen Wurzeln liegt. Das mache ich noch immer sehr gerne, besonders bei Orten, an denen ich noch nicht war.

Du bist seit Mitte der 90er-Jahre aktiv in der elektronischen Musik-Szene und hast deinen Stil im Laufe der Jahre immer härter werden lassen. Inwiefern hängt das mit dem Umzug nach Berlin zusammen?
Ausschließlich um Härte ging es mir noch nie in meinen Sets. Wenn ich rückblickend darüber nachdenke, würde ich sogar sagen, dass ich Härte und Schnelligkeit über die Zeit eher proportional reduziert habe. Ich empfinde Techno schon immer als befreiend und schon seit meiner Jugend fasziniert mich diese gewisse Energie – ich denke, das ist es, worauf es mir ankommt. Berlin hat zu dieser Entwicklung bestimmt beigetragen, bei der es mir nach wie vor um diese Energie geht, mittlerweile aber auf eine andere, subtilere Art und Weise. Mein Stil ist roher, kantiger und offener geworden und das finde ich gerade sehr spannend und es macht mir großen Spaß zu spielen und damit zu experimentieren. Auch auf das Label hat diese Entwicklung abgefärbt. Momentan fahre ich einfach sehr auf Stücke ab, die mit gezielten Elementen den Raum füllen und auskommen oder einen Hypnose-artigen Zauber herbei führen.

Du bist seit Anfang an im wohl weltweit bekanntesten Techno-Club der Welt dabei, dem Berghain. Wie siehst du als Wahlberliner den Stand der Dinge in Bezug auf den viel zitierten ‚Tourismus-Hype‘?
Berlin ist eine sehr vielfältige Metropole, die einiges zu bieten hat, was natürlich viele Touristen anzieht und zweifellos ist die Clublandschaft einzigartig, was als zusätzlicher Magnet dient, aber das finde ich natürlich auch gut so. Selbst wenn das zu Anfang nicht so geplant war, so tragen die Besucher auch zum Erhalt der Vielfalt bei. Ich denke, das Wichtigste ist ein guter Umgang damit, so wie ihn das Berghain beispielsweise hat. Rücksichtnahme auf das Bestehende aber Offenheit für Neues. Wenn ich im Club an die Bar gehe, habe ich gar nichts dagegen, wenn ich dort unterschiedliche Sprachen höre und empfinde das eher als Bereicherung durch die sehr viel mehr Positives entsteht, als dass die eine oder andere Schlagzeile in der Regenbogenpresse Gegenteiliges behauptet.

Auf deinem Label hast du zuletzt Kollabo-EPs veröffentlicht. In 2013 mit Johannes Heil und in diesem Jahr mit Markus Suckut. Was steht in 2014 noch auf Figures an, und mit welchen Künstlern würdest du aktuell gern kooperieren?
Ja, die Kollaborationen waren etwas Neues für mich, was sich eher so entwickelt hat, als dass es bewusst entschieden worden wäre. Nachdem ich immer alleine gearbeitet habe, waren diese Zusammenarbeiten wirklich Neuland für mich, aber es war eine herrliche Zeit zusammen im Studio, bei der wir viel Spaß hatten und auch als Team enger zusammen gewachsen sind. Besonders mit Johannes und Markus. Da wird auch in Zukunft noch das eine oder andere gemeinsame Projekt kommen, weil wir einfach gemerkt haben, dass wir auch im Studio gut miteinander klar kommen. Durch diesen Flow gibt es jetzt bald auch eine vs. Platte mit Roman Poncet und mir, der ja auch schon auf Figure veröffentlicht hat. Der aus Manchester stammende Cleric, von dem bereits die zweite EP vorliegt, ist unser neuester Zuwachs im Team. Ich habe ein sehr gutes Gefühl mit ihm und es ist mir nach wie vor wichtig, junge Künstler mit Figure zu fördern, das macht einfach auch immer Spaß, mit jungen und kreativen Menschen zusammen zu arbeiten und ihnen eine Plattform geben zu können.

Du spielst jetzt zum wiederholten Mal auf der MAYDAY. Was macht die MAYDAY für dich immer noch und immer wieder aufs Neue besonders?
Die MAYDAY ist natürlich ein fester Bestandteil unter den deutschen Festivals. Ich hatte dort immer eine gute Zeit, und zudem ist so eine Großveranstaltung natürlich auch jedes Mal etwas Besonderes. Mein Gefühl war immer, dass die Leute dort ihren Spaß haben und ich bin jedes Mal warm und herzlich empfangen worden, worauf ich mich auch dieses Mal wieder sehr freue.

 

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