Lisbon Dance Summit – die neue Konferenz in Portugals Hauptstadt

Foto: Andreas Brucker

Mit dem Lisbon Dance Summit entsteht Ende April ein neues Format, das die portugiesische Szene enger mit der internationalen Industrie verzahnen soll. Zwischen Panels, Workshops und Showcases versammelt das Event im Casa Capitão zentrale Stimmen der Szene – darunter Enrico Sangiuliano, Anja Schneider, Patrice Bäumel, Mathew Jonson, Sébastien Léger, Katie Bain von Billboard oder Carl Loben von DJ Mag – und bringt sie mit lokalen Akteuren zusammen. Ziel ist es, nicht nur zu netzwerken, sondern nachhaltige Strukturen zu schaffen. Wir haben mit Joyce Muniz, verantwortlich für den Studio Hub und Teile des Line-ups, sowie mit dem Team hinter dem Summit über Anspruch, Realität und die Zukunft der Szene gesprochen.

Joyce, du bist für den Studio Hub und Teile des Line-ups verantwortlich. Was war deine Vision?
Als ich eingeladen wurde, die erste Edition zu kuratieren, hat sich das sehr besonders angefühlt. Ich war gerade erst nach Lissabon gezogen, und es war fast wie ein persönlicher Beitrag zur Stadt, etwas von Grund auf mit aufzubauen. Von Anfang an wollte ich, dass das Line-up die echte Energie Lissabons widerspiegelt. Nicht nur Diversität im klassischen Sinne, sondern auch in Sound, Kultur, Background und Persönlichkeit. Alle Artists leben aktuell in Lissabon – das macht es zu einem echten Snapshot der Szene.

Was macht den Studio Hub anders als klassische Konferenzformate?
Nach Jahren auf Panels hatte ich oft das Gefühl, dass etwas fehlt. Zu oft sieht man die gleichen Stimmen. Der Studio Hub soll die echte Vielfalt elektronischer Musik abbilden. Es geht über klassische Talks hinaus – wir haben Workshops zu Black Music History, Modular Live Sets, Visual Arts, AI in der Produktion, Sessions von Frauen und queeren Artists. Für mich ist das die Zukunft der Szene: inklusiv, bewusst und vernetzt.

Was fehlt dir generell bei solchen Konferenzen?
Eine Konferenz sollte Raum für echten Austausch sein. Es reicht nicht, nur erfolgreiche Artists zu feiern. Man muss auch denen Raum geben, die gerade erst anfangen oder die Underground-Szene tragen. Genau diese Mischung ist entscheidend. Es ist inspirierend, Erfolgsgeschichten zu hören, aber genauso wichtig ist es, den Weg dorthin zu verstehen. Gerade heute ist es zwar einfacher geworden, Musik zu releasen – aber seinen Platz zu finden, ist immer noch extrem schwierig.

Wie ist der Fokus im Studio Hub – Technik oder Strategie?
Es geht um beides, vor allem aber um Austausch. Musikproduktion ist extrem persönlich. Jeder arbeitet anders. Manchmal bringen Newcomer sogar frischere Perspektiven als etablierte Artists. Heute ist Produktion viel zugänglicher geworden – ein Laptop reicht oft schon. Deshalb entwickeln neue Generationen unglaublich kreative Ansätze. Genau diese Mischung macht die Workshops spannend.

Wie bist du an das Line-up für die Shows herangegangen?
Die Nacht ist eine Feier der lokalen Szene. Ich wollte Collectives und Labels aus Lissabon, Porto und der Algarve zusammenbringen – plus internationale Artists, die hier leben. Das Besondere an Lissabon ist: lokal ist automatisch international. Genau das wollten wir zeigen.

Hat dich diese Rolle verändert?
Absolut. Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen und habe gemerkt, dass das, was ich in den letzten 20 Jahren aufgebaut habe, wirklich Gewicht hat. Es hat mir neue Energie gegeben. Und vor allem gezeigt, dass es nicht nur um mich als Artist geht, sondern um die Community insgesamt.

Team LDS – was will der Lisbon Dance Summit grundsätzlich erreichen?
Portugal hat eine starke Szene, die sich seit den 90ern entwickelt hat, aber sie ist fragmentiert. Viele DJs spielen fast ausschließlich im Inland, was zu einem gewissen Verdrängungswettbewerb führt. Die Idee ist, Lissabon als echten internationalen Hub zu positionieren – ähnlich wie andere große Konferenzformate.

Warum ist die Verbindung von Kreativ- und Business-Seite so wichtig?
Wenn man eine nachhaltige Szene aufbauen will, braucht es mehr internationale Erfolgsgeschichten aus Portugal. Dafür muss man die lokale Szene mit der globalen Industrie vernetzen. Genau dafür soll die Plattform dienen – durch Networking, Workshops und konkrete Austauschformate.

Welche Themen sind aktuell besonders relevant?
Es gibt viele – von lokalen Clubstrukturen bis hin zu AI. Aber besonders wichtig sind mentale Gesundheit und Bildung. Wer langfristig bestehen will, muss seine Rechte verstehen, Distribution, Marketing. Genau hier setzt das Programm an.

Warum geht das Konzept über die Konferenz hinaus in die Stadt?
Weil es nicht nur um Panels geht. Mit mehreren Bühnen, Workshops und Events in der ganzen Stadt entsteht ein echtes Ökosystem – nicht nur ein isoliertes Event.

Wie stellt ihr sicher, dass Networking mehr ist als nur Small Talk?
Durch die Struktur. Mehrere Stages, Workshops, Panels und zusätzliche Off-Events schaffen echte Berührungspunkte. Die Idee ist, dass man sich nicht nur begegnet, sondern zusammenarbeitet.

Wann wäre der Summit ein Erfolg?
Wenn in ein paar Jahren mehr internationale Erfolgsgeschichten aus Portugal entstehen – bei Artists, Labels und Management. Und wenn insgesamt das Interesse an der portugiesischen Szene wächst.

Mehr Infos zum Lisbon Dance Summit erfahrt ihr auf der Homepage sowie auf Instagram.

 

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