
Nach über einem Jahrzehnt an der Spitze der etablierten HEX-Brand schlägt Lorenzo Raganzini ein neues, zutiefst persönliches Kapitel auf. Mit seinem Debütalbum „Techno Rebels“, das am 10. April 2026 erschien, bricht der italienische DJ und Produzent bewusst mit aktuellen Trends der „Hyperfast-Music“. Er nimmt uns auf diesem Album auf eine kontinuierliche Reise durch die Einflüsse von Industrial, Techno und 90er-Jahre Big Beat mit. Wir haben mit Lorenzo darüber gesprochen, wie er es schafft, persönliche Geschichten in die Sprache seiner Musik zu übersetzen und warum die Connection zur Crowd manchmal auch ein Stück Verletzlichkeit während der Live-Performance verlangt.
Wenn du den Klang und das Wesen von „Techno Rebels“ in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde dieser lauten?
Mein Leben in Klängen, ein klares Klangbild der Emotionen und Erinnerungen, die mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin: durch Kämpfe, Liebe, Freundschaft und Verbundenheit, ohne den Anspruch, in irgendeine Schublade zu passen, sondern als reiner Ausdruck meiner Kunst.
Du hast dieses Album als eine Reihe von Kapiteln geschrieben, bevor du ins Studio gegangen bist. Kannst du uns erklären, wie du diese Geschichten in deinen Sound umgesetzt hast?
Ich habe mich entschieden, nicht mit dem Sound anzufangen, sondern mit dem Gefühl. Jeder Song ist eine Szene, ein Moment aus meinem Leben. Ich habe ihn in meinem Kopf neu aufgebaut und gespürt, was dabei hochkam. Von da an floss alles ganz natürlich. Jedes Element fand seinen Platz um diese Emotion herum. Ich habe es einfach gehalten, nur das, was nötig war, um euch in diese Welt zu entführen. Es fühlte sich eher so an, als würde ich mein eigenes Universum erschaffen, als nur Songs zu produzieren.
Nachdem du ein Jahrzehnt lang die Marke HEX geprägt hast, kehrst du nun zu dem traditionelleren Techno-Stil zurück, den du den größten Teil deiner Karriere gespielt hast. Wie kam es zu dieser Entwicklung, und warum war es dir wichtig, dieses Projekt ganz ohne Einfluss von außen oder Gastbeiträge zu verwirklichen?
Ich würde es nicht als traditionell bezeichnen. In dem, was ich mache, steckt immer eine rebellische Seite. Dieser Wandel entstand aus dem Bedürfnis, zu meinen Wurzeln zurückzukehren, auch wenn es nicht dem aktuellen Trend der „hyperfastmusic“ entspricht, der mir vielleicht mehr Gigs einbringen könnte. Ich möchte mich auch nicht auf Drops konzentrieren, sondern eine durchgehende Reise auf der Tanzfläche schaffen. Eine Session, die nicht für Höhepunkte oder hochgereckte Handys gedacht ist, sondern dazu, die Augen zu schließen, sich mit sich selbst oder anderen zu verbinden und einfach nur da zu sein, gemeinsam zu tanzen, zu genießen … zu lieben. So habe ich angefangen, warum ich angefangen habe, und das ist es, was mir heute wieder Energie gibt.
Mein Manager hält mich für verrückt und glaubt, dass mir die Leute nicht folgen werden, aber ich glaube das Gegenteil. Wenn man sein Herz öffnet und das tut, was man liebt, nur um es zu tun, wird man eins mit seiner Musik, und die Leute spüren das. Einige werden gehen, andere werden kommen. Das ist Teil der Reise, und ich akzeptiere das.
Das Album spiegelt wider, wo ich gerade stehe. Es beginnt schneller und intensiver, wird dann tiefer und emotionaler. Es ist eine Rückkehr zu dem, was sich für mich gut anfühlt. Ich habe es alleine gemacht, weil ich diesen Freiraum und eine klare Stimme brauchte. Keine Gastbeiträge, nur mein eigener kreativer Output.

Deine Single „Amore (I Love You)“ beschäftigt sich mit der Chemie zwischen Ravern und der „music dissolving distance“. Wie lässt sich diese „quiet form of romance“ mit dem schweren, industriellen Sound eines „Rebel“ vereinbaren?
Es sind zwei Seiten derselben Medaille. Auf der einen Seite ist der Sound treibend und intensiv, auf der anderen Seite liegt etwas Zartes in den Texten und der Melodie.
Es ist die Dualität des Lebens. Selbst in einem verzerrten und gnadenlosen Sound kann man Liebe und Verbundenheit finden. Diese Spannung ist es, die es für mich interessant macht.
Du stellst auf ein reines Live-Setup mit einem seltenen und komplexen analogen Mischpult um. Ist die Entscheidung für „schwieriges“ Equipment in einer Branche, in der das Digitale an erster Stelle steht, dein Weg, um sicherzustellen, dass du dich niemals einem einfachen kreativen Pfad „anpasst“? Ist diese Entscheidung an sich schon ein Akt der Rebellion?
Für mich ging es darum, mich selbst herauszufordern. Ich wollte sehen, wie verletzlich ich vor dem Publikum sein kann und wie tief diese Verbindung reichen kann.
In einem Live-Set ist nichts sicher, alles kann passieren, und das zwingt dich dazu, voll und ganz präsent zu sein. Mein unveröffentlichtes Album in Berlin in einem intimen Theater und am Silvesterabend im Cocoricò in Italien vor Tausenden von Menschen zu spielen, war ein großer Moment für mich, aber auch ein Stresstest, hehe. Ein Moment des Übergangs, in dem das, was ich aufgebaut hatte, endlich zum Leben erweckt wurde.
DJing war und wird immer mein Hauptformat bleiben, aber Live-Auftritte haben mir neue Möglichkeiten eröffnet. Wir werden sehen.
Hier geht es direkt zum neuen Album „Techno Rebels“ von Lorenzo Raganzini auf Spotify:
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