
Heutzutage sind viele Frauen aus den Line-ups großer Events der elektronischen Musik nicht mehr wegzudenken. Lilly Palmer, Charlotte de Witte, Amelie Lens, Nina Kraviz, Anfisa Letyago, Peggy Gou, The Blessed Madonna, Ellen Allien, Honey Dijon oder auch Rebekah stehen für weibliche Power an den DJ-Booths. Doch lange Zeit hatten es viele Frauen äußerst schwer im männlich dominierten DJ-Business der Technokultur Fuß zu fassen.
Mit Blick auf den Weltfrauentag rückt ein Kapitel der elektronischen Musikgeschichte wieder in den Fokus. Obgleich sich in den 90er-Jahren kaum weibliche DJs (damals im Deutschen noch DJane genannt) in den Line-ups großer Rave-Events wiederfanden, machte die Loveparade schon 1996 progressive Schritte: In jenem Jahr ging zur großen Berliner Parade erstmalig ein Float an den Start, auf dem ausschließlich Frauen spielten.
Eine der weiblichen DJs auf dem Truck, der unter dem Motto „Frauen an die Turntables“ die Menschenmassen auf der Straße des 17. Juni beschallten, war Melanie Di Tria. Die Acid-Ikone aus Nordrhein-Westfalen ist eng mit der dortigen Clubkultur verbunden und setzte bereits damals Maßstäbe.
In einer Szene, die Mitte der 90er stark männlich geprägt war, setzte der Family-Only-Float ein deutliches Zeichen: Es ging nicht um Abgrenzung, sondern um Sichtbarkeit. Der Wagen stellte Frauen ins Zentrum – an die Decks und vor hunderttausende Raver:innen – in einer Zeit, in der sie in der Szene eher belächelt und unterrepräsentiert waren.
Melanie war zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahre aktiv. Seit 1991 stand sie hinter den Plattenspielern, spielte Hard House, Techno, Trance und Acid – ausschließlich auf Vinyl. 1996 machte sie das Auflegen zum Hauptberuf. In einer Zeit ohne Sync-Button, ohne Social-Media-Reichweite und ohne Influencer-Kultur zählten vor allem Mixing, dramaturgisches Gespür und technisches Können.
So ging es auf der Loveparade 1996 ab:
Der DJane-Only Wagen auf der Loveparade markierte dabei einen Wendepunkt. Nicht nur persönlich, sondern symbolisch: Er zeigte, dass weibliche DJs keine Ausnahmeerscheinungen sein mussten.
Drei Jahrzehnte später hat sich die Szene verändert. Line-ups sind diverser geworden, Diskussionen über Gleichberechtigung sichtbarer. Dennoch bleibt offen, wie viele der ersten Wegbereiterinnen heute noch wahrgenommen werden.
Für Melanie ist die Motivation bis heute dieselbe geblieben: Musik als verbindendes Element, als Raum, in dem Aussehen, Status oder Szene-Zugehörigkeit keine Rolle spielen. „Wir sind alle eins“, sagt sie rückblickend auf ihre frühen Jahre – geprägt von Gemeinschaft, Nächten voller Energie und dem Gefühl, musikalisch nach Hause zu kommen.

Der Weltfrauentag bietet einen Anlass, nicht nur aktuelle Entwicklungen zu feiern, sondern auch zurückzublicken auf jene Momente, in denen Frauen in der elektronischen Musik früh Verantwortung übernahmen und Strukturen mitgestalteten. Der Loveparade-Float von 1996 war einer davon.
Melanie Di Tria ist bis heute als DJ unterwegs und Teil des Classic-DJ-Rosters der Kölner Agentur Dancefield. Weitere Infos gibt es hier.
Während der Covid-19-Pandemie war Melanie unter anderem Teil eines 48-Stunden-Livestreams: