Loveparade: Stiftung, Gedenkstätte & Trauer-Event verschwinden

Am 24. Juli 2010 verwandelte sich ein ausgelassenes Techno-Festival in eine Tragödie: In Duisburg starben 21 Menschen in einer Massenpanik, mehr als 500 wurden verletzt. Nun, 15 Jahre später, steht ein Wandel im Umgang mit der Erinnerung bevor.

Die Gedenkstätte an der Unglücksstelle ist bislang ein schlichter, unruhiger Ort im Tunnel – laut, verkehrsnah, fern von Besinnlichkeit. Doch die Stadt Duisburg plant, das Gelände, das seit der Katastrophe brachliegt, in ein modernes Stadtquartier zu verwandeln.

Ab dem kommenden Jahr soll gebaut werden – mit Wohnraum für bis zu 5.000 Menschen und Arbeitsplätzen für rund 8.000. Das Viertel könnte bis 2032 fertiggestellt sein. Die Unglücksstelle soll dabei nicht verschwinden:

Die schmaler umgebaute Rampe soll zurück in ihren Originalzustand versetzt und in eine ruhige Parkanlage eingebettet werden. Auch das Gedenken selbst steht vor einem Einschnitt. Die Stiftung „Duisburg 24.7.2010“, die über Jahre traumatisierte Opfer und Hinterbliebene unterstützt hat, wird sich auflösen.

Der Bedarf sei laut Vorstand zuletzt stark zurückgegangen. Die alljährliche Nacht der 1.000 Lichter, eine feste Größe im Gedenkkalender, wird in ihrer bisherigen Form letztmalig stattfinden. Die Stadt Duisburg will künftig selbst Verantwortung für die Erinnerung übernehmen.

Der Wandel in der Trauer ist spürbar. „Wenn man Kinder verliert, wird man nie darüber hinwegkommen“, sagt Jürgen Widera, Theologe und langjähriger Ombudsmann der Stiftung. Doch auch er betont, dass sich Trauer verändern müsse:

„Es ist gefährlich, wenn Trauer sich nicht nach einer gewissen Zeit weiterentwickelt.“ Eine Mutter habe nach fast 15 Jahren wieder Farbe in ihr Leben gelassen – ein Zeichen für beginnende Heilung.

Zum 15. Jahrestag werden noch einmal viele Angehörige an der Rampe erwartet. Sie kommen aus ganz Deutschland, sogar aus Australien und China. Es werden Kerzen angezündet, Namen verlesen, Trost geteilt.

Für viele ist es essenziell, noch einmal an dem Ort zu sein, an dem das Leben ihrer Kinder endete – inmitten einer Menschenmenge, die eigentlich nur feiern wollte. Denn damals war die Loveparade ein Magnet für Hunderttausende junge Menschen.

Elektronische Beats, tanzende Körper, Euphorie – und dann das tödliche Gedränge. Zwischen 16.30 und 17.15 Uhr befanden sich laut Ermittlungen über 10.000 Menschen gleichzeitig auf der Rampe und im Tunnel – das entsprach über sieben Personen pro Quadratmeter.

Die Masse geriet in Bewegung, Panik brach aus. Es kam zu Quetschungen, Knochenbrüchen, Traumata – und 21 Todesopfern im Alter von 17 bis 38 Jahren. Die Aufarbeitung der Katastrophe dauerte Jahre.

In einem Mammutverfahren mit 184 Sitzungstagen versuchten Ermittler, Sachverständige und Juristen, das Geschehen zu rekonstruieren. Am Ende wurde das Verfahren ohne Urteil eingestellt.

Der Richter stellte fest: „Es war eine Katastrophe ohne Bösewicht.“ Eine Vielzahl von Umständen, darunter die ungeeignete Location, hatte zur Eskalation geführt. Immerhin: Als Folge wurden Sicherheitsvorschriften für Großveranstaltungen deutlich verschärft.

Für viele Hinterbliebene ein Trost, wie Jürgen Thiesbonenkamp vom Kuratorium der Stiftung betont. Es zeige, dass der Tod ihrer Kinder nicht völlig sinnlos war – sondern dazu beitrug, ähnliche Tragödien künftig zu verhindern. Der 15. Jahrestag ist damit ein doppelter Einschnitt – ein Moment der Erinnerung, aber auch des Aufbruchs.

Quelle: STOL

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