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Mitte April war es vorbei. Das Magdalena in Berlin musste seine Türen schließen. Vier Nächte wurde durchgefeiert und dann war es so weit. Daniel Boon, ehemaliger Inhaber der Magdalena, hat die allerletzte Platte aufgelegt. Wir hatten die Möglichkeit ihn, knapp sieben Wochen nach der Schließung, mit ihm zu sprechen und ihn zum Closing und seinen zukünftigen Plänen zu befragen: 

Berlin war und ist für dich immer schon ein ganz besonderer Ort gewesen. Nicht nur deine Heimat, sondern auch Ort für deinen musikalischen Output. Was macht diese Stadt so besonders für dich, was hast du für besondere Erinnerungen, was verbindest du mit ihr?

Was ich mit Berlin verbinde? Ich würde sagen einfach alles. Hier bin ich geboren und aufgewachsen, hier bin ich das erste Mal tanzen gegangen, habe das erste Mal aufgelegt … Ich glaube die Liste ist endlos lang. Ich könnte mir nicht vorstellen woanders zu leben, nicht umsonst kommen so viele Menschen nach Berlin. Für mich persönlich ist es die tollste Stadt der Welt.

Du bist nicht nur DJ und Labelinhaber, sondern auch Club-Inhaber. Vor Kurzem musste dein Club, die Magdalena, schließen, da es neue Pläne seitens der Stadt für das Areal gibt. Wie kam es dazu?

Das ist eine längere Geschichte und würde hier definitiv den Rahmen sprengen. Aber um es kurz anzureißen: Unser altes Gelände gehört dem Land Berlin und es sollte verkauft werden, jetzt war ein anderer Club, das Yaam (ein Reggae-Club), den es schon seit 20 Jahren gibt, vom Aussterben bedroht, weil sie von ihrem Grundstück runter mussten. Da unser Mietvertrag auslief, wurde er kurzer Hand nicht mehr verlängert und das Grundstück extra für das Yaam aus dem regulären Verkauf genommen. Somit hat das Yaam jetzt endlich einen langfristigen Mietvertrag und wir sind heimatlos geworden.

Kannst du schon verraten, ob und wie es weitergehen wird?

Wir haben schon ein neues Grundstück, aber das gestaltet sich gerade noch etwas schwierig. Wir sollten das eigentlich kaufen. Aber in zehn oder 15 Jahren hätten wir es dann wieder zurückgeben müssen, weil dann an diesem Standort eine neue Stadtautobahn gebaut werden würde. Die Politik hat dann letztlich eingesehen, dass das totaler Schwachsinn ist. Aktueller Stand ist, dass wir einen Mietvertrag bekommen sollen. Wie jeder weiß, mahlen aber die Mühlen der Politik langsam. Aber es wird weitergehen, es dauert halt nur ein wenig.

Nicht nur die Magda ist/war betroffen, auch andere Clubs wie das Morlox haben ja ihre Türen schließen müssen. Wie sehr schadet die Politik der Stadtplanung der Szene in Berlin?

Naja, es gibt halt auch Fälle wie das Yaam, wo sie sie sogar retten und fördern. Wir haben auch starke Unterstützung aus der Politik, das Morlox hatte diese auch, aber es kann halt leider nicht alles gerettet werden und manche müssen halt aus gewissen Gründen weichen. Da kann selbst die Politik nicht viel machen. Oftmals sind es ja auch Entscheidungen, die eigentlich aus Druck von der Wirtschaft entstehen. Ich finde, dass wir in Berlin schon ganz gut unterstützt werden, im Gegensatz zu anderen Deutschen Städten, wo es z.B. immer noch eine Sperrstunde gibt.

Die Closing Party in der Magda ging über mehrere Tage, wie schwer fiel es dir, den letzten Track zu spielen, um dann zum letzten Mal das Licht anzumachen?

Oh, das fiel mir ganz schön schwer. Zwar habe ich immer ein wenig Lampenfieber bevor ich anfange aufzulegen, doch dieses Mal war ich wirklich sehr aufgeregt. Ein sehr emotionaler Moment, einfach viel krasser als jedes Mal davor. Zum Schluss stand dann fast die ganze Crew hinter mir und es flossen etliche Tränen. Für mich war es sehr ergreifend, da ich ja auch schon seit zehn Jahren meine Veranstaltungen in dieser Location gemacht habe.

Für dich war der Club eine zweite Heimat und das Personal mehr Familie als Angestellte. Machte das wohl einen Teil des Charmes des nun geschlossenen Clubs aus?

Ich würde sagen ja, das war das Besondere bei uns. Wir sind vier Chefs gewesen und es war mindestens immer einer da. Wir waren oder sind halt authentisch. Wir kommen alle aus Berlin und haben uns beim Feiern kennengelernt. Ich glaube, bei uns lief auch alles etwas lockerer ab, als in anderen Clubs ab.

Du hattest auch dein Studio im Club, welches jetzt ebenfalls umziehen muss. Wie überbrückst Du diese Zeit gerade?

Ich überbrücke das bei anderen Künstlern im Studio. Habe jetzt ein paar Sachen wie die „Rampa Zampa EP“ mit Eric Kanzler gemacht oder noch mit ein, zwei anderen, die ich aber hier jetzt erstmal nicht nennen möchte. Da kommen noch ein paar gute Sachen in nächster Zeit.

Gibt es etwas aus der Magdalena, was du dir als Andenken bewahrt hast?

Wir hatten überlegt die Bürotür mitzunehmen, weil uns das Geräusch des Klopfens bestimmt fehlen wird, aber die letzten Tage vom Abbau waren dann doch zu hart und wir haben es irgendwie vergessen. Nun hat sie im Yaam einen neuen Platz gefunden. Ansonsten habe ich alles in meinem Herzen und Gedanken festgehalten.

Du hast neben der Clubplanung und anstehenden Releases auch ein neues Label in Planung. Wohin geht es hier soundtechnisch?

Das wird alles eher in die Richtung Techno gehen, etwas erwachsener würde ich sagen. Das erste Release wird mit Eric Kanzler zusammen sein. Mehr dazu schon bald.

Sowohl dein Stil beim Auflegen als auch deine Tracks verbinden einerseits einen gewissen technoiden Druck als auch melodiöse Momente. Gibt es Dinge, die dich in Deiner Arbeit besonders inspirieren?

Mich inspirieren oft andere Künstler. Ich muss sagen, dass mich die Pan Pot-Jungs mit ihrem 2013er Fusion-Set erst wieder zum Techno gebracht haben, ich kenne die beiden jetzt auch schon fast zehn Jahre und mag ihren Style sehr. Es gab ’ne Zeit, da habe ich sehr darauf geschaut, was anderen Leuten gefällt, mittlerweile möchte ich nur noch das machen, was mir gefällt. Und wenn das dann auch noch Anderen gefällt, dann ist das das Beste was einem passieren kann.

Daniel, vielen Dank für das Interview.

Ich habe zu danken. Viele Grüße aus Berlin.

www.danielboon.net 

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