
Wenn jemand behauptet, ein paar Magic Mushrooms hätten eine Frau im fortgeschrittenen Alzheimer-Stadium plötzlich wieder ausführlich aus ihrem Leben erzählen lassen, klingt das eher nach einer Geschichte aus dem Paulaner Garten, als nach einem medizinischen Fallbericht. Aber genau das haben Forscher nun bei einer 80-jährigen Patientin beobachtet.
Die Frau lebte seit über zehn Jahren mit Alzheimer. In den letzten Jahren hatte die Krankheit ihr Gedächtnis und ihre Kommunikationsfähigkeit massiv eingeschränkt. Meist sprach sie nur noch einzelne Wörter, benötigte umfassende Pflege und konnte viele alltägliche Aufgaben nicht mehr selbstständig bewältigen.
Im Rahmen eines Behandlungsversuchs erhielt sie Psilocybin, den psychoaktiven Wirkstoff sogenannter Magic Mushrooms. Die ersten Stunden verliefen zunächst unspektakulär. Die Patientin schwitzte stark, wirkte erschöpft und schlief lange. Doch knapp einen Tag später kam die Überraschung.
Die Frau begann plötzlich, ausführlich von Erlebnissen aus ihrem Leben zu erzählen. Erinnerungen, die längst verloren schienen, waren wieder abrufbar. Sie sprach nicht nur über vergangene Ereignisse, sondern zeigte auch die dazugehörigen Emotionen. Für Angehörige dürfte sich das angefühlt haben, als würde für kurze Zeit jemand zurückkehren, von dem man dachte, er sei bereits hinter den dichten Schleiern der Krankheit verschwunden.
Nach einer weiteren Gabe beobachteten die Forscher zusätzliche Veränderungen. Die Patientin wirkte aufmerksamer, bewegte sich sicherer und zeigte mehr Eigenständigkeit im Alltag. Selbst einige körperliche Einschränkungen besserten sich zeitweise.
Bevor jetzt allerdings jemand seine Alzheimer-Forschung auf den nächsten Waldspaziergang verlagert. Die Wissenschaft bleibt vorsichtig. Es handelt sich um einen einzelnen dokumentierten Fall. Die Erkrankung wurde weder geheilt noch dauerhaft aufgehalten, und die beobachteten Verbesserungen hielten nicht unbegrenzt an. Sehr schade.
Trotzdem sorgt der Fall für Aufmerksamkeit. Forscher vermuten schon länger, dass Psilocybin die Vernetzung verschiedener Hirnregionen beeinflussen könnte. Möglicherweise sind manche Erinnerungen bei Alzheimer nicht vollständig verschwunden, sondern lediglich schwer erreichbar. Ob psychedelische Substanzen hier tatsächlich eine Rolle spielen können, müssen erst größere Studien zeigen.
Bis dahin bleibt die Geschichte vor allem eines: ein außergewöhnlicher Fall, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Und der zeigt, dass das menschliche Gehirn selbst dann noch für Überraschungen gut sein kann, wenn man längst glaubt, alle seine Geheimnisse zu kennen.