Geschichten aus dem leisen Raum – die Kolumne von Marc Depulse

Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: Geschichten aus dem leisen Raum „Da saß ich nun. In der Mitte dieses Raumes. Allein. Umgeben von den grauen Mustern jener Wände. Isoliert von einer Welt voll Farben. Fernab von der Pracht, die mich jüngst umgab […]“. Zeilen aus meinem Track „Der Leise Raum“, den ich mit der Stimme von Uwe Thoma produziert habe. Einen Track, den es ohne Corona und Lockdown nie gegeben hätte.   Frühjahr 2020. Eine Zeit, an die kein Karriererückblick jemals vorbeikommen wird. Aus Himmel hoch jauchzend wurde zunächst Stirnrunzeln, später Schulterzucken und schließlich Kopfschütteln. Alle Träume...

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I love my job – die Kolumne von Marc DePulse

  Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: I love my Job Es ist eine Weile her, als ich bei meinem alten Herrn auf der Couch saß und wir beim zappen durch das TV-Programm plötzlich bei Matthias Reim hängen geblieben sind, der im Fernsehgarten sein neues Album vorstellte. O-Ton meines Vaters: „Diesen Opa will doch keiner mehr sehen!“ – „Hat der nicht schon genug Kohle verdient?“ – „Will der nicht langsam mal abtreten?“. Long story short: Der Abend wurde diskussionsreich. Zugegeben: Auch die Legenden unserer Musikszene bewegen sich fernab ihrer jugendlichen Blüte, sind bei ihren Gigs die mit...

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First things first – die Kolumne von Marc DePulse

Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: First things first   First things first. Drei Worte, die ich in den vergangenen Monaten so stark verinnerlicht habe, wie noch nie zuvor. Prioritäten setzen. Den inneren Brummkreisel anhalten. Körper und Geist resetten, ergo: ein Mal nass durchwischen. Ehrlich gesagt hätte ich das ohne die Corona-Vollbremsung nicht gemacht. Der sonst so viel reisende DJ erkundet dank Arbeitslosigkeit plötzlich seine Wohnumgebung, lernt Nachbarn kennen, treibt Sport und entdeckt neue Hobbys. Mein neues Hobby ist mittlerweile ein Jahr alt und versetzt vorher noch so wichtige Dinge schlagartig auf die hinteren Plätze. „Alles wird...

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Geisterstund’ hat Gold im Mund – die Kolumne von Marc DePulse

Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: Geisterstund’ hat Gold im Mund   Als DJ bekommt man in diesen Tagen jede Menge Mitleid. Ist doch für den Augenschein vieler die einzige Einnahmequelle versiegt. Aber wir wissen: Natürlich ist das nur die halbe Wahrheit. Schließlich verdient man nicht nur mit Gigs sein Geld. Auch eigene Releases und Einnahmen aus dem Labelbetrieb spülen ja bekanntlich ein paar Kröten in die Tasche. Nur reicht dies selten, um über die Runden zu kommen. Also muss ein Plan B für den Fall X her, der uns seit geraumer Zeit beherrscht. Zugegebenermaßen lebe ich...

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Trautes Heim, DJ allein – die Kolumne von Marc DePulse

Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: Trautes Heim, DJ allein   „Thanks for having me, Wohnzimmer!“, „What a great night I had at Schlafzimmer.“, „Küche, that was one for the books“, „Kinderzimmer, you killed it!!!“ – jeder DJ, anno März/April 2020. Daheim allein. Arbeitslos. Ausgeschlafen. Völlig unfreiwillig, versteht sich. Mein Lieblingsbier aus den 1990ern traf und trifft uns alle, egal aus welchem Berufszweig und aus welcher Lebenssituation wir gerade kommen. Corona also, Covid-19, der sprichwörtliche Killer für Selbständige, Künstler und Clubs? Die Zeit wird es zeigen, ob wir daraus Kraft und Energie schöpfen oder in den Ruin...

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„Collab, Bro?“ – die Kolumne von Marc DePulse

Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: „Collab, Bro?“ Facebook Freundschaftsanfrage. Unbekannter Name, aber hey: 34 gemeinsame Freunde, bestimmt 18 gemeinsame Lieblings-Tracks, zwölf gemeinsame Schnürsenkel. Ach, irgendwoher wird man sich schon kennen. Bestimmt hat man mal irgendwo zusammen geaftert. Es ist ja auch nicht irgendein dubioser alter Schulfreund, also überlegst du nicht lange und nimmst die Anfrage an. Momente später jedoch die Ernüchterung: Dein neuer Kumpel schickt dir eine Einladung, seine Seite zu liken. Prompt poppt eine Nachricht auf: „Wanna collab, bro?“ Momente im sozialen Netz, die wir alle kennen. Der Sekundenzeiger schlägt keine 60, schon ist man...

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Klinkenputzen für Erwachsene – die Kolumne von Marc DePulse

Releases auf den angesagtesten Labels, Top-Hits in Serie, Spotify-Millionär, soziale Herzchen gen Universum. Ein ausgezeichneter Ruf seit vielen Jahren und doch bleibt der Kalender manchmal irgendwie peinlich leer. Was für Außenstehende so wirkt, als wärst du ständig nur auf Reisen („Läuft doch mega bei dir.“ oder: „Du hast deine Schäfchen doch längst im Trockenen!“), ist vermutlich deiner tollen Präsenz nach außen geschuldet, im Innenleben aber nur die halbe Wahrheit. Jeder Sommer bekommt seinen Herbst. Die Blätter fallen, auch wenn du immer noch im T-Shirt rausgehen magst. Die Clubs sind irgendwie alle noch im Festival-Modus, vor allem weil die Menschen...

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Gruß aus Dunkeldeutschland – die Kolumne von Marc DePulse

  Na, zusammengezuckt bei der Überschrift? Sachsen und Brandenburg haben gewählt und es hat „Rums“ gemacht. Blau und Braun können schöne Farben sein, aber wehe, man bringt sie mit Politik oder Geschichte in Verbindung. Es war der 1. September 2019, gegen 18:00 Uhr, als ich beschwipst auf einem wunderbaren Festival beschloss, mein Closing-Set noch ein wenig zu verlängern. Es war aber auch der Moment, als in Sachsen und Brandenburg die Wahlkabinen schlossen. Die gute Nachricht: Über 70 Prozent der Menschen haben Blaubraun nicht gewählt – meinen Beitrag dazu habe ich als Briefwähler geleistet. Dennoch ist das Ergebnis ernüchternd, selbst...

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Der gläserne Gast – die Kolumne von Marc DePulse

Staatsdiener, Kontrollorgane und Datensammler würden sich die Hände reiben, Partygäste vermutlich eher die Augen: Mit dem Perso oder via Fingerabdruck in den Club, quasi eine Stechkarte der Feiernden, um die komplette Überwachung auf allen Ebenen zu vollziehen. GPS 2.0 – immer genau wissen, wer wann wo ist, frei zugänglich für Instanzen, mit denen wir in der Freizeit nichts zu tun haben wollen. Zugegebenermaßen ein komischer Traum, aus dem ich da letztens erwacht bin, aber spätestens seit der Polizeidebatte zur Fusion ist das gar nicht mehr soweit her geholt. Big brother is watching you, möchte es zumindest gern. „Guten Tag,...

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Wir lagen träumend im Gras – die Kolumne von Marc DePulse

  Sonntags nach einem langen Wochenende mit den besten Freunden und einem Grübel-Dübel im Gras, die Köpfe voll verrückter Ideen: „Lasst uns doch mal ein eigenes Event auf die Beine stellen. Ich habe da so eine Idee!“ Der süße Geschmack auf der Zunge lässt buntes Blut durchs Hirn schießen. Und schon läuft das Brainstorming auf Hochtouren und man bringt das Konzept direkt auf Papier. Visionen in einer Subkultur, die Freiheit und Liebe mit unendlich multiplizieren. Nach der ersten kleinen Party mit 30 Freunden im Grünen hallt der Zuspruch noch Wochen später nach. Um der hohen Erwartungshaltung gerecht zu werden,...

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Montag Moll? Nicht mit mir – die Kolumne von Marc DePulse

Montag. Der erste Tag der Woche und auch gleich der schlimmste von allen, glaubt man Freunden, Bekannten und Netzwerk-Memes. Auf einer Beliebtheitsskala rangiert der Montag irgendwo zwischen Fußpilz, Achselschweiß und Onkel Donald aus Übersee. Montag, das Synonym für miese Laune und Schlechtwetter. Der Tag, an dem die Sonne nie durchkommt, die Mundwinkel stets gesenkt bleiben. Und bekanntlich lacht montags nicht mal die eine, die immer lacht. Fragt man die gleichen Leute, welchen Tag in der Woche sie am liebsten mögen, antwortet die Mehrheit vermutlich mit „Freitag“ – dank der Nähe zum Wochenende. Zugegebenermaßen habe ich mir selber diese Frage...

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Hilfe, ich brauche einen Manager – die Kolumne von Marc DePulse

  Kein Künstler ist eine eierlegende Wollmilchsau. Um aber anno Neuzeit das erforderliche Profil des Allround-Talents zu erfüllen, kommt irgendwann der Wunsch nach einer helfenden Hand. Doch ab wann lohnt sich ein Manager wirklich und wann lenkt man seine Geschicke doch lieber selbst? Die Antwort darauf ist wie so oft: Es kommt darauf an!  Hand aufs Herz: Brauche ich wirklich einen Agenten oder kann ich es selber machen? Die Frage beantwortet sich meist dann, wenn man aufgrund fehlender Zeit, mangelnden Know-Hows, einer beschränkten Anzahl an Kontakten oder schlichtweg einer amateurhaften Ausrichtung einen starken Partner an seiner Seite benötigt. Und...

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