Klingelputzen für Erwachsene – die Kolumne von Marc DePulse

Releases auf den angesagtesten Labels, Top-Hits in Serie, Spotify-Millionär, soziale Herzchen gen Universum. Ein ausgezeichneter Ruf seit vielen Jahren und doch bleibt der Kalender manchmal irgendwie peinlich leer. Was für Außenstehende so wirkt, als wärst du ständig nur auf Reisen („Läuft doch mega bei dir.“ oder: „Du hast deine Schäfchen doch längst im Trockenen!“), ist vermutlich deiner tollen Präsenz nach außen geschuldet, im Innenleben aber nur die halbe Wahrheit. Jeder Sommer bekommt seinen Herbst. Die Blätter fallen, auch wenn du immer noch im T-Shirt rausgehen magst. Die Clubs sind irgendwie alle noch im Festival-Modus, vor allem weil die Menschen...

Read More

Gruß aus Dunkeldeutschland – die Kolumne von Marc DePulse

  Na, zusammengezuckt bei der Überschrift? Sachsen und Brandenburg haben gewählt und es hat „Rums“ gemacht. Blau und Braun können schöne Farben sein, aber wehe, man bringt sie mit Politik oder Geschichte in Verbindung. Es war der 1. September 2019, gegen 18:00 Uhr, als ich beschwipst auf einem wunderbaren Festival beschloss, mein Closing-Set noch ein wenig zu verlängern. Es war aber auch der Moment, als in Sachsen und Brandenburg die Wahlkabinen schlossen. Die gute Nachricht: Über 70 Prozent der Menschen haben Blaubraun nicht gewählt – meinen Beitrag dazu habe ich als Briefwähler geleistet. Dennoch ist das Ergebnis ernüchternd, selbst...

Read More

Der gläserne Gast – die Kolumne von Marc DePulse

Staatsdiener, Kontrollorgane und Datensammler würden sich die Hände reiben, Partygäste vermutlich eher die Augen: Mit dem Perso oder via Fingerabdruck in den Club, quasi eine Stechkarte der Feiernden, um die komplette Überwachung auf allen Ebenen zu vollziehen. GPS 2.0 – immer genau wissen, wer wann wo ist, frei zugänglich für Instanzen, mit denen wir in der Freizeit nichts zu tun haben wollen. Zugegebenermaßen ein komischer Traum, aus dem ich da letztens erwacht bin, aber spätestens seit der Polizeidebatte zur Fusion ist das gar nicht mehr soweit her geholt. Big brother is watching you, möchte es zumindest gern. „Guten Tag,...

Read More

Wir lagen träumend im Gras – die Kolumne von Marc DePulse

  Sonntags nach einem langen Wochenende mit den besten Freunden und einem Grübel-Dübel im Gras, die Köpfe voll verrückter Ideen: „Lasst uns doch mal ein eigenes Event auf die Beine stellen. Ich habe da so eine Idee!“ Der süße Geschmack auf der Zunge lässt buntes Blut durchs Hirn schießen. Und schon läuft das Brainstorming auf Hochtouren und man bringt das Konzept direkt auf Papier. Visionen in einer Subkultur, die Freiheit und Liebe mit unendlich multiplizieren. Nach der ersten kleinen Party mit 30 Freunden im Grünen hallt der Zuspruch noch Wochen später nach. Um der hohen Erwartungshaltung gerecht zu werden,...

Read More

Montag Moll? Nicht mit mir – die Kolumne von Marc DePulse

Montag. Der erste Tag der Woche und auch gleich der schlimmste von allen, glaubt man Freunden, Bekannten und Netzwerk-Memes. Auf einer Beliebtheitsskala rangiert der Montag irgendwo zwischen Fußpilz, Achselschweiß und Onkel Donald aus Übersee. Montag, das Synonym für miese Laune und Schlechtwetter. Der Tag, an dem die Sonne nie durchkommt, die Mundwinkel stets gesenkt bleiben. Und bekanntlich lacht montags nicht mal die eine, die immer lacht. Fragt man die gleichen Leute, welchen Tag in der Woche sie am liebsten mögen, antwortet die Mehrheit vermutlich mit „Freitag“ – dank der Nähe zum Wochenende. Zugegebenermaßen habe ich mir selber diese Frage...

Read More

Hilfe, ich brauche einen Manager – die Kolumne von Marc DePulse

  Kein Künstler ist eine eierlegende Wollmilchsau. Um aber anno Neuzeit das erforderliche Profil des Allround-Talents zu erfüllen, kommt irgendwann der Wunsch nach einer helfenden Hand. Doch ab wann lohnt sich ein Manager wirklich und wann lenkt man seine Geschicke doch lieber selbst? Die Antwort darauf ist wie so oft: Es kommt darauf an!  Hand aufs Herz: Brauche ich wirklich einen Agenten oder kann ich es selber machen? Die Frage beantwortet sich meist dann, wenn man aufgrund fehlender Zeit, mangelnden Know-Hows, einer beschränkten Anzahl an Kontakten oder schlichtweg einer amateurhaften Ausrichtung einen starken Partner an seiner Seite benötigt. Und...

Read More

Schlafen will gelernt sein – die Kolumne von Marc DePulse

    DJs haben ja mitunter in Nächten mehr erlebt, als an so manchen Tagen in ihrem Leben. Die Nächte, die DJs über die Jahre gefeiert haben, müssen andere erst einmal überleben. Außerdem: Schlafen kann man, wenn man tot ist. Okay – Sprüche fürs Phrasenschwein. Und doch sind sie nicht weit hergeholt. Beinahe jeder DJ fing einst als kleiner Raver an. Alles mitnehmen, überall dabei sein, nix auslassen. Doch im zunehmenden Alter muss sich irgendwann auch der aktivste Nachtmensch eingestehen, dass man nicht mehr ohne weiteres wach bleibt, bis die Wolken wieder lila sind. Während nahezu der komplette Freundeskreis...

Read More

Live und in Farbe – die Kolumne von Marc DePulse

  Neulich habe ich einen Artikel gelesen, der an die Partner der Instagram- und YouTube-Influencer gerichtet war. O-Ton: „Ihr tut mir so leid!“ Doch, Moment einmal. Folgen DJs heutzutage nicht genau dem gleichen Prinzip? Im Mittelpunkt stehen, Mehrheiten erzeugen, eine große Fanbase generieren, auffallen um jeden Preis? Sich voller Begeisterung einen Lampenschirm auf die Birne setzen für ein paar Likes? Klar, schließlich geht der größte Kasper am ehesten viral. Selbst wenn die Homies mal nicht mit auf Tour sind, gibt es zum Glück noch Menschen wie Schaffner, Stewards oder andere Passagiere, denen man mal flink das Smartphone in die...

Read More

Live und in Farbe – die Kolumne von Marc DePulse

  Neulich habe ich einen Artikel gelesen, der an die Partner der Instagram- und YouTube-Influencer gerichtet war. O-Ton: „Ihr tut mir so leid!“ Doch, Moment einmal. Folgen DJs heutzutage nicht genau dem gleichen Prinzip? Im Mittelpunkt stehen, Mehrheiten erzeugen, eine große Fanbase generieren, auffallen um jeden Preis? Sich voller Begeisterung einen Lampenschirm auf die Birne setzen für ein paar Likes? Klar, schließlich geht der größte Kasper am ehesten viral. Selbst wenn die Homies mal nicht mit auf Tour sind, gibt es zum Glück noch Menschen wie Schaffner, Stewards oder andere Passagiere, denen man mal flink das Smartphone in die...

Read More

Im Banne der Bot- und Repost-Mafia – die Kolumne von Marc DePulse

  Man muss kein Nerd sein, um sie zu kennen: Bots – die Roboter der digitalen Welt. Ein Programm also, das automatisch wiederkehrende Arbeiten leistet und prinzipiell einem kommerziellen Zweck dient: Kundengewinnung, egal in welcher Branche. Und es müssen nicht mal die nervigen Pornosternchen sein, die nach deiner Facebook-Freundschaft fragen, um dich später zu ihren Inhalten zu locken. Bots werden auch von Menschen aus dem eigenen Dunstkreis eingesetzt: Künstler, Labels, Promoter. Beispiel Instagram. Organisches Wachstum torpedieren, ohne dabei Karteileichen zu kaufen? Hand aufs Herz: Likes kaufen ist doch sowieso voll 2013. Aber der Traum nach einer schnell wachsenden Fanbase bleibt...

Read More

Ein Leben im Rotlicht – die Kolumne von Marc DePulse

Der Bass muss fi**en, der Brustkorb drücken, die Brillengläser vibrieren. Ein paar Drinks zu viel und plötzlich hat man richtig Bock, es eskalieren zu lassen. Lautstärkebegrenzung? Ach was, ballern! Es soll scheppern im Gesicht! „No-no-limit“ haben schließlich zwei unlimitierte Holländer schon Anfang der 1990er-Jahre gepredigt. An der Bar versteht man längst sein eigenes Wort nicht mehr, denn die LED-Anzeige am DJ-Pult trägt blutiges rot und der Limiter hat sich aus Angst längst selbst vom Netz genommen. Und kaum wurde der DJ vom Tontechniker mit erhobenem Zeigefinger verwarnt, es heute bitte nicht zu übertreiben, steht schon der obligatorische Dancefloor-Dieter neben...

Read More

Ein Kleiderschrank voller Klamotten – die Kolumne von Marc DePulse

    Es sind wohl die Dateien mit der häufigsten Endung auf der Festplatte von DJs: .wav oder .mp3 – ein Repertoire aus zehntausenden Tracks, mit denen man wochenlang Raves bespielen könnte, aber schon geht der Blick ins Leere und schürt die Panik, obwohl ein absolutes Überangebot vorhanden ist: „Ich habe keine Ahnung, was ich heute Nacht spielen soll!“ Ein Prozess, der auch immer wieder während eines Sets eintritt: Man hat Tonnen an Material, aber weiß schon manchmal nach einer Stunde nicht mehr, was man heute noch spielen soll. Ergo: ein Kleiderschrank voller Klamotten und nichts zum Anziehen? Keine...

Read More