Litauen – hier denkt man nicht zwangsläufig an die große elektronische Musikszene, eine lebendige Clublandschaft und das Standing des Landes auf internationaler Ebene im Dancebiz. Eigentlich denkt man erst mal gar nichts, das mit Musik zu tun hat. Und doch hat das südlichste der drei baltischen Staaten in Nordeuropa mit Mario Basanov einen Mann hervorgebracht, dem eben hier Beachtung gebührt. Ende November ist mit „Journey“ auf Needwant sein erstes Album erschienen, dabei ist Basanov alles andere als ein Newbie und bereits seit vielen Jahren deeper, souliger Housemusik zugetan.

„Musik hat mich schon immer umgeben, bereits als Kind. Ich habe Fagott gespielt, besuchte eine Musikschule und eine Musikakademie. Nach all den Jahren des Studierens war mir klar, dass ich nicht den klassischen Weg einschlagen, sondern Produzent und Songwriter werden wollte“, berichtet der heute 28-Jährige. „Mein Musikgeschmack hat sich über die Jahre verändert. Vor 15 Jahren machte ich meine ersten Versuche in Sachen elektronischer Musik. Ich erinnere mich, wie mein Vater den ersten Synthesizer mit nach Hause brachte, und ich konnte kaum glauben, was ich sah.“ Dies war der Moment, in dem seine große Liebe zu elektronischen Musik erblühte, die bis heute nichts an Glanz verlor. Trotz einer hohen Eingängigkeit und einem gewissen Popappeal sind Marios Tracks alles andere als cheesy. Das eigene Gefühl, seinen universellen Geschmack und das technische Wissen so unter einen Hut zu bringen, dass am Ende dabei etwas herauskommt, dass die Massen bewegt, ist eine Kunst, die er beherrscht. „Es ist wichtig, nicht nur den Vibe neuer Musik zu spüren, sondern auch zu wissen, wie man auf seine eigenen Art und Weise umzusetzen. Und ich glaube, das Gefühl für Musik ist es, was deine Kreativität anfächert.“ In welche Richtung sich seine Produktionen entwickeln, steht dabei nie vorab fest. Es geht vielmehr um das Umsetzen von Ideen, darum, sie in einen musikalischen Kontext zu bringen. „Ich betrachte es immer von der elektronischen Seite aus, wenn ich meine Musik kreiere, und alle anderen Details verschwinden in diesem Prozess.“

Ein Musiker ist grundsätzlich von dem beeinflusst, was er erlebt und wo er lebt. So hat sicher auch Litauen seinen Teil zu Basanovs Musik beigetragen, wohl nicht ohne Grund lebt dieser noch immer hier. „Ich wohne noch immer in Vilnius und hier werde ich auch noch eine Weile bleiben. Derzeit entwickelt sich die elektronische Musikkultur hier sehr schnell. Es gibt einige Clubs, in denen bekannte DJs wie André Lodemann, Marcus Worgull, Revenge und weitere auflegen. Heute ist es ja kein Problem mehr, von überall aus mit der ganzen Welt zu kommunizieren – dank des Internets. Ich kann in Litauen Musik schreiben und sie in die ganze Welt aussenden. Es gibt aber tatsächlich einige gute Produzenten und DJs in Litauen und ein tolles Projekt namens Downtown Party Network. Darius Vaikas und Few Nolder wären auch noch nennenswert. Sie repräsentieren den Sound von Vilnius’ Houseszene ganz gut.“ 15 Jahre produziert Mario nun also schon, doch erst jetzt ist die Zeit reif für sein erstes Album. Ein langer Prozess. „Erst jetzt habe ausreichend Erfahrungen gesammelt, hatte genug Material und Ideen zusammen. Die Geburt des Albums selbst ging dann recht schnell vonstatten, nachdem meine Inspirationen dafür über viele Jahre entstanden. Jetzt fühle ich mich reif, der Welt ein ernsthaftes Produkt zu präsentieren. Das Album ist wie eine Reise und trägt daher auch diesen Titel. Ein Reise durch meine Zeit.“ Einige Tracks wurden bereits schon veröffentlicht und sind einigen Menschen sicher bekannt. Sie haben für dieses Album nur einen neuen Anstrich bekommen. Andere Nummern wurden speziell für „Journey“ produziert. Marios Wünsche für das neue Jahr? Auftritte in Australien. Unsere Wünsche: Noch mehr solch tolle Produktionen. / Nicole Ankelman

www.mariobasanov.com