Das muss ein erhabenes Gefühl für einen Produzenten sein, wenn man eine derartige Vision umsetzen kann: Ein Chor – der Leipziger Gewandhauschor – aus 70 Menschen, geleitet, dirigiert und interagierend mit Tasteninstrumenten in einem klassischen Umfeld, reflektierend, architektonisch, ergreifend, berauschend, verrauschend, destillierend – das ist der experimentelle Raum von Martin Kohlstedt, den er mit Individualität füllt, in dem er archaisch frei assoziiert, verhandelt, nachspürt, ausbricht und zusammenführt. Er führt die Mitwirkenden an ihre Grenzen und verbindet dennoch Klangkörper und Instrumente zu einer energetisch, gewagten Neuerung. Cooler Ansatz, meisterlich umgesetzt in kaum zu erfassenden Dimensionen. Cars10.Becker