matrixxman
Der US-Amerikaner Matrixxman sieht auch in Zukunft in seiner Heimat keine blühenden Technolandschaften entstehen, sondern nur vereinzelt Blumen sprießen. Allzu viel macht ihm das nicht aus: Er hat die Flugstrecke nach Europa einfach zu seinem Pendlerweg gemacht.


Du lebst in den USA, spielst aber sehr oft in Europa. Wenn du den Stellenwert von Techno hier mit jenem in deiner Heimat vergleichst: Besteht deiner Meinung nach die Möglichkeit, dass die beiden Werte sich einander annähern?

Die Leute hier verstehen Techno schlichtweg nicht. In diesem riesigen Land gibt es nur ein paar wenige anständige Technopartys, die alles in allem die gesamte Szene ausmachen. Um ehrlich zu sein: Ich denke nicht, dass Techno in den USA jemals dasselbe Renommee, dasselbe Ansehen erreichen wird wie in Europa. Techno spielt in den USA nur eine kleine Nebenrolle und da wird sich in den kommenden fünf Jahren wohl auch nichts ändern. Aber ich habe eigentlich kein Problem damit, selbst wenn zu Hause nicht allzu viel passiert, das mich aus den Socken haut … Mit Ausnahme dessen, was die Pioniere in Detroit und Chicago tun und was die Discwoman-Crew macht. Diese Truppe weckt in mir die Hoffnung, dass die Technowelt auch weiterhin mit Innovatoren aus meiner Heimat rechnen darf.

Viele Leute in Europa wurden vom Hype überrascht, der in letzter Zeit um Drumcode und Adam Beyer entstanden ist. Der Mann spielt und produziert seit mehr als 20 Jahren und stand immer für exzellenten Techno. Warum, denkst du, springen die Angehörigen der neusten Clubbing-Generation dermaßen auf einen Sound an, zu dem bereits ihre Eltern in den Neunzigern getanzt haben?

Das ist eine gute Frage. Ich bin nicht sonderlich mit dem Technostil von Drumcode vertraut, aber wenn ich mutmaßen soll, dann würde ich sagen, dass sich auch in der Clubmusik alles wiederholt – history repeating. Es überrascht mich auch nicht, dass die neue Generation von Dingen angezogen wird, die auch ihre Eltern mochten. Es war etwas sehr Rohes im Techno der alten Schule. Diese Energie ging in den Nullerjahren etwas verloren, was nun anscheinend zu einer Gegenbewegung führt. Die Zeit scheint reif dafür, ältere Techno-Ästhetik wiederzuentdecken.

Mittlerweile konntest du reichlich Erfahrung mit europäischen Clubs sammeln. Was waren deine Highlights bisher?

Ich schätze mich glücklich und bin auch dankbar, konstant in Europa spielen zu dürfen. Die Partys, die mich weghauen, sind immer die, von denen ich es vorher gar nicht erwarte, wie beispielsweise die LÄRM in Budapest. Und dann wäre da natürlich auch das Berghain, wo ich erst kürzlich ein 6-Stunden-Set gespielt habe – ein Ort, wie es ihn auf der Welt kein zweites Mal gibt … Ich freue mich, im Januar und Februar wieder ein paar Gigs in Europa zu spielen, und im Sommer dann bin ich ziemlich sicher auf schönen Festivals wie Primavera, DGTL und einigen mehr am Start.

Dein Album „Homesick“ ist sehr experimentell und kommt streckenweise gar ohne Bassline aus. Tracks wie „Red Light District“ sind purer Acid und teilen sich die Platte mit lupenreinen Technoknallern wie „Augmented“. Was dürfen wir von deinem nächsten Album erwarten?

Das nächste Album dürfte eine ziemliche Überraschung werden, weil es sich vom Vorgänger komplett unterscheiden wird. Natürlich wird auch die kommende Scheibe im Techno verwurzelt sein, aber ich will nicht von Album zu Album dieselben Vibes aufwärmen: Es reicht, wenn ich sage, dass mein Kopf bereits in anderen Sphären steckt und ich fest vorhabe, noch experimenteller zu werden. Ich habe die Aufnahmen zum nächsten Album noch nicht angepackt, aber ich freue mich wie wild auf den Entstehungsprozess.

Willst du den FAZE-Lesern noch was mitgeben?

Ich veröffentliche gerade eine Serie von drei EPs, eine nach der anderen, herausgebracht von Dekmantel. Eine ist bereits erschienen, zwei werden dies in Kürze tun. Dann werde ich noch ein Gemeinschaftswerk mit meinem guten Freund Setaoc Mass herausbringen und weitere Solo-EPs. Dürfte ein geschäftiges 2017 werden für mich!

Aus dem FAZEmag 059/01.2017
Text: Alex Flach
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