Als Gründer der Labels Moon Harbour und Cargo Edition gehört Matthias Tanzmann nicht nur in Deutschland zu den echten Vorzeigekünstlern und Pionieren der elektronischen Szene. Während hierzulande traditionell freitags und samstags getanzt wird, gehört während der Sommermonate auf Ibiza praktisch jeder Tag zum Wochenende. Besonders wenn die Circo Loco-Posse montags das DC10 stürmt, herrscht Ausnahmezustand. Dort gehört der Leipziger seit eh und je zum erlesenen Künstlerstamm. Am 20. August erscheint dann auch noch die 65. Ausgabe der beliebten Fabric-Compilationreihe – mixed by Matthias Tanzmann.

Wir treffen Matthias kurz vor seinem Abflug in Richtung Balearen, um mit ihm u.a. über den Mix und Ibiza in 2012 zu sprechen. Schnell wird deutlich, welchen Stellenwert der Londoner Club bzw. die Reihe für ihn hat. „Für mich ist die Fabric tatsächlich einer der besten Clubs der Welt und definitiv eine Institution für unsere Szene. Alles wird sehr professionell gehandhabt – vom Sound über die Stimmung bis hin zur Abwicklung der Nächte. Nach mehreren Gigs dort wurde ich kürzlich gefragt, ob ich die Compilation mixen möchte, was für mich einem Ritterschlag nahe kommt.“ Gerade deshalb stellte ihn dieses Projekt trotz jahrelanger Erfahrung vor eine besondere Herausforderung. „Man misst sich schließlich mit zahlreichen Vorgängern, die bereits einiges vorgelegt haben. Ricardo oder Guy Gerber haben aus der Compilation ein komplett neues Künstleralbum mit ausschließlich neuen, eigenen Tracks gemacht. Von der musikalischen Herkunft bis hin zum aktuellen Zeitzeugnis gibt es also verschiedene Ansätze. Da ich allerdings recht schnell festgestellt habe, dass ich es nicht schaffe, meinen musikalischen Werdegang auf 75 Minuten zu präsentieren, habe ich entschieden, auf aktuelle, aber nicht zu offensichtliche Nummern aus diesem Jahr zu setzen Ich habe versucht, eine Mischung aus Tracks zu finden, die mich faszinieren, aber auf der anderen Seite dennoch zeitlos sind und somit eine längere Lebensdauer für den Mix gewährleisten.“

Sichergestellt ist auch, dass Tanzmann im kommenden Jahr mit einem völlig neuen Ass im Ärmel auftrumpfen wird, denn auf die Frage, wann nun endlich ein neues Album erscheint, kontert er zuversichtlich und glücklich: „Ja, eigentlich müsste ich wieder ins Studio. Meine letzte Platte liegt in der Tat schon etwas zurück. Allerdings plane ich gerade mit Davide Squillace und Martin Buttrich ein neues Ding. Es heißt Better Lost Than Stupid und wird ein reines Live-Projekt mit Light-Show etc. Wir treffen uns alle drei bis vier Wochen im Studio in Barcelona und feilen am gemeinsamen Album. Wir haben sogar schon eine Handvoll Shows gespielt, u.a. einen ganzen Mittwochabend im DC10. Eine ausgedehnte Tour wird es allerdings erst 2013 geben.“ In der Zwischenzeit sorgen Männer wie Guido Schneider mit seiner „In the Toilet“ EP für Output auf Tanzmanns Label Moon Harbour. Außerdem wird digital das erste Release des Essener Duos Zohki & Roozlee erscheinen. „Das sind zwei Kumpels von mir, die aktuell darauf brennen, endlich etwas zu veröffentlichen. Anfang 2013 ist auch ein neues Luna City Express Album geplant. Auf Cargo Edition sind wir gerade bei der Auswahl bzw. Planung der kommenden Releases“.

Compilation, zwei Labels, Gigs, Live-Act. Matthias Tanzmann ist beschäftigter denn je. Es tut sich was. Genauso wie auf Ibiza, wo er in wenigen Stunden aus dem Flieger steigen wird. „Anfang der Saison hatte ich eher Bedenken für diesen Sommer, gerade in Anbetracht der Krise in Spanien. Auf Ibiza ist davon allerdings rein gar nichts zu sehen. Ich bin schon viele
Jahre auf der Insel. Vielmehr habe ich das Gefühl, es sei so voll wie noch nie. Die Leute sparen scheinbar nicht beim Ausgehen, was für unsere Szene natürlich toll ist. Programmtechnisch wird in diesem Jahr allerdings auch einiges geboten. Neben den bekannten Nächten wie im DC10 oder dem Cocoon haben z.B. Richie Hawtin oder Marco Carola ihre eigenen Reihen. Auch Jamie Jones im DC10 Donnerstags ist neu, genau so wie die Neon Nights von Diynamic im Sankeys. Dies ist sicherlich nochmal ein besonderer Anreiz für die Leute.“

Steht er gerade nicht am DJ-Pult der DC10-Terrasse, beschreibt sich Tanzmann selbst als eher faul – sodass er die meiste Zeit während seines Aufenthalts auf Ibiza am Pool verbringt. Eine Art Kurzurlaub inmitten der unzähligen To Dos in seinem Kalender. „Ich genieße dort jede freie Minute. Besonders beim Essen, denn es gibt einige unglaublich gute Restaurants auf der Insel. Ich persönlich gehe sehr gerne ins Sa Capella. Eine alte, ausgebaute Kirche, die jahrzehntelang leer stand. Eine der Spezialitäten dort nennt sich ‚Ochs auf Stein‘. Man bekommt ähnlich wie beim Carpaccio rohes Fleisch, nur etwas dicker geschnitten – und einen heißen Stein, der mit einer Meersalzkruste überzogen ist. Man brät sich sein Fleisch also selbst am Platz. Ich bin mehrmals pro Saison dort – es schmeckt fantastisch. Ein perfekter Start vor einer langen Nacht …“

www.matthiastanzmann.com