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Emma Fröhlich, genannt EMD-Emm-A, ist magersüchtig („Kotzen hilft. Immer und gegen alles. Genau wie Rauchen.“). Sie steht auf Techno-Spontansex, wohnt in einer Party-WG und geht gern von Mittwochabend bis Sonntagmorgen aus (der Dauer dieses durchgeschallerten Feierromans). Ihre Lieblingstiere sind Mausmakis und blaue Pumas, was die Autorin Mareile Kurtz in ihrem Teaservideo mit den knappen Worten erklärt: „Mausmakis sind kleine Tierchen, die sehen immer aus, als wären sie kurz vorm Heulen, die haben ganz ganz riesengroße Pupillen – wie ein Druffi eben“. Und wer einmal die XTC-Variante „Blauer Puma“ geschluckt hat, ist nicht mehr weit vom „Seelen-Hangover“ entfernt, was dann zu verpeilten Dialogen mit depressiven, malenden Mitbewohnern führen kann, wie in diesem autobiographisch gefärbten Roman: „Es ist alles leer.“ – „W… wie?“ – „Es ist alles leer.“ – „Die Farbe, oder was?“ – „Nein.“ – „Was meinst du denn?“ – „Es ist alles leer. Wir. das Universum. Bald sind wir nicht mehr hier – und alle leer.“ – „Soll … soll ich ’n Krankenwagen rufen oder so?“ Vier Tage (überwiegend) wach, dazwischen Rückblicken auf Emmas Jugend; der Beginn ihrer Magersucht, erste Ekelsexerfahrungen, viele Partys, ein bisschen Liebe, viel mehr Familienprobleme und die Suche nach dem einzig wahren Gott, der am Ende wie bei Faithless ein DJ zu sein scheint. „Mausmakis blaue Pumas“ ist ein großer, dialoggetriebener Spaß und liest sich, wie Rindercarpaccio aus Beinscheibe schmecken würde. Nichts für den feinen Geist und vielleicht gerade deshalb die prägnantere Alternative zur Diskurs-Popliteratur der Intro- und Suhrkamp-Schule, die eher für Seminare als die Clubtoilette geschrieben ist. /Jan Drees

Mareile Kurtz – Mausmakis blaue Pumas – Über chemisches Heilfasten und die Angst, sich zu Tode zu feiern
Schwarzkopf & Schwarzkopf, 352 Seiten, 14,95 EUR

www.schwarzkopf-verlag.net
www.jandrees.de

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