
Mit „Techno im Harz – Elektro, Bässe und Ekstase“ bringt der MDR im August eine neue Reportage, die den Blick auf die ostdeutsche Provinz verändert.
Statt Wanderidylle und Tourismus zeigt der Film eine andere Seite des Harzes – als Ort der elektronischen Ekstase, des Zusammenhalts und der Freiheit, die mit der Techno-Kultur nach der Wende Einzug hielt.
Der Fokus der Dokumentation liegt auf Sachsen-Anhalt, wo junge Menschen seit den frühen 1990er-Jahren eigene Räume für Subkultur schaffen. An Schauplätzen wie dem Blauen See im Oberharz oder einem alten Industriegebäude in Schlanstedt im Huy entstand eine Szene, die Techno nicht nur als Musik, sondern als Lebensgefühl etablierte – fernab von Berlin und den großen Festivals.
In den 90ern wurde der Blaue See zum Schauplatz unangemeldeter Raves. Falk-Harro von Biela vom Kollektiv Tribe of Madness beschreibt die Partys als eine Art „Verlängerung dieses DDR-Kinderferienlagergefühls, nur ohne Aufsicht“.
Die Aufbruchsstimmung nach der Wende schuf Freiräume, die viele kreativ nutzten – zwischen Ostalgie und Zukunftshunger. Von Biela erinnert sich: „Wir haben halt das Glück gehabt, der Entstehung einer großen Musikrichtung beiwohnen zu können – und hatten das Glück, dass dies ausgerechnet hier stattfand, weil die gesellschaftlichen Bedingungen so günstig waren wie nirgendwo anders.“
Die Nachwendezeit beschrieb er als Phase der Anarchie: „Der Osten war weg und der Westen noch nicht da – du konntest eigentlich alles machen.“ Diese Freiräume nutzten junge Menschen in der Provinz, um verlassene Gebäude wie Saatgutlager oder Tagebaue in Tanzflächen zu verwandeln.
Es ging um mehr als Beats – es ging um Selbstermächtigung, Gemeinschaft und kreative Selbstentfaltung. Die Szene, die damals entstand, wirkt bis heute in den Harz hinein – sowohl kulturell als auch sozial.
Auch Dimitri Hegemann, Gründer des Berliner Tresor-Clubs, kommt in der MDR-Reportage zu Wort. Für ihn ist Techno mehr als Musik: „In jeder Gemeinde leben junge Menschen, die etwas auf die Beine stellen wollen. Man muss ihnen zuhören und sie unterstützen.“ Hegemann betont die Bedeutung von Kulturprojekten auf dem Land, jenseits der Clubhauptstadt Berlin.
Ein aktuelles Beispiel für die Fortführung dieser Bewegung ist der Feinkost Club Ballenstedt. Kai Mente, einer der Betreiber, beschreibt die Energie solcher Nächte so: „Wenn Musik an ist und die Leute tanzen, dann bekommt man das zurück, was man rüberbringen will.“
Die MDR-Dokumentation zeigt, dass der Harz mehr zu bieten hat als Wälder und Wanderwege. „Techno im Harz“ erzählt von Menschen, die die ostdeutsche Provinz mit Klang, Licht und Gemeinschaft neu definiert haben – und damit einen Teil der deutschen Technogeschichte schrieben. Die Ausstrahlung ist für den 6. August 2025 angekündigt.
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