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b2b-Set auf dem Melt Festival – Âme und Rødhåd im Interview


Das Melt Festival feiert seinen 20. Geburtstag und hat sich dafür ein sehr ordentliches Line-up zusammengestellt. Mit dabei sind auch Âme DJ (Kristian) und Rødhåd, die eines ihrer seltenen und sehr begehrten b2b-Sets in Ferropolis spielen werden. Ein guter Anlass, die beiden zu einem exklusiven Interview antreten zu lassen.

Kristian, lange hieß es, dass Âme keine Alben mehr veröffentlichen wollten. Jetzt hat Dixon im letzten Jahr ein Album von euch angekündigt. Warum der Sinneswandel bzw. aus welcher Motivation heraus?

Âme: Über Jahre hinweg gab es einfach keine konkrete Idee für ein Album von uns. In den letzten Jahren haben Frank und ich aber vermehrt an Stücken gearbeitet und dabei ist dann die Idee gewachsen.

Was wird anders laufen als bei eurem ersten und bisher einzigen Album „Âme”, das 2004 erschien?

Âme: Das erste Album sehen wir bis heute eher als eine Compilation an, die unsere Veröffentlichungen bis dahin zusammengefasst hat. Es stand kein gemeinsames Konzept hinter den Stücken. Das wird dieses Mal anders sein und deswegen fühlt es sich auch eher wie ein Debütalbum an.

Auf eurem Label Innervisions gab es auch schon länger keine EP mehr von Âme – wann wird da etwas Neues kommen?

Âme: Gemeinsame Zeit im Studio ist bei unseren einzelnen Terminplänen nicht so einfach zu finden, aber auch da wird es bestimmt bald neues Material geben.

Was kommt denn demnächst auf Innervisions raus?

Âme: Jetzt gerade hatten wir wieder eine größere „Secret Weapons“ als 3er-Vinyl und danach kommt Rampas erste eigene EP bei uns. Das Jahr ist schon so gut wie durchgeplant und ich bin total glücklich mit der Musik, die in den nächsten Monaten kommen wird.

Vor gut sechs Jahren habt ihr euch aufgeteilt in Live-Act und DJ. Juckt es dich nicht doch manchmal in den Fingern, live an den Knöpfchen zu drehen und zu schrauben?

Âme: Nicht wirklich, da ich es sehr liebe, lange DJ-Sets zu spielen. Vielleicht werden wir uns ja zu unserem nächsten Jubiläum etwas Besonderes einfallen lassen.

Mike, auch bei dir die Albumfrage – es wäre das (nicht nur gefühlte) Debütalbum. Arbeitest du schon daran bzw. ist etwas geplant oder ist das Format gar nicht so wichtig für dich?

Rødhåd: Das Albumformat ist für mich sehr wichtig und ich sitze seit einer gefühlten Ewigkeit im Studio, um meine Musikstücke fertigzustellen. Sogar meinen kostbaren Urlaub habe ich dazu verwendet. Aber da das Ei immer noch nicht gelegt ist, kann ich euch nur weiter auf die Folter spannen … (lacht)

Kommt denn bald wieder eine EP von dir?

Rødhåd: EPs wird es dieses Jahr auch geben, aber erst mal volle Konzentration auf das Album.

Was können wir demnächst auf Dystopian erwarten?

Rødhåd: Wir haben gerade eine tolle EP von Woo York rausgebracht – mit ihrem einprägsamen Track „Alien World“. Mein long time favorite The Advent hat auch einen super Remix dazu beigesteuert. Demnächst kommt auch eine Remix-EP mit Tracks von mir raus, die von Porter Ricks, Silent Servant, Donato und Ø [Phase] bearbeitet wurden. Und darüber hinaus steht die nächste EP von Recondite an.

Hast du schon mal daran gedacht, als Live-Act aufzutreten, vielleicht sogar mit analogen Maschinen?

Rødhåd: Ich habe sogar schon ein paar Auftritte als Live-Act absolviert, diese aber unter anderen Namen … (lacht)

Erinnert ihr euch an euren ersten Auftritt auf dem Melt und wenn ja, was ist euch davon in Erinnerung geblieben? Wart ihr vorher schon mal als Gast vor Ort?

Âme: Mein erstes Mal auf dem Melt war 2009 mit dem Projekt A Critical Mass, also Âme zusammen mit Dixon und Henrik Schwarz. Natürlich kannte ich das Festival schon aus Erzählungen, aber als Gast war ich davor noch nicht dort. Die Mad-Max-Atmosphäre, gepaart mit den fröhlichen Ravern, ist schon etwas Besonderes, finde ich, und ich erinnere mich noch sehr gut daran.

Rødhåd: Mein erster Auftritt ist nun schon einige Jahre her, auf dem „Sleepless Floor“ damals – legendär. Tolle Stimmung, super Anlage – was auf Open-Air-Festivals nicht immer der Fall ist – und für mich damals eine der besten Erfahrungen.

Was verbindet ihr mit dem Melt Festival, wofür steht das Festival für euch und warum gibt es ausgerechnet hier euer erstes b2b auf deutschem Boden?

Âme: Das Melt Festival zählt für mich trotz der Entfernung immer noch zu den Berliner Festivals, also ist es auch für uns beide ein Heimspiel. Im Hintergrund sind auch gemeinsame Freunde von uns involviert, die es uns leicht gemacht haben, Ja zu sagen.

Rødhåd: Es gehört zu den ältesten Festivals Deutschlands und ich mag die industrielle Atmosphäre mit den Baggern sehr. Das Gelände ist ja ein alter Tagebau, die ganzen Kräne, Bagger und Gerätschaften erinnern mich an ein dystopisches Endzeitszenario. Auch wurde in den letzten Jahren viel an Details und den Bühnen gearbeitet und damit ist es sicherlich eine tolle Alternative zu vielen anderen Festivals. Und mit Âme wollte ich gerne ein tolles Setup für unser erstes b2b hier in Deutschland haben. Die Big Wheel Stage ist dafür der passende Rahmen, wir werden für mindestens vier Stunden den Floor rocken.

Gibt es weitere Highlights im Sommer, auf die ihr euch jetzt schon freut?

Âme: Ich würde einfach mal sagen, ich freue mich auf den ganzen Sommer!

Rødhåd: Mein Sommer ist voller Highlights, aber ich freue mich sehr auf meine nächsten Berghain-Gigs und auf das Sonus Festival!

Wann habt ihr beide das erste Mal b2b aufgelegt und wie kam es dazu?

Âme: Das erste Mal war beim Closing vom Nuit Sonores in Lyon vor drei Jahren. Jose hatte uns, glaube ich, unabhängig voneinander nach möglichen Partnern gefragt und bei uns gab es eine Überschneidung.

Rødhåd: Wir haben ein 6-Stunden-Set vor Laurent Garnier und Marcel Dettmann gespielt.

Wie bereitet ihr euch auf ein gemeinsames Set vor?

Âme: Ich höre mich vermehrt durch meine Techno-Ordner durch und suche auch sonst Stücke heraus, die ich in einem normalen Set so wahrscheinlich nicht spielen würde.

Rødhåd: Wir schaffen es ab und an, uns neue Tracks zuzuschicken, versuchen aber weiter, spontan aufzulegen – das macht ja gerade den Reiz aus, dass sich jeder selbst vorbereitet und überlegt, was dem anderen gefallen könnte.

Wo liegen eure Gemeinsamkeiten, wo eure Unterschiede? Sowohl hinsichtlich eurer Art des Auflegens als auch bezüglich eurer Musik.

Âme: Ich glaube, das müssen andere entscheiden. Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, dass Mike ein ähnliches Verständnis vom Auflegen hat und dabei sehr professionell denkt und arbeitet. Wir treffen uns irgendwo in der Mitte und dann wird es zum Spaß. Keiner muss sich zu sehr verbiegen, um Schritt zu halten.

Rødhåd: Nun ja, ich bin, denke ich, der mit den schnelleren bpm … Ich mag Kristians Mut zur Melodie und auch, dass er keine Scheuklappen aufhat und Sachen auspackt, an die ich mich nicht rantraue. Das motiviert mich dann wiederum, ihn mit Stücken zu überraschen, die ich normalerweise nicht spielen würde.

Seid ihr auch schon mal zusammen im Studio gewesen oder steht das vielleicht sogar mal an?

Âme: Bis jetzt noch nicht.

Rødhåd: Eine gute Idee, aber eventuell behalten wir uns die Magie erst mal fürs Auflegen vor.

Wie ist generell euer Verhältnis zueinander, wie habt ihr euch kennengelernt und was schätzt ihr aneinander?

Âme: Ich mag Mike als Menschen und als DJ habe ich den höchsten Respekt vor ihm, da er mein Lieblings-Techno-DJ ist. Privat bleibt dann aber auch privat.

Rødhåd: Ich mag Kristian sehr, er strahlt für mich immer eine Sorglosigkeit und Zufriedenheit aus, die mich als Künstler und DJ daran erinnert, dass wir einen absolut tollen Job haben. Wann ich ihn aber richtig persönlich kennengelernt habe, kann ich wirklich nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass ich z. B. den Song „Rej“ damals auch rauf und runter gespielt habe, als ich noch ein kleiner Resident-DJ in irgendwelchen 20-Mann-Läden in Berlin war … (lacht)

Melt Festival // 14.–16.07.2017 // Ferropolis, Gräfenhainichen
Line-up: Agoria, Âme b2b Rødhåd, Aurora Halal (live), Barker & Baumecker, Ben Frost, Bicep, Bjarki, Bonobo, Claptone, Daniel Avery, Die Antwoord, Dixon, DJ Deep, Egyptian Lover, Elisabeth, Ellen Allien, FJAAK, Glass Animals, GusGus, Haiyti, Hercules & Love Affair, Jennifer Cardini, Job Jobse, Jon Hopkins, Kamasi Washington, Kate Tempest, Kölsch, Konstantin Sibold, M.I.A., Maceo Plex, Mall Grab, Marcel Dettmann, Massimiliano Pagliara, Michael Mayer, MØ, Modeselektor, Monoloc, Phoenix, Rampue, Recondite, Red Axes, Richie Hawtin, Skatebård, SOHN, Sonja Moonear, Tale Of Us, The Kills, The Lemon Twigs, tINI, Tony Humphries, Warpaint, WhoMadeWho
Tickets gibt es ab 140 EUR zzgl. Müllpfand und VVK-Gebühren
www.meltfestival.de

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Foto Rødhåd: Matthias Wehovsky