Man muss sich Wendelin Weissbach als einen ziemlich entspannten Menschen vorstellen, der im schönen Jena lebt und arbeitet, im Dunstkreis von Freude am Tanzen und dem Fatplastics Plattenladen das Label Musik Krause betreibt und zusammen mit Stefan Carl als Krause Duo nicht nur die Festivals unsicher macht. Im Interview mit ihm wird eine angenehme „Alles kann, nichts muss“ Haltung deutlich, die sich auch in der Titelgebung seines neuen Albums als Metaboman, „Ja/Noe“, niederschlägt.

„Es ist ungefähr so wie jetzt, wenn wir uns unterhalten und ich: ‚Ja …Nö …‘ sage. Ich mag auch ich die Vorstellung, dass in der Arena zwei Gladiatoren kämpfen, der eine hält dem anderen dann das Schwert an die Kehle und schaut hoch zum Kaiser. Und der macht den Daumen hoch oder runter. Es gibt keine tiefere Bedeutung des Albumtitels. Es ist eher nach dem Motto: Entweder es gefällt dir oder es gefällt dir nicht. Ich bin aber nicht sauer, wenn es dir nicht gefällt, wenn es dir nicht straight genug ist, oder zu verspielt, oder zu dunkel, oder zu hell. Es gibt für jede Musik ein Publikum. Entweder es macht dich als Hörer an, oder nicht. Das kann jeder für sich selbst entdecken.“ Sein eigener Anspruch an die Platte fußt auf einer ähnlichen Maxime: „Man versucht es so okay wie möglich zu machen. Es muss sich schön, rund und so gut wie möglich für mich anfühlen. Alben können total verschieden sein. Es muss daher interessant sein. Wobei ‚muss‘ da auch schon wieder sehr schwierig ist. Denn von jedem wird die Musik anders wahrgenommen. Man kann eigentlich keine allgemeine Formel finden.“ Viele der Aufnahmen auf „Ja/Noe“ sind im Zusammenspiel mit befreundeten Künstlern entstanden. „Die Lieder waren auf einmal da und ich dachte mir: Mensch, da könnte ich ein Album daraus machen.“, erzählt Wendelin. „Ich habe dann zu den Fertigen noch ein paar weitere gemacht. Ich könnte jetzt aber kein bestimmtes Lied benennen, das wegweisend für die Platte war. Das war viel eher der erwähnte Moment. Das Musikmachen selbst.“ Wer sich schon etwas länger mit den Klängen von Metaboman auseinandersetzt, der weiß um die stilistische Vielfalt, die diesen innewohnen. „Ich programmiere das nicht vor. Für mich ist das schon eher normal. Am Anfang ist irgendetwas da. Das kann der Mensch sein, mit dem ich gerade zusammenarbeite und dann passiert irgendwas im Raum. Es ist auf einmal ein Sample da, eine Idee oder so etwas. Dann entsteht daraus ein Lied und das kann unter Umständen völlig anders sein, als jenes, was ich am nächsten Tag mache. Für mich ist das alles das selbe. Ich trenne nicht nach Genres. Für mich sind meine Stücke auf gewisse Art alle tanzbar. Wenn dann eines etwas straighter ist, liegt das eher daran, wie es entstanden ist. Ich sage mir aber nicht vorher: Heute mache ich ein Houselied. Das passiert in dem Moment des Machens. Es kommt auch darauf an, an welcher Stelle man sagt: Das ist es jetzt.“

Am gemeinsamen Musizieren mit anderen Künstlern gefallen ihm besonders die bestimmten Schwingungen, die dabei erzeugt werden: Man freut sich gemeinsam, man feiert gemeinsam etwas ab. Das ist eine ganz andere Energie. Es gibt natürlich auch den Moment, bei dem der andere sagt: Lass das mal weg. Oder: Hier müssen wir noch etwas hinzupacken. Natürlich beeinflusst einen das und man lernt viel dazu. Das ist ganz klar. Ich kann mich alleine auch über Stunden, Tage, Wochen fallenlassen, aber zusammen mit anderen ist das wirklich prima.“ Live steht Metaboman ebenfalls nicht alleine im Club. Jedoch können aus logistischen Gründen natürlich nicht alle dabei sein, die auf der Platte mitwirken. „Das ist schon ein Problem, da die meisten ihre eigenen Projekte haben oder nicht vor Ort sind. Ich habe da aber eine Lösung gefunden. Ich spiele live zusammen mit Lars (bekannt als Large M), der auf der Platte auch Pianos gespielt hat. Das fühlt sich eher wie ein Techno-Liveact an. Mit einem Haufen Maschinen. MPC, Sequencer … Wir remixen das Album live auf eine gewisse Art und Weise. Es macht ja wenig Sinn, auf der Bühne zu stehen und dann kommt das Saxophon-Solo, obwohl gar kein Saxophonspieler dabei ist. Der Liveact ist viel straighter geraten, da läuft die Bassdrum durch. Wir spielen auch neue und viel ältere Stücke.“ Wirft man einen kurzen Blick auf die Metaboman-Diskografie, fällt auf, dass er seit der ersten 12Inch aus 2002 gar nicht so viel veröffentlicht hat, wie manch anderer in einem solchen Zeitraum. Könnte das womöglich daran liegen, dass der Künstler enorm selbstkritisch ist? „Es gab eine Zeit, da kamen die meisten Platten unter dem Namem Krause Duo heraus, weil es einfach gerade so war und ich ein Teil davon bin. Das ist eher der Hauptgrund dafür, dass bei mir als Metaboman weniger da steht. Es kann aber vielleicht auch daran liegen, dass ich die ganze Zeit über Lieder mache, aber nicht von jedem denke, dass es auf eine Schallplatte muss. Ultrabrutal selbstkritisch würde ich das nicht nennen. Es ist einfach die Logik, dass man sagt: Nö, das ist es nicht. Bei selbstkritisch schwingt ja auch mit, dass man einen Fehler gemacht hat und ihn auch einsieht. Aber Musik zu machen kann nie ein Fehler sein. Ich treffe vielleicht eine relativ harte Auswahl. Vielleicht bin ich auch nicht der Schnellste. Es reicht ja irgendwie, ein, zwei Singles im Jahr zu machen.“ Momentan genießt Wendelin Weissbach laut eigener Aussage das Livespielen „volle Möhre“. „Ich habe früher ja auch in einer Band gespielt und allein deshalb habe ich es schon vermisst, eigene Musik auf der Bühne zu spielen. Wo man auch mal Fehler macht und wo es schiefgehen kann, aber nicht muss. Und wenn es dann gut läuft und die Leute einen angrinsen, dann weiß man: Das haben wir jetzt gerade gemacht und gespielt.“ Um die Zukunft seines Labels Musik Krause muss man sich vorerst ebenfalls keine Gedanken machen. Denn: „Solange jemand Schallplatten auflegt und kauft, wird es auch Musik Krause geben.“

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