
Mit dem Four-Elements-Zyklus schließt Mha Iri ein zentrales Kapitel ihrer künstlerischen Entwicklung ab. Die vier EPs – Erde, Feuer, Wasser und Luft – markieren eine Phase des Suchens, Loslassens und bewusster Neuorientierung. Rückblickend beschreibt sie die Veränderung ihres Sounds als klare Bewegung weg vom klassischen Peak-Time-Techno: „Für mich zeigt das Projekt eine Entwicklung hin zu einem härteren Stil, der weder ganz Hard-Techno noch Hard-Dance ist, sondern irgendwo dazwischen.“ Sie habe gemerkt, dass sie „die Musik vieler Peak-Time-Artists nicht mehr bewegt hat“, und genau dieses Gefühl habe sie dazu gebracht, sich neu auszurichten: „Ich glaube nicht an Lückenfüller. Musik muss mich berühren – und weil ich härtere Sounds in meinen Sets gespielt habe, hat sich auch meine eigene Musik verändert.“ Digital ist das Werk am 28. November erschienen, Vinyl folgt am 5. Dezember.
Der Startpunkt dieser Reise war bewusst gewählt. „Leader of the Pack“ sei ein Track mit Haltung gewesen: „Es war ein Song mit einer starken Aussage und einem kraftvollen Sound.“ Der Schritt, sich vom gewohnten Weg – Demos an große Labels zu schicken – zu lösen, war mutig: „Das war gleichzeitig beängstigend und aufregend. Etwas Kühnes zu wagen, bedeutete auch, Musik zu schreiben, die genauso kühne Energie ausstrahlt.“ Mit dem Element Feuer intensivierte sich ihre Ausdrucksform weiter. Die Zusammenarbeit mit Avao spielte dabei eine Schlüsselrolle: „Er hat mich mit einer Idee kontaktiert, und ich mochte sofort den Sound und die Reise des Tracks.“ Dass „Elements of Dance“ so kraftvoll wurde, sei kein kalkulierter Move gewesen: „Ich dachte nicht darüber nach, ob es roh oder besonders energetisch ist – ich mochte es einfach.“ Für sie gilt ohnehin ein Prinzip: „Wenn ich einen 160-bpm-Hard-Dance-Track machen will, mache ich das. Wenn ich später etwas Emotionaleres schreiben will, mache ich das auch.“
Der Wasser-Teil des Zyklus brachte eine andere Art von Intensität: „Beim Schreiben der Water-EP wollte ich eher die Kraft des Wassers einfangen als tiefe Emotionen.“ Die Stücke beschreibt sie als „intensiv und treibend – wie ein Sturm oder ein herannahender Monsun“. Mit dem Element Luft endet der Zyklus bewusst offen und befreit. „Ich möchte gerade einfach experimentieren – nicht in eine Schublade gesteckt werden“, erklärt Mha Iri. Luft symbolisiere für sie kreative Leichtigkeit: „Ich fühle mich im Moment voller Inspiration und will die musikalischen Grenzen weiter verschieben.“ Gefragt, welcher Teil ihrer Identität heute am stärksten ist, antwortet sie ohne Zögern: „Im Moment ist es Feuer.“ In einer wettbewerbsintensiven Szene wolle sie etwas anderes verkörpern: „Ich möchte Wärme verbreiten, Licht geben und hell leuchten.“ Dazu gehöre für sie auch Haltung: „Andere zu unterstützen, ein gutes Beispiel zu sein, Entscheidungen mit guten Absichten zu treffen, statt aus strategischem Kalkül.“ Die Auswahl der LP-Tracks war schließlich eine Frage von Energie und Zusammenhalt: „Ich habe die Stücke ausgewählt, die als Gruppe am besten funktionieren. Auch wenn sie unterschiedlich klingen, haben alle ein intensives Gefühl.“
Ein zentrales Werkzeug bleibt ihre Stimme — mal politisch, mal atmosphärisch: „Bei ,Never Go Back to Sleep’ ging es um die verdrehte Welt, in der wir leben, und die Illusionen, die uns kontrollieren.“ Einige kritische Passagen habe sie für die Drumcode-Version entfernt: „Es wurde sonst zu politisch.“ Am herausforderndsten sei für sie der Schritt in die Unabhängigkeit gewesen: „Ohne ein großes Label zu veröffentlichen, ist beängstigend. Man sorgt sich, dass die Musik untergeht – und dass das wie ein Scheitern wirkt.“ Der Druck sei enorm: „Es gibt so hohe Erwartungen, dass Tracks performen müssen.“ Doch manchmal überrasche die Resonanz auch positiv. Und was kommt nach den vier Elementen? Die Antwort ist ein Versprechen: „Ich entwickle derzeit einen neuen Sound mit Einflüssen aus Hard-Dance, Trance und etwas Electro.“ Das Wichtigste dabei: „Ich kann ihn keinem Genre zuordnen – und genau das inspiriert mich.“
Aus dem FAZEmag 166/12.2025
Text: Triple P
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