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microKorg S – Spaßmobil mit neuen Breitreifen


 

Bereits als die Urversion des microKORG 2002 vorgestellt wurde, bescheinigten wir ihm – damals noch unter einem anderen Magazintitel – Verkaufshitpotenzial. Er bot zu einem kleinen Preis genau die richtige Mischung aus amtlichen Sounds, einfacher Bedienung und mobilem Maß samt einer ausgewachsenen Vocodersektion. Ansehen konnte man dem Bonsai-Brett sein Potenzial schon damals nicht, aber genau dieser trashige Faktor machte das batteriebetriebene Instrument unter Dance-Produzenten umso beliebter. Wie sehr sich der microKORG allerdings zum Topseller entwickeln würde, dürfte selbst den Hersteller überrascht haben. Tatsächlich wird der All-in-one-Synth bis zum heutigen Tag unverändert hergestellt und gern gekauft.

microKORG-S-Grundkonzept
Wie schon die Erstausgabe setzt auch der microKorg S im Kern eine Tradition fort, die Mitte der 1990er im Zuge des Dance-Peaks ihren Anfang nahm: Als All-in-one-Synthesizer, der auf Basis der (damals neuen) Analog-Modelling-Technologie ein möglichst breites Spektrum der raren Techno-Sound-Originale von Roland, Korg oder Moog nachbildete. Ein typischer Vertreter war beispielsweise der Sirius des deutschen Herstellers Quasimidi, an den der microKORG (S) aufgrund seines mitgelieferten Schwanenhalsmikros für Vocoder-Spracheingaben dann auch leicht erinnert. Was den vorliegenden Japaner jedoch von den Groove-Synths und -Boxen jener Tage unterscheidet, ist das Fehlen einer Sequencer-Abteilung. Ein Arpeggiator ist zwar vorhanden, wer die Noten allerdings aufnehmen oder einen Track per Step-Sequenz generieren möchte, benötigt eine entsprechende Soft- oder Hardware. Für den Midi-Datentausch hält der microKORG S das bekannte Dreiergespann In/Out/Thru bereit – allerdings nur als Rundbuchsen; einen USB-Port spart das Instrument weiterhin aus. Um gleich ein Grundmissverständnis auszuräumen: Der neue microKORG hat keinen Sample, das „S“ dürfte vielmehr schlichtweg für Synthesizer stehen. 

Bedienung und Klang
Vergleicht man die Oberfläche und interne Struktur des alten mit der des neuen microKorg, hat sich nahezu nichts geändert. Lediglich die Gehäusefarbe wurde vom Korg-Poly-800-gemäßen Retrobraun in strahlendes Weiß verwandelt. Den Maßstab High-End darf man bei der Ausführung von Chassis, Bedienelementen und Klaviatur weiterhin nicht anlegen. Der microKORG ist und bleibt ein Vollkunststoff-Minisynth, ohne dass er allerdings als Wackelkandidat daherkäme. Er ist gut verarbeitet und stabil. Was auch 2016 seinen besonderen Reiz ausmacht, ist der direkte Zugriff auf die vielfältigen und durch die Bank beeindruckend klingenden Sounds. Abgelegt in den Sparten Trance, Techno/House, D&B/Breaks, Hip-Hop/Vintage, Retro und Hits wird hier jeder schnell und reichlich fündig werden. Die dem Korg MS2000 entliehene Analog-Modelling-Synthese scheint kein Verfallsdatum zu kennen. Die Genre-Klänge lassen sich über den dicken Program-Select-Poti anwählen. Abgelegt sind die Basissounds in den Bänken A bis C. Die Bänke B und C sind mit 128 Korg-Classics gefüllt, die Bank A wurde im Vergleich zur Urversion mit 64 neuen Presets bestückt. Die vierte Bank D lässt sich als Neuerung im Vergleich zum Vorgänger mit 64 eigenen Kreationen belegen.

Highway to bass hell
Sagen wir es, wie es ist: Ohne die hervorragende Preset-Sound-Ausstattung mit Einzelklängen und fertigen Patches wäre auch der microKORG S nicht das, was er ist: Eine klanglich bemerkenswert druckvolle Allzweckwaffe, vor allem was die Bässe und Leads betrifft. Die Klänge lassen sich über die zwei Edit-Selektoren matrixartig durchaus verändern. Das dreistellige Dezimaldisplay und sieben Regler machen die Eigensoundkreation nur nicht gerade zu einem intuitiven Erlebnis. Das zweite wesentliche Kaufargument ist, gestern wie heute, der eingebaute Sechsband-Vocoder. Ein einfaches Schwanenhalsmikrofon ist im Lieferumfang enthalten, lässt sich über die mittige Halterung feststecken und den rückseitigen Miniklinke-Port anschließen. Wer sich etwas Gutes tun möchte, investiert lieber gleich in ein hochwertigeres Mic. Damit lässt sich die Güte des vielseitigen Voice- und Robot-Klangs noch einmal hörbar steigern. Ein Kondensatoren-Mikrofon wie auch eine dynamische Version können über zusätzliche, rückseitige Klinkeeingänge angeschlossen und eingepegelt werden. Zusammen mit den jetzt integrierten Stereo-Lautsprechern wird das vierstimmige Spaßmobil die vor 15 Jahren begonnene Erfolgsgeschichte ansatzlos weiter fortschreiben. Für 578 EUR UVP

www.korg.com