Musik ist die wohl sinnlichste Kunstart und nimmt großen Einfluss auf unsere Gefühlswelt. Weniger romantisch klingt auf den ersten Blick die Vorstellung, mit ein paar Klicks Sounds im Stil von weltbekannten Bands oder ein klassisches Musikstück zu komponieren. Genau daran arbeitet man aber bereits seit vielen Jahren im Bereich der Computerwissenschaften. Doch wie kreativ sind Algorithmen und wie gut jammt die Künstliche Intelligenz (KI)? 

Illiac Suite: Programmierer erzeugen Musik mittels zufälliger Parameter
Ein Streichquartett, das vom Computer entwickelt wurde: Mit der „Illiac Suite“ versuchten Issacson und Hiller genau das. Der Computer entwickelte hier ein ganz ganzes Werk, das aus zufällig aneinander gereihten Parameter bestand. Musikfans fragten sich zurecht, ob man das tatsächlich als Musik im Eigentlichen bezeichnen könne.

Mit wenigen Klicks stimmungsvolle Melodien schreiben
Auf Knopfdruck einen Popsong schreiben? Auch das ist mittlerweile keine Utopie mehr: Weltweit gibt es Unternehmen, die sich mit dem Zusammenspiel aus Musikproduktion und künstlicher Intelligenz befassen. Die beste Nutzer-Erfahrung soll dabei entstehen, wenn Infos zur Länge, dem Stil und der allgemeinen Stimmung angegeben werden. Im Anschluss kann die künstliche Intelligenz eine perfekt auf die Bedürfnisse zugeschnittene Melodie liefern. Diese Technologie kommt etwa bei YouTubern zum Einsatz, die ihre Videos mit einer einmaligen Klangfolge unterlegen möchten, welche nicht urheberrechtlich geschützt ist.

Ein weiteres gutes Beispiel für den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Musikbranche finden wir beim Song Daddy’s Car, der im Jahr 2016 entstand. Experten sind sich einig, dass es sich dabei um einen Song handelt, der zweifelsfrei von den Beatles stammen könnte. Das zum Einsatz kommende KI-System schaffte es, eine bestimmte Musikrichtung zu imitieren. Dafür wurden Lieder-Datenbanken analysiert, um einen bestimmten Stil erlernen und nachahmen zu können.

Mit Deep Learning zum musikalischen Roboter
Shimon ist ein Roboter, der im Jahr 2017 von Gil Weinberg entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um keinen gewöhnlichen Roboter, denn Shimon hat längst seine musikalische Ader entdeckt, die sein Entwickler stetig förderte: Er kann singen, tanzen, komponieren und Texte schreiben. Sogar Marimba spielt er. 

Der Roboter wurde von Weinberg und seinem Team aus Studenten so programmiert, dass er rund 50.000 verschiedene Datensätze analysierte. Mithilfe des Deep Learnings befasste sich Shimon mit Texten aus dem Bereich des Hip-Hop, Japp oder Prog-Rock. Deep Learning ist dabei ein zentraler Teilbereich der KI-Technologie. Dabei schaffen es die Systeme, verschiedene Informationen ähnlich wie menschliche Gehirne zu verarbeiten.

Wird der nächste Top-Hit bald von einer Maschine geschrieben?
KI-Systeme und Musik scheinen auf den ersten Blick nichts gemein zu haben, tatsächlich kann die künstliche Intelligenz den Musikbereich aber revolutionieren. Viele Startups, die sich bereits jetzt intensiv mit dem Thema befassen und ihr Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, betonen dabei aber den Gedanken der demokratischen Musik. Das Ziel solle es deshalb nicht sein, Produzenten und Musiker zu übertrumpfen, sondern Musik der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Einmalige Melodien werden etwa für Nutzer sozialer Medien und Portale wie YouTube zugänglich gemacht werden. Urheberrechte sind dabei nicht zu beachten, was die Handhabe vereinfacht und die Nutzung kostenlos macht.

Man ist sich dennoch sicher, dass es noch viele Jahre dauern wird, bis Computer die Fähigkeiten besitzen werden, menschengemachte Musik nachzuahmen. Tatsächlich sind KI-Systeme aber bereits jetzt in der Lage, Musik zu analysieren und in die einzelnen Bestandteile zu zerlegen. Auch andere Bereiche machen sich die künstliche Intelligenz in diesem Zusammenhang zunutze: Nimmt man etwa Videospiele, so können dabei Sounds zum Einsatz kommen, die sich an der Spielfigur und dessen Verhalten orientieren. 

Künstliche Intelligenz kann es darüber hinaus in Zukunft sicher noch besser schaffen, mit Musik gewünschte Verhaltensweisen von Internet-Nutzern oder Spielern zu verstärken. Allein schon die boomende Online-Glücksspielbranche dürfte davon Gebrauch machen wollen: Im Bereich der Online Casinos spielt Musik bei Spielautomaten eine bedeutende Rolle, denn diese rundet das Spielerlebnis ab. Nimmt man sich dabei jedoch einige der Slot-Klassiker zum Beispiel, wie den Fan-Favoriten Book of Ra aus dem Hause des traditionsreichen Unternehmens Novoline, wird schnell klar, dass sich manche Entwickler mit einfachen Klängen begnügen. Bei den meisten modernen Spielen wird mittlerweile jedoch auf altmodische Soundeffekte verzichtet und stattdessen auf ausgeklügelte musikalische Untermalung gesetzt. Es ist zu spekulieren, ob die Automatenmusik mithilfe von künstlicher Intelligenz so komponiert werden kann, dass sie einen positiven Einfluss auf das Spielverhalten der Nutzer hat.  

Musik und Algorithmen – Chance oder Gefahr?
Viele Bereiche, bei denen Musik eine zentrale Rolle spielt, können vom Einsatz künstlicher Intelligenz profitieren. Ob sich für die Musikbranche selbst eher Vor- als Nachteile ergeben, bleibt abzuwarten. Unromantisch ist die Vorstellung allemal, aber nicht mehr so weit weg, wie man annehmen könnte. Wie wird es in der Zukunft um die menschliche Kreativität stehen, werden Komponisten und Produzenten überflüssig werden? Können sich Musiker ihre Welthits von einem KI-System komponieren lassen, welches Hörerdaten und riesige Datenbanken mühelos und blitzschnell analysiert? 

Die Magie der menschengemachten Musik kann ein Computersystem nicht nachahmen. Klänge schon, doch die Emotionalität, individuell erlebte Kreativität und die Verbundenheit vermag künstliche Intelligenz nicht zu kopieren. Trotzdem gehen Experten davon aus, dass KI-Systeme im Bereich der Musik immer häufiger und präziser eingesetzt werden. Das zeigt sich sowohl bei Startups, die sich für kostenfrei nutzbare Melodien einsetzen, als auch im Beispiel des musikalischen Roboters. Auch im Spiele-Bereich geht es mitunter darum, das Nutzer- und Spielerverhalten in eine bestimmte Richtung zu lenken oder eine bestimmte Stimmung zu unterstreichen. Passende Melodien verbessern die Nutzererfahrung enorm und sind etwas, wovon viele Unternehmen auch in den nächsten Jahren profitieren werden. Musik nimmt einen großen Einfluss auf uns und unsere Emotionen. Obwohl künstliche Intelligenz viel erreichen kann, ist es aber an den Wissenschaftlern und Tech-Experten, zu entscheiden, wie weit die Systeme gehen sollen – und zu erkennen, welche Grenzen künstliche Intelligenz im Musikbereich hat.

 

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