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Wer Serato DJ mit einem Controller nutzen möchte, hat schon seit Jahren kein Problem mehr, die passende Hardware zu finden. Von einfach und günstig bis komplex und teuer gibt der Markt alles her. Vor ein Problem hingegen war gestellt, wer Serato DJ als Digital-Vinyl-System (DVS) in Kombination mit zusätzlicher Hardware einsetzen wollte. Die eleganteste, stabilste und latenzärmste Lösung ist in diesem Fall ein Mixer mit eingebautem Interface. Diesen Markt teilten sich bislang die „Big Names“ Rane, Allen & Heath und inzwischen Pioneer – mit Preisen ab 1.300 EUR aufwärts. In diese Lücke stößt nun die neue Marke Mixars aus Italien und vollbringt das, was bislang unmöglich schien: die Konstruktion eines Serato-DJ-Mixers mit DVS-Support, der schon in der UVP unterhalb der 1.000-Euro-Marke bleibt. Wer nun befürchtet, das ginge auf Kosten der Qualität, darf aufatmen, denn der Mixars DUO kann in puncto Qualität, Bedienung und Klang locker mit den kostspieligeren Gegenspielern mithalten.

Der schwarze Block
Zieht man den DUO das erste Mal aus der Verpackung, muss man sich tatsächlich mehrmals vergewissern, ob auf der Faceplate tatsächlich das Logo Mixars und nicht etwa Rane steht. Bei einem Blindtest hätten wohl selbst eingefleischte Mixer-Kenner mit der Zuordnung Probleme, denn die Verarbeitung des komplett in schwarzes Metall gefassten Zweikanal-Mixers ist sensationell gut. Der hervorragende Eindruck setzt sich bei den Bedienelementen fort. Sämtliche Potikappen sind drehfreundlich geriffelt und fast durchgängig rutschfest gummiert. Auch die 2 x 4 Performance-Pads erfreuen das Auge dank ihrer statusabhängigen Vielfarb-Beleuchtung. Zum anderen bieten sie idealen Grip, denn sie sind aus kissenweichem Vollgummi gefertigt. Bei den Fader-Elementen ließ sich der italienische Hersteller ebenfalls nicht lumpen: Der Crossfader ist ein kontaktloser Mini-Innofader und lässt sich wortwörtlich pustend leicht bewegen. Die Kanalfader überzeugen durch identischen Leichtlauf. Gekrönt wird die positive Verarbeitungsbilanz durch vergoldete Anschlüsse bei allen Audiosignal-führenden Ein- und Ausgängen.

Anschlussfreuden
Bleiben wir gleich bei der Anschlusssektion. Hier zeigt sich der DUO ebenfalls hoch professionell. Auf der Rückseite befindet sich pro Kanal zum einen ein im Hinblick auf Phono/Line umschaltbares Cinch-Pärchen für den Anschluss von Serato-Control-Equipment (Turntable oder CD-Player mit Timecode-Vinyl beziehungsweise Silberling). Davon unabhängig steht ein zusätzlicher Stereo-Cinch-Eingang für den Anschluss eines weiteren Signalgebers bereit. Wie es sich für ein Battle-Tool gehört, bringt der DUO auf der Frontseite auch einen hochwertigen Mikrofonanschluss in Gestalt eines kombinierten XLR/Klinke-Ports mit. Wer ihn nicht als Mic-In nutzt, kann ihn alternativ als zusätzlichen Line-Input für den schnellen Anschluss beispielsweise eines Pads, Phones oder Samplers nutzen. Ein zugeordneter Aux-Umschalt-Switch macht das möglich. Als Ausgänge hält der DUO rückseitig einen Master-Out sowohl im Cinch- als auch symmetrischen XLR-Format für lange Übertragungswege bereit. Vom Master abgezweigt wird zudem ein separater Cinch-Output für Audiomitschnitte. Und auch ein getrennt regelbares Klinke-Booth-Paar für die DJ-Kanzel-Abhöre ist vorhanden. Abgerundet wird die Ausstattung von zwei Kopfhöreranschlüssen im Klinke- und Miniklinke-Format. Getrennt regeln lassen sie sich zwar nicht, dafür bekommt man aber über den frontseitigen Switch die Wahl, ob man gesplittet oder im Stereo-Mix vorhören möchte. Digitale Audio-I/Os und ein Send/Return-Weg für das Einschleifen eines externen Effektgerätes wären zwar nette Boni gewesen, aber wir wollen die Erwartungshaltung nicht ins Unermessliche schrauben. Wir erinnern: 999 EUR UVP. Lieber eine hochwertige Grundausstattung als ein halbgares Feature-Feuerwerk. Diese Prämisse gilt für den gesamten Mixer. Eine Sektion haben wir bislang noch ausgespart: Die Computeranschlüsse. Zwar verfügt der DUO nicht über eine Dual-USB-Soundkarte zum Betrieb zweier unabhängiger Laptops, wie beispielsweise die Battle-Kontrahenten von Rane oder Pioneer. Vielmehr bringt er einen Hub mit zwei USB-2.0-Anschlüssen mit, um weiteres Equipment wie einen Controller anschließen zu können. Die verbaute Vierkanal-Soundkarte hat es aber dennoch in sich, denn sie verwöhnt die DJ- und Feiervolk-Ohren mit einem hervorragenden, druckvoll kristallinen Klang in professioneller 24-bit/96-kHz-Qualität. 

Funktionen
Dass der Mixars DUO ein Scratch-Tool ist, lässt sich an einigen Features festmachen, die ein Club-DJ selten bis gar nicht nutzt. Die meisten sind für den schnellen Zugriff auf der Frontseite untergebracht. Hier lassen sich sowohl für den Crossfader als auch die Linefader die Blendverhalten individuell von weich bis hart stufenlos regeln. Ebenso kann man für alle drei Fader separat die Blendrichtung per Reverse/Hamster-Switch umkehren. Eine seltene Besonderheit: Beim CF lässt sich unabhängig von der Blendkurve auch das Cut-Verhalten stufenlos einstellen. Nicht zuletzt die große Fader-Arbeitsfläche ohne jede äußerliche Verschraubung macht den DUO zum idealen Arbeitsgerät für flinke Scratch-Finger. Und was dem Turntablisten recht ist, kann dem Club-DJ nur billig sein. Insgesamt machen die großen Freiräume und der streng lineare Aufbau die Arbeit mit dem DUO auch dank der hochwertigen Bedienelemente zum Hochgenuss. Bei der Ausstattung mit Serato-DJ-spezifischen Controller-Elementen konzentrierte sich der italienische Hersteller auf die entscheidenden. Lieber eine hochwertige Grundausstattung als … – ihr wisst schon. Cue-Punkte sind natürlich unverzichtbar. Um sie anzusteuern, stellt der DUO pro Kanal die vier Performance-Pads bereit. Über den Bank-Schalter gelangt man in die zweite Ebene, sodass insgesamt acht Cues pro Kanal gesetzt werden können. Der Serato-DJ-Sampler ist ebenfalls eine beliebte Waffe. Dieser lässt sich auch über den DUO steuern. Dazu switcht man den zentralen Kippschalter einfach von der Cues- in die Sampler-Position und schon erhält man Zugriff auf acht Samples pro Kanal. Ein zugeordneter Drehregler sorgt für die globale Anpassung der Sample-Lautstärke. So einfach kann es sein. Darüber hinaus lässt sich zumindest ein Serato-DJ-Effekt einbinden. Pro Kanal sorgt ein FX-Poti für die Anpassung der Effektintensität. In den Slot ziehen könnt ihr die gewünschten Effekte, indem ihr den mittigen Shift-Button aktiviert und dann über den FX-Drehregler auswählt. Prinzipiell auslassen könnt ihr den Serato-Filter-Effekt, denn pro Kanal gibt euch der Italo-Mixer seinen eigenen Analog-Filter an die Hand. Das kombinierte Lowpass/Highpass-Modell lässt sich ebenfalls über einen dedizierten Regler einstellen. Von der Mittelstellung nach links gedreht, wird der LP wirksam. Nach rechts geführt, dünnt der HP das Klangsignal zunehmend aus. Da der Filter integrierter Mixer-Bestandteil ist, lässt er sich folglich auch auf die externen Signalgeber/Tonträger (CD-Player, TTs mit klassischem Vinyl) anwenden.

Italienischer Espresso in Reinkultur
Mit dem DUO ist Mixars ein großer Wurf gelungen. Ihn als Einstiegsmixer zu bezeichnen, wäre verfehlt, denn mit dieser Kategorisierung schwingt immer auch Minderqualität mit. Der DUO ist das genaue Gegenteil. Er ist vielmehr ein auf die wesentlichen DJ-Funktionen verdichtetes Profi-Tool, mit dem sich ungeheuer schnell und zuverlässig arbeiten lässt. Zum besseren Verständnis: Serato verfolgt eine extrem strenge Politik, wenn es um die Lizensierung neuer Mixer geht. Insofern ist es schon überraschend, dass ein Marktneuling mit einem 999-EUR-Preisbrecher jenen Ritterschlag erhielt, der beispielsweise Traditionsherstellern wie Stanton verwehrt blieb.

MIXARS+MX+MX+STA

Mixars STA und LTA Turntables
Wer auf einheitliches Branding und Design steht, sollte unbedingt noch die Turntable-Modelle STA und LTA testen. Die Mixars-Eigengewächse stellen die perfekte Ergänzung zum DUO-Mixer dar. Das Modell STA besitzt dabei einen klassisch geschwungenen Tonarm, während die LTA-Variante einen geraden Tonarm mitbringt. Letzteres Prinzip wurde erstmals 2001 von Vestax für Scratch-Spezialisten eingeführt, da er beim Zurückziehen des Vinyls seitlich weniger ausbricht. Wer sich nicht zu den Turntablisten zählt, sollte eher den klassischen S-Tonarm bevorzugen. Er legt die Nadelspitze durchgehend winkelgenau in die Rille und sorgt so für bestes Klangverhalten bei geringer Vinylabnutzung. Zumindest in der Theorie. Praktisch dürften ein schlechter Klang und hoher Vinylverschleiß großanteilig auf ein falsches, minderwertiges oder verbrauchtes Nadelsystem sowie eine miserable Austarierung gehen. Ansonsten glänzen LTA und STA durch identische technische Höchstleistungen und vorbildliche Ergonomie. Dank ihres Kampfgewichtes von zehn Kilogramm und der vorbildlichen Dämpfung stehen sie wie ein Fels in der Feier-Brandung. Und auch die Verarbeitung genügt, wie beim DUO, allerhöchsten Ansprüchen. So schmeicheln die gummierten Buttons für die Geschwindigkeitseinstellung, Laufrichtungsumkehr, Pitch-Range und den Quartz-Lock dem schweißnassen DJ-Finger. Auch der Pitchfader lässt sich ohne Nullpunkt-Rasterung mit angenehmem Widerstand führen. Die Pitch-Übersetzung lässt sich dabei zwischen 8 %, 16 % und 50 % einstellen. Ebenso können die Plattenteller-Start- und Abbremszeit über separate und versenkbare Potis stufenlos angepasst werden. Zu den wichtigsten Werten: Das High-Torque-Drehmoment des bürstenlosen 16-Pol-Motors zieht euch das Vinyl mit stolzen 4,5 kg/cm unter den Fingern weg. Angaben zur Gleichlaufschwankung konnten wir leider nicht ausfindig machen. Vielleicht ist das auch ganz gut so, denn allzu oft haben sich in der Vergangenheit die stets rekordverdächtigen Herstellerangaben in der Praxis als unrealistisch erwiesen. Sozusagen der VW-Abgasskandal der DJ-Technik. So müssen wir uns auf unser Gefühl verlassen – und das besagt: Selbst über einen mehrminütigen Vergleichslauf mit einem identischen, jedoch digital abgespielten Track lief der Mixars Turntable nicht aus dem Ruder. Extrem lange und dennoch taktgenaue Übergänge sind also kein Problem. Ein Novum bringen STA und LTA darüber hinaus ebenfalls mit: Aus dem Hinterteil ragen gleich zwei Cinch-Pärchen, die sich zwischen Phono und Line umschalten lassen. Die Turntables lassen sich also parallel beispielsweise mit zwei unterschiedlichen Mixer-Units verkoppeln. Oder mit einem Mixer einmal im Phono- und einmal im Line-Betrieb. Oder, oder, oder … Pretty cool – dass darauf nicht schon eher jemand gekommen ist! Bevor ihr also wieder oder erstmals zu den neu aufgelegten Technics-MKII-Originalen greift, schaut euch vorher die Mixars-Laufwerke unbedingt an. Sie werden euren festen Entschluss garantiert ins Wanken bringen. Allerdings kosten sie auch 599 EUR UVP. / Matthias Tienel

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Aus dem FAZEmag 052/06.2016
www.mixars.com