
Ursprünglich als Internetradio gegründet, hat sich MixCult zu einem der eklektischsten und angesagtesten Label-Netzwerke im Bereich von Minimal, Deep-House, Dub-Techno und Ambient entwickelt. Größen wie Andrey Pushkarev, Anton Lanski, David Hausdorf oder Lola Palmer haben die Plattform im Laufe der Jahre mitgeprägt, die 2015 im St. Petersburger Underground von DJ und Producer Kirill Matveev ins Leben gerufen worden war. Mit uns spricht er über seinen Umzug nach Montenegro, sein Treffen mit Juan Atkins und all jene Facetten, die MixCult seinen unnachahmlichen Charme verleihen.
Kirill, MixCult gehört zu den renommiertesten Label-Netzwerken im osteuropäischen Underground-Kosmos. Wie hat alles begonnen? Liegen die Wurzeln in der Szene von St. Petersburg?
Ja, alles begann im lokalen Underground von St. Petersburg, den ich irgendwann hinter mir lassen wollte. Ich war müde davon, Partys zu veranstalten, und wollte meine Ideen über Stadt- und Landesgrenzen hinaustragen. Um 2010 wurde mir klar, dass der Weg lang sein würde. Ein Label erschien mir zu groß, aber ein Internetradio realistisch. Also begann ich, Inhalte für MixCult Radio aufzubauen und über Jahre eine Hörerschaft auf SoundCloud und YouTube zu entwickeln. Nach dem Start des Radios im Jahr 2015 war klar, dass es weitergehen musste. Mit 18 Jahren hatte ich davon geträumt, ein Label zu führen – aber nie gedacht, dass es auf diesem Weg passieren würde.
Heute lebst du in Budva, Montenegro. Was machst du dort?
Ich kam her, um mit Freunden die Musik-Cocktailbar Lemonade zu eröffnen. Seit anderthalb Jahren veranstalten wir Konzerte und Partys. Dazu kam der Plattenladen WaxBrew. Ich nehme an Jams teil, spiele in Bars und reise gelegentlich nach Belgrad. Vor allem aber produziere ich weiter eigene Musik – in einem Heimstudio mit Meerblick. Leider bekomme ich Schengen-Visa nur für konkrete Termine, weshalb ich Europa seltener besuche, als ich möchte.

Wie sieht dein persönlicher musikalischer Hintergrund aus?
Alles, was in den 80ern in der Sowjetunion auf Kassetten, Vinyl oder im Fernsehen lief – von offizieller Musik bis zu Raubkopien mit Italo-Disco, New Wave oder Synth-Pop. Später kamen Eurodance, House und Techno hinzu. Mit 17 Jahren kaufte ich eine Platte mit „Flash Food“ von Infiniti (Juan Atkins) – melancholischer, wunderschöner Techno. Ohne diesen Track wäre ich heute vermutlich woanders. Später traf ich Juan Atkins persönlich, der überrascht war, dass gerade dieses Stück mich so stark geprägt hat.
MixCult vereint zahlreiche Vinyl-Sub-Labels. Kannst du uns einen Überblick geben?
Mit zunehmenden Demos wurde klar, dass viele Tracks Vinyl verdienten. Um stilistisch klar zu bleiben, teilte ich die Musik auf: MixCult für Dub-Techno, Believe In Records für Electro und Breakbeat, Panna Cotta Music für groovigeren House. NOREPRESS und später MUD TRAX für energetischen Techno-House, TAMIZDAT ursprünglich für russische Artists, Adlibitum Tum Tunes für Deep-House und Minimal, Blackinstock für Dub-Techno. Neu hinzukamen Kreisform für Techno und Unex Pected Records für Styles wie 90s-Rave oder Trance-Anleihen.

Ein Markenzeichen von MixCult sind die tollen Vintage-Visuals, mit denen viele Tracks und Sets auf YouTube begleitet werden. Woher stammt das Material?
Leider habe ich seit Längerem keine neuen Video-Podcasts produziert – sie waren extrem zeitintensiv, und viel Material ist in Russland geblieben. Damals sammelte ich es in Online-Foren, in denen alte TV-Aufnahmen ausgetauscht wurden. Es zeigte sich, dass langsame, atmosphärische elektronische Musik perfekt mit sowjetischem Dokumentar- und Fernsehmaterial harmoniert.
Was steht als Nächstes an?
Zuletzt habe ich viel kollaboriert und gemeinsam produzierte Musik veröffentlicht – sehr inspirierend. Außerdem arbeite ich an einem Release mit eigenen Edits von Pop- und Rock-Relikten der 80er, die mich geprägt oder schlicht meine Neugier geweckt haben.
Aus dem FAZEmag 167/01.2026
www.instagram.com/kirmataveev
www.mixcult.net