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Nach seinem Debütlangspieler mit dem Titel „Forever“ im Juni 2014 erweitert der gebürtige Hamburger Robert Wagenknecht aka Miyagi seine Diskografie nun um das zweite Werk in Albumformat. Für „Scene From A Dream“ hat er etwa zehn Monate gebraucht. Anders als beim Debüt ist die LP am 20. November 2017 auf seinem eigenen Label Lost Diaries erschienen.

Sowohl privat als auch beruflich gab es in diesem Jahr einige Veränderungen für den Hanseaten, berichtet er. „Ich bin sozusagen in einen neuen Lebensabschnitt gestartet, dem ich mittlerweile sehr positiv entgegensehe. Ich habe wahrscheinlich auch noch nie in meinem Leben so viel gearbeitet wie in diesem Jahr. Neben der Albumproduktion habe ich noch verschiedene Events in Hamburg veranstaltet und ca. 80 Gigs in Europa, Afrika, den USA und im Nahen Osten gespielt. Seit Anfang des Jahres bin ich auch bei Ledger Line unter Vertrag, die mir beim Booking sehr viel Arbeit abnehmen und sich bestens um mich kümmern. Ich fühle mich dort sehr gut aufgehoben.“ Hinzu kommen die unzähligen Produktionstage im Studio, während derer er einige Phasen und inspirierende Momente durchlebte. „Das komplette Chaos vor, während und nach der Produktion mal nicht betrachtet, war die Herangehensweise eigentlich ganz klassisch. Ich habe erst einmal Ideen gesammelt, dann mit meinem Studiopartner tagelange Jam-Sessions gemacht, das beste Material rausgesucht und am Ende fertiggemacht. Der Name ,Scene From A Dream’ kam mir auf einer Reise und ich dachte: So muss das nächste Album heißen. Die Namen der einzelnen Tracks kamen mir dann spontan in der Produktionsphase. Inspiration für jegliche Sachen in meinem Leben bietet mir das Leben selbst. Menschen, Fotos, Reisen, Filme, Musik von anderen Künstlern und noch vieles mehr. Die Welt ist voller Inspiration.“

Fragt man ihn, wie sich sein Sound in den letzten dreieinhalb Jahren – und im Vergleich zu „Forever“ – verändert habe, stellt er ein gewisses Erwachsenwerden fest. „Aber insgesamt bleibt er trotzdem sehr melodisch, verträumt, teils melancholisch. Ich mag Musik mit Seele. Das kann man auf einem Album wunderschönen ausleben. Da muss der Fokus nicht immer auf dem Club liegen. Solange die Musik mich oder andere Menschen in gewisser Weise berührt, bin ich glücklich damit.“ Im Studio nutzt er recht wenig Hardware, demnach ist sein All-time-favorite-Tool der Omnisphere von Spectrasonics. „Dieser Synth bietet mir so viel und ist eigentlich in jeder Miyagi-Produktion zu hören.“ Ebenfalls zu hören auf „Scene From A Dream“ sind auch einige Features, so zum Beispiel mit Mz Sunday Luv oder Lazarusman. „Sunday ist schon seit Jahren meine Lieblingssängerin in der elektronischen Musikszene. Ich mag ihre raue, rauchige, ein bisschen verruchte Stimme. Wenn man sie das erste Mal hört, könnte man annehmen, sie kommt gerade aus einer Whiskybar. Wir haben irgendwann zusammen ein Release auf Einmusika gemacht. Als ich dann Vocals für das Album gesucht habe, war sie sofort die erste Wahl. Bei Brian (Allies For Everyone) war es ähnlich. Ich habe gerne Songs mit seinen Vocals gespielt. In New York haben wir uns dann mal zum Dinner verabredet und über das Album geredet. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und so führte eins zum anderen. Lazarusman hatte für mich die passende Stimme für ,Meeting You’. Über einen Freund habe ich seine E-Mail-Adresse bekommen und nach kurzem Mail-Verkehr haben wir das Feature festgemacht.“

Passend zum Album wird es in den kommenden Wochen und Monaten auch eine ausgedehnte Tour geben. Diese wird ihn innerhalb Europas unter anderem in die Schweiz, die Türkei, nach Ungarn, England und Deutschland führen. „Ich freue mich natürlich auf alle Termine. Es stehen außerdem Gigs in Afrika, Asien und Nordamerika an. Dabei wird die Zeit in den USA und in Kanada vielleicht die schönste. Ich habe dort mittlerweile viele Freunde und ich liebe es, zwischen den einzelnen Veranstaltungen mit dem Auto durch das Land zu fahren und die verschiedensten Orte zu besuchen.“ Die Zeit um Weihnachten herum wird er – trotz des vollen Tour-Kalenders – dennoch in heimischen Gefilden verbringen. „Am ersten Feiertag werde ich nachts für einen Gig nach Münster fahren, aber dann auch versuchen, wieder pünktlich zum Mittag zu Hause bei der Familie zu sein. Es wäre sonst schade um das schöne Essen meiner Mutter. Silvester und Neujahr verbringe ich in Kenia. Dort spiele ich auf einem ziemlich abgefahrenen Festival in Kilifi am Strand. Das wird garantiert ein besonderes Erlebnis und auch ein kleines Abenteuer für mich.“ Für das neue Jahr hat Miyagi selbstredend schon einige fixe Pläne, auch für sein Label; hinzu kommen einige ambitionierte Vorsätze. „Auf Lost Diaries haben wir viele talentierte Künstler gesignt, von denen 2018 Releases veröffentlicht werden. Darunter sind Saultloom, der vor Kurzem sein Debüt auf Atishs Label Manjumasi hatte, der Australier Balad, der vom Sound auch zu 100 Prozent auf unser Label passt, und Mikah, von dem wir gleich zwei Singles erwarten. Wir haben außerdem unsere erste ,Various Artists’-Compilation in Arbeit, welche im Frühjahr erscheinen wird. Im neuen Jahr will ich auch versuchen, wieder öfter Sport zu machen. Weniger trinken und rauchen gehört auch zu meinen Plänen – das sind wahrscheinlich sogar die üblichen DJ-Vorsätze. Ansonsten stehen auch wieder sehr viele Sachen an; so zum Beispiel ein Remix-Album von ,Scene From A Dream’, weitere Releases auf unter anderem Einmusika oder Lost Diaries und eine Menge Gigs im In- und Ausland.“

Aus dem FAZEmag 070/12.2017 
Text: Rafael Da Cruz

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