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Alle guten Dinge sind drei. Und die Drei ist ein richtig gutes Ding. Moderat, Berlins Bass-Boygroup, veröffentlichen ihr drittes Album, das in der Tradition der Vorgänger schlicht mit „III“ betitelt ist. Was vor gut 14 Jahren mit ersten Sessions begann, dann allerdings einige Jahre pausierte, hat ab 2008 richtig Fahrt aufgenommen und bis heute eine Reife und Virtuosität erlangt, die bemerkenswert ist. Sascha Ring, Sebastian Szary und Gernot Bronsert sind auf dem vorläufigen Höhepunkt ihres gemeinsamen Schaffens. Letzterer stand zur Verfügung, um uns Einblicke in ihre Entwicklung und den Prozess ihres Schaffens zu geben.

Etwas überraschend ist „III“ aufgetaucht, denn eigentlich hätte man sich turnusmäßig um Alben für die Stammprojekte Apparat (Sascha) und Modeselektor (Szary und Gernot) kümmern müssen. „Aber irgendwie waren wir noch nicht bereit dafür. Wir haben uns dann eher kleinen Projekten gewidmet. Sascha hat seine ,Soundtracks’-Europa-Tour absolviert und wir waren zusammen mit Siriusmo als Siriusmodeselektor live auf Tour.“ Hinzu kommt, dass die drei seit ihrem zweiten Album 2013 auch viele gemeinsame Konzerte gegeben haben und damit den Flow für ein neues Album nutzen wollten, das dann die vollendete Fortsetzung des Vorgängers darstellt. „Die erste Platte war ein Experiment, ein Spaß. Wir haben versucht, Modeselektor und Apparat zusammenzuführen. Beim zweiten haben wir nicht versucht, irgendwas zusammenzuführen, sondern als Sascha, Szary und Gernot gemeinsam Musik zu machen.“ Dieser Geist wurde auf der darauf folgenden Tour verfestigt und mittlerweile sind sie zu einer Bandeinheit verschmolzen. Sie haben sich von zwei völlig verschiedenen Seiten aus genähert und ihre Stärken in einen Topf geworfen. „Während Moderat für uns ein Ausflug ins Erwachsensein ist, mit dieser konzertanten Ausrichtung, ist das für Sascha genau das Gegenteil.“ Und so kümmert sich letzterer um Gesang und Texte, während die beiden Modeselektoren den Großteil der musikalischen Ausrichtung übernehmen. „Sascha ist im Laufe der Zeit auch immer mehr Sänger geworden, daher ist das ganz klar seine Baustelle. Szary ist der Sounddesigner. Wenn Sascha oder ich eine Vorstellung von Sound haben, dann geht er ins Studio und baut so lange, bis es ihm gefällt. Und das ist dann auch meistens so, wie wir es uns vorgestellt haben. Ich kümmere mich dann ums Arrangement, baue den Song und treffe die Tempoentscheidung – dabei muss ich auch immer im Kopf haben, wie man das auf die Bühne bringt, das darf man dabei nicht vergessen.“ Und ganz reibungslos verlief das auch nicht, es gab immer wieder Meinungsverschiedenheiten, „aber dadurch, dass wir wirklich gute Freunde sind, wird dann auch schnell was verziehen und eingesehen. Wir treffen die Entscheidungen als Band. Es gibt immer Diskussionen, aber die machen die Sache ja auch lebendig, das genießen wir dann auch.“

Dieser ganze Prozess dauerte schließlich länger als geplant. Während „II“ innerhalb von drei Monaten entstand, zogen sich die Arbeiten für „III“ über ein Jahr hin. Das lag einerseits daran, dass man sich im neuen Studio erst eingrooven musste und die Geräte neu eingerichtet werden mussten, andererseits begleitete sie auch eine gewisse Erschöpfung durch die vielen Live-Auftritte. Die ersten Monate wurde viel probiert, aber auch viel verworfen. Streicher wurden aufgenommen und dann doch nicht benutzt, es wurde ein Drummer engagiert, aber diese Aufnahmen wurden ebenso nicht verwendet. Erst gegen Ende dieser Periode kam Zug in die Sache und es wurde eine ganze Menge Material fertiggestellt – weit mehr, als Platz auf dem Album ist. Zum einen gibt es dafür eine Bonus-CD, zum anderen nährt es die Hoffnung auf ein weiteres Album. „Wir haben viele, viele Songs geschrieben, die es nicht geschafft haben. Da gibt es einige Baustellen, die wir noch nicht bändigen oder vollenden konnten.“ Aber so wie die Platte jetzt ist, ist sie eine sehr gut zu hörende Einheit mit Tempowechseln und viel Gefühl. Und sie wächst bei jedem weiteren Hören. Live könnt ihr euch davon natürlich auch überzeugen, die Europa-Tournee läuft seit Ende März. / Tassilo Dicke

Aus dem FAZEmag 050/04.2016 
www.moderat.fm

Foto: Flavien_Prioreau