Wie widmet man sich einem Menschen, dessen Karriere man über einen langen Weg nicht nur verfolgt, sondern sogar begleitet hat? Wohl alles andere als neutral. Insofern ist dieser Bericht über die Berlinerin Monika Kruse auch nicht durch Objektivität geprägt. Ich bitte, dies zu entschuldigen. Anlass für das Gespräch ist das zweite Solo- und insgesamt vierte Album der wohl populärsten deutschen DeeJane. „Traces“ – zu Deutsch: Spuren – lautet sein Titel, und es erscheint am 1. Juni auf Terminal M. Gemeinsam begaben wir uns auf Spurensuche …


Bevor wir jedoch über die wichtigsten Stücke auf dem Album sprechen können, interessiert mich das verrückt geniale Coverbild. „Vergangenes Jahr habe ich zum ersten Mal das Burning Man Festival (*) besucht. Als ich am ersten Morgen aufwachte, sah ich als sofort dieses Gefährt. Es ist also keine Fotomontage. Der Wagen war ein überdimensionaler Ghetto-Blaster, auf dem Menschen durch die Wüste fuhren und feierten. Dieses Konstrukt fand ich sehr beeindruckend.“ So beeindruckend, dass Monika nicht nur einen Handyschnappschuss von diesem Gefährt machte, sondern es auch sinnbildlich für das Album fand, das ein sehr persönliches geworden ist. „Musik war nicht nur ein stetiger Wegbegleiter in meinem Leben, sondern auch ein Lebensantrieb in schwierigen Situationen. Das Fazit meines Lebens ist die Musik.“ Also machte sie den Erbauer des Fahrzeuges ausfindig und klärte mit ihm die Nutzung des Bildes als Covermotiv für „Traces“. Nachdem wir den formalen Rahmen abgesteckt haben – zwölf Tracks und damit zwölf Spuren beinhaltet das Album – nähern wir uns den Inhalten.

Monika Kruse fällt es nicht leicht, über ihr Album, das in Zusammenarbeit mit Dapayk und Sante entstanden ist, zu sprechen. Zum einen, weil sie das berühmte Zitat von Frank Zappa „Writing about music is like dancing to architecture.” bestätigt und zum anderen, weil sie viele persönliche Momente in den Stücken verarbeitet hat. Wir haben es dennoch probiert.

Cycel Of Trust
Der Titel beschäftigt sich mit meiner Freundesclique. Wie es in Gruppen halt so ist, haben wir unseren eigenen Slang und speziellen Humor. So habe ich in der Produktion des Tracks die Stimme rückwärts aufgenommen, um diese geheimnisvolle Verbindung zu verdeutlichen. Gerade in dieser Wüstensituation war die Gruppendynamik eine besondere. Wir spürten einen unsichtbaren Motor, der uns antrieb und uns zeigte, wann wir losgehen, wann wir kochen und was wir anziehen sollten. Gemeinsam haben wir schöne und auch schlimme Dinge erlebt. So erlitt eine Person aus unserer Gruppe einen unfassbaren Hustenanfall aufgrund der dortigen Staubentwicklung. Durch dick und dünn zu gehen, das ist der „Cycel of Trust“. Diese Melancholie kann man auch im eher ruhig gehaltenen Stück hören.

Playa Dust
Auch dieser Track hat wieder einen Bezug zum Burning Man, obwohl wir die Nummer schon vor meinem Besuch dort fertiggestellt hatten. „Playa Dust“ ist der Name der Festivalfläche, auf der sich die ganzen Installationen befinden und die Wohnwagen bzw. Zelte stehen. Da ist es sehr staubig. Der Track ist für mich mein Beitrag zu World Music, auch wenn der Begriff etwas zu ethnomäßig klingen mag. Inspiriert wurde ich durch Peter Gabriels Soundtrack zu „Passion“, den ich sehr wegweisend fand. In diesem Stück hört man einige der Spuren, die die Musik in meinem Leben hinterlassen hat. Und dazu gehört eben nicht nur Techno sondern auch Weltmusik.

Wavedancer
Ich liebe den Titel. Bislang gab es ihn nur auf 12Inches oder auf Compilations, und ich fand, dass er sehr gut das Album passte – als Übergang von den ruhigen Stücken auf „Traces“ zu den Dancenummern, die ja auch zu mir gehören. Vielleicht ist es für Fans auch schön, diesen Track im Rahmen eines Gesamtwerks auf dem Album zu haben.

One Love
Ich habe dieses Album gemacht, weil ich es wollte, nicht weil es aus Marketinggesichtspunkten gerade ein günstiger Zeitpunkt war. Mein damaliger Agent hat mir sogar davon abgeraten, aber ich wollte es unbedingt; etwas ausdrücken, was ich gerade fühlte und was mich musikalisch in meinem Leben geprägt hat. Insofern habe ich das Album primär für mich produziert ,und aus diesem Grund gab es nur eine Stimme, die für mich auf „Traces“ passte. Wenn einer für mich singen sollte, dann Robert Owens, da er mich zur elektronischen Musik gebracht hat. Seine Stimme ist sehr soulig und deep und war für mich der Brückenschlag zu Techno.

www.monikakruse.de

(*) Burning Man ist ein jährlich im Black Rock Desert (Nevada/USA) stattfindendes Festival. Der Burning Man dauert acht Tage und endet traditionell am ersten Montag im September, dem amerikanischen Labor Day, mit der Verbrennung einer überdimensionalen menschlichen Statue. Das Festival ist kein Rave im eigentlichen Sinne, sondern die Symbiose aus Kunstausstellung, extrovertiertem Happening und einer großen Party. Beim Burning Man sind sogenannte Mutant Vehicles zugelassen, besonders phantasievolle und abstruse Fahrzeuge.
Monika Kruse über den Burning Man: „Ich wollte bereits seit 20 Jahren am Burning Man teilnehmen und habe es zeitlich nicht geschafft. Nach dem Tod meiner Mutter riet mir ein Freund dazu, dorthin zu fahren, da die Party dort nicht im Vordergrund steht. Es gibt zum Beispiel den sogenannten Tempel, in dem man von geliebten Menschen Abschied nehmen kann. Der Burning Man war eine Art spiritueller Anker in dieser schwierigen Zeit. Er half mir, Energien zu sammeln. Das Festival beschäftigt sich mit dem Thema, wie man anderen Menschen helfen kann. Geld ist dort nicht erlaubt, Leistungen werden getauscht. Das Ganze versprüht einen hippiesken Charme.“