„Under Darkening Skies“ heißt das neue Album von Monolink alias Steffen Linck, auf dem er uns seinen unverkennbaren Sound präsentiert – in einem Format, das laut Monolink nicht in das Konzept eines Majors passe. Anfänglich sei es noch ein Ziel des gebürtigen Hamburgers gewesen, an einen Major-Deal zu kommen, doch die Vorgaben, wie seine Musik hätte sein sollen, hätten ihm die Lust daran genommen, dieses Vorhaben weiter zu verfolgen. Seit einiger Zeit lebt Steffen in Berlin und hat sich vom elektronischen Sound der Stadt mitreißen lassen. Wie man an seiner Musik hört, hat er auch andere musikalische Einflüsse.

 

Schon als Kind habe er immer gerne gesungen. Er fing an, Klavier zu spielen, sei aber nie richtig reingekommen. Während seiner Schulzeit ließ Steffen sich hingegen von einem anderen Instrument begeistern: „In der Schule habe ich jemanden kennengelernt, der Gitarre gespielt hat, woraufhin ich ihn gefragt habe, ob er mir das Spielen beibringen kann.“ So fing er an, in Bands britischen Indie-Rock zu covern. Es folgten weitere Projekte, bis er nach der Schule solo als Straßenmusiker weitergemacht hat und mehr in die Folk-Richtung gegangen ist, wie er erzählt. Ab und an habe er unter anderem Touren nach Frankreich gemacht und in diversen Städten gespielt.

Für sein Architektur-Studium verschlug es ihn nach Berlin. Das Studium sei sehr zeitintensiv gewesen, weswegen er Musik nur noch nebenbei gemacht habe. Als Monolink dann in Hamburg einen Produzenten kennenlernte, der von seinen Demos begeistert gewesen sei, hat er sein Studium direkt geschmissen, um sich seiner Passion zu widmen. Obwohl sich aus dieser Zusammenarbeit nichts ergeben hat, sei dies für ihn der erste Einblick in die Branche gewesen. Kurz darauf tauchte er in die Berliner Technoszene ein und spielte erstmalig mit seinem Folk-Projekt auf einem Festival. Liveacts wie Touchy Mob faszinierten Steffen: „Zu der Zeit habe ich schon ein paar Acts gesehen, die akustische Musik und elektronische Musik miteinander kombiniert haben. Touchy Mob spielt Akustikgitarre und hat sich einen Midi-Controller auf die Gitarre geklebt, womit er Ableton ansteuert. Das fand ich total geil – das war ähnlich wie das, was ich gemacht habe. Von da an war mir klar, dass ich ebenfalls Bock hätte, so etwas zu machen.“

Zwei Jahre lang habe er Youtube-Tutorials geschaut, um sich das Produzieren selbst anzueignen. Mittlerweile ist Steffen tief in der Materie und verfügt über ein gut ausgerüstetes Studio, in dem er seine Musik produziert. Song-Ideen entstünden meist auf dem Klavier oder auf der Gitarre. Früher habe er viel mit Plug-ins gearbeitet, jedoch merke er jetzt, dass er viel kreativer sei, wenn er ein Gerät vor sich hat. Neben einem Prophet 6 und einem Juno 60 findet sich auch eine hochwertige analoge Signalkette in Steffens Studio, durch die er seine Sachen schickt, um „beim Aufnehmen einen guten analogen Sound einzufahren.“ Wenn er live spielt, lägen Herausforderungen für ihn sowohl in technischen Dingen, wie etwa kaputte Kabel, oder auch darin, einen Flow zu kreieren, da er stets versuche, spontan mit dem, was er spielt, umzugehen.

Warum Acts wie Monolink gut ankommen, erklärt Steffen folgendermaßen: „Ich kann mir vorstellen, dass es vielen so geht wie mir, dass sie elektronische Musik super finden, aber eben Konzerte auch. So ging es mir bei Partys, dass ich mir nach einer gewissen Zeit etwas anderes oder mehr Abwechslung gewünscht habe – eine menschliche Komponente in dieser musikalisch industriellen Welt.“

Über das gesamte letzte Jahr sei eine neue Liveshow mit eindrucksvollen Visuals entstanden, allerdings konnte sie aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht realisiert werden. Corona ist aus Steffens Sicht für ihn in viele Richtungen gegangen. Auf der einen Seite habe er so mehr Zeit im Studio verbringen können, auf der anderen Seite fehle ihm die Aussicht darauf, das Produzierte aufführen zu können: „Das hat mich in meiner Kreativität zwischenzeitlich gehemmt. Da habe ich mich gefragt, warum man Musik macht, wenn man sie nicht live erleben kann.“ Dass dies wieder möglich sein wird, hoffen wir alle und blicken mit Vorfreude auf „Under Darkening Skies“ und Monolinks Liveshows.

 

 

Aus dem FAZEmag 112/06.2021
Text: Niklas Fust
Foto: Lisa Wassmann
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