Die aus Moskau stammende Band Moscow Death Brigade, die sich selbst zum linksradikalen Spektrum zählt und stets mit Sturmhauben ihre Auftritte bestreitet, besticht stilistisch durch ihre Mixtur aus Hardcore, Rap und Techno. Sie selbst nennen es „Circle Pit Hip-Hop“, eine aggressive Form der drei Genres inklusive zahlreicher Einflüsse von der Straße sowie einer Menge sozialer Messages zu Themen wie Krieg, Rassismus, Diskriminierung und mehr. Mit „Boltcutter“ veröffentlichte die Combo, die sich 2008 gründete, dieser Tage ihren zweiten Langspieler. Wir sprachen mit Ski Mask G und Boltcutter Vlad.

Moscow Death Brigade (9) photo credit Moscow Death Brigade


Die Arbeiten am Follow-up zu „Hoods Up“ begannen bereits im Januar 2016, erzählen beide. „Im Mai 2017 hatten wir die Single ,Brother & Sisterhood’ sowie ein passendes Musikvideo dazu fertig. Es war das erste Stück, wo wir unseren neuen, durchaus elektronischeren Sound implementiert haben. Wir haben unsere ,Circle Pit Hip-Hop’-Formel quasi noch weiter ausgearbeitet und zu aggressivem Rap noch eine Schippe Punk und Hardcore-Instrumentals hinzugefügt. Aufgrund der vielen Shows, die wir in den letzten Monaten und Jahren gespielt haben, verzögerte sich die Album-Produktion um eine ganze Weile.“ Während sie bei ihrem ersten Werk noch weitaus stärker in der Punk-Rock-Ecke zugegen war, arbeitet die russische Band nun mit weitaus weniger verzerrten Gitarren – durchaus ein Markenzeichen von MDB in den vergangenen Stücken. Nun allerdings gibt es schmutzige Bässe und kraftvolle Drums. „Um den für uns idealen Sound zu kreieren, haben wir mit dem Sound-Ingenieur NKNVS aus Osteuropa zusammengearbeitet. Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, das durchaus auch an illegale Rave-Partys erinnert.“

In ihren Lyrics auf „Boltcutter“ konzentrieren sich MDB auf eine Vielzahl von Themen. „Nicht alle von ihnen sind sozial – wir tun nicht so, als wären wir die Prediger-Typen vom Dienst. Wir sind nur Jungs in Trainingsanzügen und Sturmhauben, die über Dinge rappen, die uns wichtig sind, und das führt manchmal dazu, dass wir uns zu Themen der modernen Gesellschaft äußern. Zum Beispiel ist unser Track ,Anne Frank Army Part II‘ einer der lyrischeren Tracks gegen Rassismus und religiöse Diskriminierung, eine Fortsetzung eines unserer ältesten Rap-Songs. ,Rude Girl Warrior‘ trägt eine starke Botschaft gegen Sexismus. Auf ,Boltcutter’ sprechen wir über das gleichnamige Werkzeug als Symbol für Freiheit und den Kampf der Ungerechtigkeit, zeitgleich ist es aber auch eine Hymne für Graffiti-Sprayer. Wir lassen uns von Bands inspirieren, die nicht nur mit neuem Sound experimentieren, sondern auch eine progressive soziale Botschaft mitbringen: von Asian Dub Foundation und Atari Teenage Riot über Godflesh, Public Enemy.“ Ihre Heimat Russland gibt dieser Tage mitnichten wenige Gründe, sich sozialkritisch bedeckt zu halten, vertritt man seine Meinung gerne mit lautstarken Methoden, wie es diese Band mit Vorliebe tut. „Natürlich hat uns die Umgebung, in der wir aufgewachsen sind, sehr beeinflusst. Wir haben die Band gegründet, als Russland mitten in einem Straßenkrieg zwischen Neo-Nazi-Extremisten und der Punk-Hardcore-DIY-Szene stand. Da wir Teil dieser Szene waren, war es für uns wichtig, unsere Position gegen Gewalt und Bigotterie zu vertreten. Wenn wir heute die Welt bereisen, sehen wir, dass sowohl Russland als auch einige EU-Länder viel mit Propaganda zu tun haben, im Stil des kalten Krieges. Aber wir sehen auch viele Menschen, die nicht den Manipulationen der Politiker auf beiden Seiten zum Opfer fallen, die von Krieg und Chauvinismus profitieren wollen.“

Mit ihrem neuen Album geht die Band auf große Europa-Tour, im Februar sind es insgesamt 19 Shows, darunter auch zahlreiche in Deutschland. „Touren macht uns sehr viel Spaß, weil unser Publikum einen wahren Geist der Einheit hat – Menschen aus verschiedenen Subkulturen und Fans verschiedener Musikgenres, die Unruhen im Moshpit, Stage Dive und Singen beginnen. Seht euch eines unserer Musikvideos wie ,Boltcutter‘ oder ,It’s Us‘ an, das darf man bei unseren Shows erwarten.“ Darüber hinaus arbeitet die Band an einem Charity-Projekt mit True Rebel für Frauenrechte in Afrika sowie an einem eigenen Computer-Spiel.

Moscow Death Brigade in Deutschland
07.02. Rostock, JAZ
08.02. Dresden, Chemiefabrik
09.02. Saalfeld, Klubhaus
10.02. Würzburg, Immerhin
14.02. Nürnberg, Kunstverein
15.02. Grafing, JIG
16.02. München, Tonhalle
17.02. Wiesbaden, Schlachthof
18.02. Aachen, AZ
19.02. Mülheim, AZ
20.02. Bonn, N8lounge
21.02. Osnabrück, JZ
22.02. Hamburg, Monkeys
23.02. Berlin, SO36
24.02. Kiel, Alte Meierei

Aus dem FAZEmag 072/01.2018
Text: Triple P