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Moses hat gesprochen #011, FAZEmag 034/12.2014

Technonazis?

Irgendwie geht da ein Rechtsruck durch die Szene. Wir haben alle die Ereignisse auf der HoGeSa-Demonstration in Hannover und vor allen Dingen zwei Wochen vorher in Köln gesehen. HoGeSa, Hooligans gegen Salafisten – nicht zu verwechseln mit Dehoga, dem Deutschen Hotel und Gaststättenverband. Wobei die Ansichten der beiden Gruppen ähnlich radikal sind, wenn auch politisch anders geartet. Gefühlt hat da die Hälfte meines Facebook-„Szenekreises“ mitgemischt. Ich habe Selfies vor umgestürzten Polizeiwannen gesehen, Videos von „Wir sind das Volk“ skandierenden Vermummten angeschaut, und irgendwie war der Begriff ACAB omnipräsent. Das ist kein türkischer Vorname, das ist ein verbaler Angriff auf unsere Exekutive.

Woran also liegt es, das Menschen aus unserer Szene, die Menschen, die Toleranz für ihre Musik, ihren Kleidungsstil und ja, auch ihre Lautstärke einfordert, keine Toleranz gegenüber anderen beweist? Nein, ich rede nicht von radikalen Salafisten oder dem Islamischen Staat, der uns allen Angst macht. Ich rede von dem Migranten, dem Flüchtling, dem Ausländer. Denn um nichts anderes als die Ablehnung dieser Menschen ging es bei diesen Demonstrationen. Wer will mir denn erklären dass sich deutschtreue Hooligans gegen Salafisten zusammengeschlossen haben, wenn die Demonstration von rechten Gruppierungen teils angemeldet, aber immer begleitet wurden? Die Botschaft ist doch eine andere. Und nein, die Medien bauschen dort nichts auf, solange auf diesen Demos Menschen rumlaufen die „Auschwitz University“-Pullover tragen oder die rechte Hand heben.

Ist es die Lebenseinstellung, die speziell junge Menschen treibt? Die Suche nach Identität und WIR-Gefühl? Etwas, das wir als Subkultur nicht mehr bieten können? Mit Sicherheit ist es politische Unwissenheit oder schlicht und Dummheit. Nazis haben noch nie intelligente Menschen angezogen, das liegt einfach in ihrer Natur. Hier geht es um ein gemeinsames Feindbild, das nur dazu dient, die eigenen Verfehlungen auszugleichen bzw. zu verargumentieren. Warum hast du keinen Job? Der Ausländer nimmt ihn dir weg! Warum hast du keine Freundin? Der Ausländer hat sie! Du hast keine Kohle? Wir zahlen ja auch alles für den Ausländer, der als Asylbewerber ein völlig überzogenes Taschengeld kassiert. All diese dämlichen Phrasen lenken doch nur davon ab, dass du dich einfach mal anstrengen und aus deiner verkoksten und verpeppten Afterhour in ein normales Arbeitsleben steigen solltest. Dann finden dich nämlich auch die Weiber geil, und Geld hast du dann auch. Vielleicht arbeitest du mit einem Türken zusammen und merkst, dass unsere Ökonomie und Wirtschaft eben auch auf dem Ausländer fußt. Ist das das Bild, dass wir als elektronische Szene und als Motor für die Clubkultur abgeben wollen?



Lasst uns gemeinsam feiern, fröhlich sein, meinetwegen Drogen konsumieren, aber ohne Barrieren und Vorurteile. Vor allen Dingen aber: Lasst euch nicht vor den Karren spannen für zwielichtige und/oder rechtsradikale Zwecke!

Mehr Moses: www.fazemag.de/category/kolumnen/moses-hat-gesprochen
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