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Moses hat gesprochen #014, FAZEmag 037/03.2015

Valentinstag

Valentinstag.

Unabhängig davon, in welchem Jahrzehnt man sich befindet, dem Valentinstag kann man schwer entwischen. Diese unsägliche Erfindung von Fleurop und Ferrero, die ihre freundlichen Blumenlieferanten und Mon Cheri-Schachteln durch die Lande schicken, verfolgt einen überall hin. Schon acht Wochen vorher werde ich im Supermarkt darüber informiert, dass bald der Tag der Liebenden ist. Kein Wort davon, dass der christliche Valentinus den Märtyrertod durch Enthauptung erlitt. Kurz, der Valentinstag ist also unweigerlich mit der Tatsache verbunden, dass man seinen Kopf hergeben muss. Klingt fair. Naja, fair für die Liebe. Denn ist die Liebe nicht immer ein kopfloses Handeln? Voll mit unvernünftigen Entscheidungen, die wir beiläufig mit der „rosaroten Brille“ entschuldigen. Liebe kostet Geld, Liebe kostet Energie und Kraft, Liebe ist aber auch dieses wohlig-angenehme Gefühl, das einem sonst nur Frühling und MDMA vermitteln können.

Wir haben März, zumindest Frühling ist in Aussicht, und mir stellt sich die Frage: Was habt ihr euren Liebsten zum Valentinstag geschenkt? Meine ausgeprägte Star Wars-Leidenschaft ist hinlänglich bekannt, und manche Familienmitglieder munkeln, ich hätte mir diese nur angeeignet, um meinem Umfeld das Schenken zu erleichtern. Ich erfreute mich also an einem Bild des Dunklen Lords auf einer großen Leinwand. Das mag für den einen skurril klingen, für mich ist es schlicht und ergreifend grandios. Ich bin auch kein Fan von Standarddingen. Blumen? Fürn Arsch! Halten fünf Tage, kosten einen Wochenlohn und ziehen Fruchtfliegen an, wenn man sie zu doll gießt. Eine Schachtel Merci? Meine Güte, nicht einmal der Nachbarin, die netterweise meine Katze hütet, würde ich die Botschaft vermitteln wollen, sie sei mein Fels in der Brandung. Ausgefallene Ideen sind gesucht! Wie wäre es, wenn ihr der Freundin die Sterilisation ihrer kürzlich zugelaufenen Katze schenkt? Die Kopflosigkeit und Unvernunft eines Valentinstags wäre umgehend ausgehebelt, schließlich ist das ein praktisches und lustiges Geschenk zugleich! Das Praktische liegt hierbei auf der Hand, das Lustige kommt dann nach dem Erwachen aus der Narkose, wenn das hinterbeingelähmte Kätzchen aussieht wie du auf deinem Keta-Urlaub letztens. Sogar ein wenig Romantik lässt sich hier hineindichten: „Schatz, sieh es doch mal so: Wir gehen alle gemeinsam durch eine schwere Zeit!“ Nicht? Dann schenkt eurem Schatz eine Pulle 15W40 Motorenöl. Schmiert DJ-Groupies und die meisten Motoren älteren Baujahres. Ein praktisches Geschenk mit einer romantischen Aussage: „Gemeinsam erreichen wir jedes Ziel!“ Das übertrifft doch Boxershorts, Socken und die „Ohne dich ist alles doof“-Schafbücher.

Ich wünsche mir ja ein „Ohne dich ist alles geil!“-Buch. Eben ein Werk, das einem unverblümt die rosa Brille vom Kopf reißt und den Realismus um die Ohren schlägt. Früher hatten wir noch die Diddl-Mäuse, diese gut gemeinten Viecher mit den viel zu großen Füßen. Da war die Botschaft auch klar: „Verpiss dich oder ich schenke dir auch noch ein 4er-Set Leonardo-Gläser dazu!“

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