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Moses hat gesprochen #017, FAZEmag 040/06.2015


Detroit Salatblatt Militia!

„Wie erkennt man einen Veganer? Er wird es dir erzählen.“ Seit ein paar Jahren geistert dieser Spruch durch meine Timeline und entlockt mir stets ein süffisantes Grinsen.

Ganze Restaurantketten poppen aus dem Nichts und erobern die gentrifizierten Szeneviertel. „Isch des auch Bio?“ ertönt es aus palettenmöblierten Cafés, während die Secondhand-Fraktion ihren Sojamilch gebleichten Kaffee umrührt. Organic Food ist neuerdings der heiße Scheiß und wird sogar von überzeugten Fleischfressern adaptiert. Lebensmittelqualität auf einem neuen Niveau.

Prinzipiell habe ich nichts dagegen, nein – ich finde es sogar grandios! Ich möchte keine Plastiktüten mehr kaufen und die Überreste davon Jahre später in meinen Calamari wieder zu mir nehmen. Gutes Fleisch benö- tigt eine, sofern überhaupt möglich, artgerechte Tierhaltung. In unserer Wegwerfgesellschaft ist das neue Bewusstsein ein erfrischendes Bekennt- nis zu mehr Nachhaltigkeit. Ich gönne jedem diese neue Qualität und Lebenseinstellung. Ich möchte einfach nur selbst entscheiden können, ob ich diese komplett oder nur teilweise unterstütze. Mein Fleisch bleibt mein Fleisch, egal ob auf dem Teller oder an meinem Körper. Veganer und Verfechter der Todesstrafe für Pädophile haben eines gemeinsames: Radikalität. Ständig versucht man, mich zu überzeugen, meine Ernährung umzustellen: „Ist dir bewusst, was du gerade für einen Scheiß frisst?“ Ja, verdammt – denn es schmeckt mir wunderbar und das ohne schlechtes Gewissen. Ja, es ist Fleisch! Ja, es ist ein Milchprodukt! Ganze Labels inklusive aller Artists sind bereits auf den veganen Zug aufgesprungen: Vorbildeffekt! Ständig laufen widerliche Videos von schrecklicher Tierhaltung über meinen Facebook-Channel mit dem Aufruf des Boykotts und dem Hinweis, dass vegane Ernährung das Beste sei. Gemeinsam mit dem klärenden Effekt von Yoga und Homöophatie. Je mehr mich davon erreicht, desto radikaler bin ich dagegen. Ich habe nicht einmal die Möglichkeit mir eine neutrale Meinung zu bilden, denn ich werde ständig mit angeblich bewiesenen „Fakten“ bombardiert. Irgendwie hinterlässt das den perfiden Nachgeschmack einer sektenähnlichen Gruppierung.
Mahlzeit. Moses

Diese ständige Doppelmoral kotzt mich an! Schmissen wir uns jahrelang mit Pillen und sonstigem Zeugs zu, entschlacken wir nun in Indien. Lasst mich in Ruhe damit und ich werde ein ganzheitlicheres Leben führen, als ihr euch je erträumt habt.

Mehr Moses: www.fazemag.de/category/kolumnen/moses-hat-gesprochen
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