moses hat gesprochen
Moses hat gesprochen #026, FAZEmag 052/06.2016
Blasen muss man aufstechen …


Herzliche Grüße aus New York. Nein, ich habe hier keine wilde Geschichte zu erzählen, ich werde kein „Danke, New York!“ nach einem wilden Gig twittern, ich mache einfach nur Urlaub. Geil oder? Langzeiturlaub haben jetzt auch einige Jungs von Beatport. Ungeil. Über ein Jahrzehnt lang war Beatport das Portal für Traktorfahrer oder Silversurfer. Nahezu jedes Label ist hier vertreten und als Umstrukturierung und Neuausrichtung als Streamingportal mit Fokus auf den EDM- Bereich angekündigt wurden, war der Aufschrei groß. Natürlich hatte der Neubesitzer SFX da seine Finger im Spiel. Nun ja, wir wissen: Kriege an mehreren Fronten sind wahnwitzig und zum Scheitern verurteilt, also nun der Reset. Auf zu alten Ufern oder so.

Apropos Labels und Musikverkäufe: ich liebe Schlammschlachten! Da lassen sich ja gerade zwei sogenannte „Underground“-Künstler auf „Brigitte-Niveau“ herab. Da hat der eine angeblich kein Geld vom alten Hauslabel bekommen. Gut, fällt ihm jetzt Jahre später ein, tut aber nichts zur Sache. Natürlich klärt man diese Dinge über Facebook, seitdem die Scharia ja weltweit geächtet ist. Intelligenter Move – gerade deswegen, weil diese Sache international auf Englisch ausgetragen wird. Müßig zu erwähnen, dass es sich um ein deutsches Label mit deutschen Künstlern handelt. Der Labelboss und Amtsinhaber schießt selbstverständlich zurück und so gibt es einen witzigen Schlagabtausch. Träumchen. Vielleicht schaltet sich ja noch Jan Leyk ein und bezieht Stellung. Er muss ja eh langsam umsteigen. EDM ist durch und Trap ist jetzt die kurzweilige Sau, die man durchs Dorf treibt. Während gerade alle Großveranstaltungen ihre Winteredition planen und Tomorrowland in zig Ländern eine Art Public Viewing veranstaltet, fragt man sich, wann die Blase nun endgültig platzen wird. Solange es genügend Idioten gibt, die sich über ein Konzept aufregen, das aus Livestream plus zwei Headliner-DJs besteht, wird das vermutlich noch etwas dauern. Mein Rat: Kauft euch doch Tickets für das richtige Tomorrowland, zahlt das Zehnfache und seid so besoffen und verballert, dass ihr eh nur zwei DJs mitbekommt. Klasse Sache.

Derweil poliere ich meinen Bus und freue mich auf eine wundervolle Festivalsaison. Auch dieses Jahr gibt es wieder einen Haufen kleiner, familiärer Festivals ohne großkommerziellen Anspruch und mit einer Menge noch weitestgehend unbekannter DJs. Support your locals oder so. Ich mag das.

In diesem Sinne
Euer Moses

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