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Moses hat gesprochen #003, FAZEmag 03.2014

Normalerweise sägt es mich immer richtig an, wenn es um diese Beschwörung des Undergrounds und dieser ominösen Wurzeln geht aus deren wir alle stammen. Dieses Tresorgefühl, hinter Gitterstäben in ranzigen Industriekellern dem Underground zu huldigen, der – woher auch immer er kam – der Inbegriff von Love, Peace und Unity ist. Haben wir noch gönnerhaft auf den Loveparades der späten Neunzigern unsere Teile zerbrochen und die andere Hälfte zusammen mit einer Kippe irgendjemand Fremden in die Hand gedrückt, ist diese Zeit nachweislich vorbei. Größer, höher, lauter, fetter, mega, giga, ultra. Auf jeden Fall mehr. Und das von allem.

Funktion One? Zwölf Headliner der A-Liga? Eine großartige, außergewöhnliche Location? Eine riesige Lasershow in mindestens 38 verschiedenen Farben? Der Anspruch wächst mit den neuen Generationen. Das bleibt nicht unbemerkt und Marketingmaschinerien machen aus Künstlern Popstars. Logos werden kreiert. Kids tätowieren sich Tiëstos und Hardwells auf ihre Unterarme. Privatjets, Tourbusse, Roadies, Groupies, Tech-Rider, Hospitality-Rider, Manager, Berater, das volle Programm. Was erwarten wir uns davon? Ist die nächste Blase wieder so dick, dass wir uns ein zeitlich begrenztes Phänomen geschaffen haben? Geht es wieder zurück in den wahren „Underground“? Zurück in die düsteren Clubs des Landes? Für das ausgewählte, gesellschaftlich abgegrenzte Publikum? Oder wird elektronische Musik gesellschaftlich akzeptiert und die Kommerzialisierung findet Gehör in der Politik? Wo Geld verdient wird, wird auch Interesse generiert. Ich denke, wir stehen gerade an einem Scheitelpunkt der richtungsweisend sein kann. Wie so oft.

SFX Entertainment investiert aktuell eine Milliarde US-Dollar in die „Dance Industry“. Industrie? Aha, gut zu wissen, wessen Teil wir mittlerweile sind. Das amerikanische Unternehmen hat ID&T mit Tomorrowland und Sensation sowie I-Motion mit der MAYDAY, NATURE ONE, Ruhr-in-Love und dazu noch weitere US-Großveranstaltungen sind auch schon einverleibt. Dazu kommt mit Paylogic ein Ticketanbieter und mit Beatport eines der größten Verkaufsportale digitaler Musik.

Was bedeutet das? Recht simpel – wer investiert, möchte Gewinn er wirtschaften. Man nennt das ROI – Return on Invest. Beatport war da ein gutes Beispiel. So wurde mittlerweile die erste unwirtschaftlich arbeitende Abteilung geschlossen, viele Dinge werden umstrukturiert, schlanker und effizienter gemacht. Ob sich hier eine Marktmacht aufbaut, die uns in Zukunft einen Einheitsbrei an EDM präsentiert? Man weiß es nicht. Noch nicht.

Vielleicht ist es auch einfach an der Zeit, sich von den großen Stars der Szene, mit ihrem vermeintlichen Können und der großen Marketingmaschinerie im Hintergrund, abzuwenden. „Support your local Underground!“ ist wie so oft die Devise. So lässt sich garantieren, dass man, nicht mit leeren Händen da steht, wenn die Blase mal wieder platzt. Musik definiert sich eben nicht durch ein schickes Logo, einen Manager plus Entourage und Privatjet.

Euer
Moses

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