
Myspace soll offenbar ein Comeback bekommen. Die Brüder Chris und Tim Vanderhook, seit 2011 Eigentümer der Plattform, haben in einem Interview bestätigt, dass sie grundsätzlich an einem Neustart arbeiten. Einen konkreten Zeitplan oder erste Entwürfe für die neue Version gibt es bislang jedoch nicht.
Der geplante Relaunch soll sich bewusst von heutigen sozialen Netzwerken unterscheiden. Statt eines algorithmisch gesteuerten Feeds, der Nutzende möglichst lange auf der Plattform halten soll, denken die Betreiber offenbar über ein stärker kuratiertes und individuell gestaltbares Netzwerk nach. Damit würde Myspace an Elemente anknüpfen, die die Plattform in den 2000er-Jahren geprägt haben: persönliche Profile, eigene Gestaltungsmöglichkeiten und Musik als zentraler Bestandteil der Nutzerseiten.
Gerade für Musiker war Myspace zwischen Mitte der 2000er-Jahre und dem Aufstieg von Facebook, SoundCloud und später Instagram eine wichtige digitale Infrastruktur. Künstler wie deadmau5 und Skrillex bauten dort früh internationale Fanbases auf, lange bevor Streamingdienste und algorithmische Empfehlungssysteme den Musikmarkt dominierten. Für viele Acts ohne Label bot Myspace damals eine direkte Möglichkeit, Musik zu veröffentlichen, Kontakte zu knüpfen und Publikum aufzubauen.
Ob ein neues Myspace daran anknüpfen kann, bleibt offen. Die Plattform hat seit dem Ende ihrer Hochphase mehrere Relaunches, Eigentümerwechsel und Neuausrichtungen hinter sich, ohne wieder dauerhaft relevant zu werden. Auch ein späterer Versuch, Myspace stärker als Musiknetzwerk zu positionieren, blieb ohne großen Erfolg.
Für einen Neustart spricht allerdings, dass das Interesse an entschleunigten, weniger algorithmisch geprägten Online-Räumen zuletzt wieder gewachsen ist. Nostalgie allein dürfte dafür jedoch nicht reichen. Entscheidend wird sein, ob Myspace ein funktionierendes Gegenmodell zu bestehenden Plattformen anbieten kann – besonders für Musik, Szene-Netzwerke und digitale Selbstdarstellung jenseits klassischer Social-Media-Feeds.
Quelle: Loop Rituals
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