Die Musik und die Drogen – Text & Bild: Anne Lange


Die Musik und die Drogen

„I ain’t happy, I’m feeling glad 
I got sunshine in a bag.“

https://youtu.be/1V_xRb0x9aw

Ich weiß nicht, wie oft ich den Song Clint Eastwood von den Gorillaz schon gehört habe. Sehr oft auf jeden Fall. Ob ich gecheckt habe, dass es kein Sonnenschein in der Tasche, sondern Betäubungsmittel sind? Ja, aber erst relativ spät. Wie bei so manchen Liedern, die ich schon im Kindes- oder Jugendalter gehört habe – aber nie verstand, worum es wirklich geht. Ich fragte mich nur, was der Schauspieler Clint Eastwood damit zu tun hat. Musik gehört, seit ich Denken kann zu meinem Alltag. Egal wo ich war, egal was ich gemacht habe, es lief immer irgendwo Musik. Früh habe ich angefangen, nach den Lyrics von Songs zu suchen, um ungefähr zu verstehen, was ich da eigentlich höre. Meine Lieblingsseite dafür: Genius, denn dort bekam man nicht nur die Liedtexte, sondern konnte sich gleich noch die Bedeutungen anzeigen lassen. Was sich dabei zeigte: Es geht verdammt oft um Drogen. Seien es legale oder illegale, natürliche oder synthetische – Suchtmittel spielen eine sehr große Rolle in der Popkultur. Mit der Zeit haben sich für mich drei Kategorien herauskristallisiert, wie Drogen in der Musik behandelt werden.

  1. In Your Face: Zugezogen Maskulinum – Grauweisser Rauch 

    https://youtu.be/_x2ulcsv2-U

Die erste Gruppe ist die ‚In Your Face‘-Art. Da wird wirklich kein tieferes Verständnis gebraucht, um zu checken, dass es um Drogen geht. Keine Beschönigungen, keine Umschreibungen, sondern direkt und unverblümt in die Ohren. Grauweisser Rauch von Zugezogen Maskulin ist ein Song, der in diese Kategorie fällt. Songzeilen wie:

„Als ich anfing zu Kiffen, war das fernab von Kush-Romantik.
Als ich anfing zu Kiffen, gab es das Wort Kush noch gar nicht.“ Oder auch
„Ich bin hart wie Berlin, mein Herz spür ich nur nach ner Überdosis Amphetamin“

lassen nicht wirklich viel Interpretationsspielraum. Bei diesen Liedern merkt auch die 80-jährige Omi aus’m 200-Seelen-Dorf, das es um Drogen geht.

  1. Beim genaueren Betrachten des Textes wird klar, worum es geht: New Order– True Faith

https://youtu.be/mfI1S0PKJR8

Die zweite Gruppe ist schon ein bisschen schwieriger. Es ist nicht direkt erkenntlich, dass Suchtmittel beschrieben werden, aber wenn man es weiß, versteht man es. In diese Gattung fällt der New Order-Track True Faith. Lange Zeit (und zwar, bis ich diesen Beitrag geschrieben habe) dachte ich, dass

„Again and again I’ve taken too much
Of the things that cost you too much.“

so viel bedeutet wie, „lange Zeit habe ich viel hingenommen/weggesteckt“. Ein Internet-Check später stellte sich heraus, dass es nicht ums Hinnehmen, sondern ums Einnehmen geht. Jetzt, wo ich das weiß, frag ich mich, wie ich so naiv sein konnte, dass nicht zu realisieren.

  1. Es könnte theoretisch um alles gehen, außer Drogen, aber es geht um Drogen: Blur – Beetlebum

https://youtu.be/WAXnqjUfal4

Kommen wir zur dritten und vielleicht häufigsten Gruppe, weil man schlichtweg nicht erkennt, dass es um Drogen geht. Ich weiß nicht mehr, wohin wir gefahren sind, aber ich saß mit meinen Eltern im Auto. Cool, wie ich war, hörte ich natürlich meine Musik und mein Handy spielte Beetlebum von Blur. Ich fand das Lied früher schon gut, aber war mit meinem Englisch nun weit genug, um den Text zu verstehen.

„She’s your gun, now what you done, beetlebum?
And when she lets me slip away
She turns me on and all my violence’s gone
Nothing is wrong.“

Für mich hörte es sich wie ein Liebeslied über eine besondere Frau an. Auch, weil der Song etwas Romantisierendes an sich hat. Es stellte sich allerdings heraus, dass der Sänger Damon Albarn keine Geliebte, sondern die Droge Heroin besang. Seitdem traue ich keinen Lyrics mehr.

Drogen sind in allen möglichen Bereichen der Popkultur und damit in den unterschiedlichsten Musik-Genres vertreten. Am häufigsten wird das Besingen von Suchtmitteln mit Hip-Hop assoziiert. Allerdings war von den vier vorgestellten Songs einer von einem Hip-Hop Duo und dieser thematisiert auch eher die schlechten Seiten des Konsums, anstatt ihn zu glorifizieren. Sowohl in der Musik als auch in allen Teilen unserer Gesellschaft sind Suchtmittel jeglicher Art fest verankert. Es daher kein Wunder, dass so viele Musiker:innen in ihren Songs ihr Leben verarbeiten und dabei immer wieder Drogen thematisieren – entweder direkt und unmissverständlich oder aber so, dass man über 20 Jahre braucht, bis es Klick macht.

Dieser Text erschien zuerst auf DIEVERPEILTE .