Nach Einbruch der Dunkelheit: Clubbing und Nightlife – Bild von Pexels auf Pixabay


Man muss kein Prophet sein, um in diesem Jahr sagen zu können, dass selbst Silvester 2020/2021 anders aussehen wird als die Jahre zuvor. Keine Party, kein Clubbesuch, selbst das Feiern unter freiem Himmel wird mit mehr als fünf Leuten schwierig, wenn die Corona-Zahlen nicht deutlich sinken. Doch nicht nur deutschlandweite Events oder Feiertage bleiben in diesem Jahr nüchtern. 2020 ist ein verheerendes Jahr, gerade für das Nachtleben und die Clubszenen vieler Städte.

 

Nicht wenige Clubs stehen kurz vor der Pleite. Auch Konzerte finden nicht statt, Lesungen sind abgesagt. Kurzum: Die gesamte Kulturszene steht vor dem Kollaps. Während sich die meisten Verbraucher zumindest über das Homeoffice ein geregeltes Arbeitsleben erhalten können, hängen Restaurants, Clubs, Konzerthallen, deren Techniker und Roadies und schließlich die freien Künstler am Tropf der staatlichen Hilfen. Ungewiss ist, wann sie wieder eigene Einnahmen erzielen können.

 

Zeit, zur Ruhe zu kommen?

Nicht wenigen Menschen ist der Verzicht auf das Nachtleben derzeit gerade recht. Immerhin hat man nun mehr Zeit für sich, statt sozialen Verpflichtungen nachkommen zu müssen. Entschleunigung ist das Stichwort. Der ein oder andere wird sich entspannt zurücklehnen. Schließlich ist nun mehr Zeit zum Filme schauen und Computerspielen, zum Beispiel in einem Glücksspielportal, wo Casino Freispiele ohne Einzahlung neue Gäste in Scharen in die Spielhallen locken. Die virtuelle Glücksspielbranche hat in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg an Besuchern zu verzeichnen.

Doch die anfängliche “Pandemie als Chance”-Rhetorik, die einige privilegierte Menschen durchaus für sich nutzen konnten, tritt in Diskussionen langsam in den Hintergrund. Es stellt sich heraus, dass Kultur, Clubbing und schließlich das gesamte Nachtleben mehr als nur verzichtbarer Genuss sind. Singles haben das bereits früh erkannt, denn für sie ist soziale Interaktion an das Nachtleben geknüpft, wie bei keiner zweiten Bevölkerungsgruppe.

Kultur und eben auch die Clubszene fördern das soziale Miteinander, können Stress abbauen, den Alltag vergessen machen und schließlich sogar neue Partnerschaften entstehen lassen. Berlin, die Hauptstadt der Singles, hat darunter besonders zu leiden.

 

Der Kampf der Kulturveranstalter

Natürlich ist Geld ein riesiger Faktor, um die Zeit des Lockdowns für Restaurants, Clubs und Co. zu überbrücken. Doch das kam für einige bereits zu spät und wird für andere auch nicht ewig fließen. Viele Veranstalter versuchen sich daher an anderen Konzepten. Doch wie will zum Beispiel das Berghain, einer der bekanntesten Clubs in Berlin, in dem hunderte Menschen in Schweiß gebadet eng aneinander in einer stickigen Halle die Nächte durchtanzen, unter Corona-Bedingungen öffnen? Körperkontakt ist gerade beim Tanzen unverzichtbar.

Einige Clubs haben Hygienekonzepte vorgelegt, die dazu geführt haben, dass sie zeitweise wieder öffnen konnten. Outdoor, Abstand und Masken sind die Schlüsselwörter. Clubs, die über eine Außenanlage verfügen, konnten den Tanz dorthin verlegen. Auch das Berghain hat einen solchen Versuch gestartet. So waren eine Zeit lang die heiligen Hallen vieler Clubs in Berlin und in anderen Städten in Deutschland wieder geöffnet, sofern deren Konzepte eingehalten wurden und keine neuen Fälle bekannt wurden.

Doch mit den fallenden Temperaturen ist Draußen sein keine Option mehr. Auch steigende Zahlen von Corona-Infizierten sorgen dafür, dass gerade Clubs, die für viele Politiker ein Dorn im Auge sind, als erstes geschlossen werden.

 

Welche Innovationen können helfen?

Neben Hände waschen, Abstand halten und Maske aufziehen haben sich die Veranstalter mittlerweile viel ausgedacht. Von Beamern, die bei Missachtung des Mindestabstands aufleuchten bis zur Maske to go – viele kleinere Erfindungen und Ideen wurden in letzter Zeit ausprobiert. Kinos, die natürlich ebenfalls von Schließungen bedroht sind und damit die ganze Filmbranche mit sich reißen können, haben ihre Besucher auf harte Zeiten eingeschworen. Angeblich treffen die Beschränkungen jedoch große Multiplexe härter als Programmkinos, deren Publikum in der Krise weiter zu ihnen hält.

 

Für die großen Blockbuster und ein Kinoerlebnis mit vielen Leuten sind hingegen Autokinos wieder populär geworden. So entstanden in zahlreichen Städten und auf dem Land neue Spielstätten, die Kino für Familien möglich machen. Ein Trend, der auch 2021 noch weiter ausgebaut wird, wenn zum Beispiel endlich der nächste Bond in die Kinos kommt, dessen Start bereits mehrfach verschoben wurde.

 

Ganzkörperanzug statt Maske

Für das weitere Nachtleben jedoch ist das Kontaktverbot noch immer Dreh- und Angelpunkt. Besonders die Maske, die jeden Flirt auf der Tanzfläche zunichte macht, hat einige Erfinder angeregt, Alternativen zu entwickeln. Eine der Entwicklungen, die zuletzt Schlagzeilen gemacht haben, kommt von der US-Firma Production Club. Das Unternehmen arbeitet normalerweise an Spieletechnologie und Bühnentechnik für Events, da war der Schritt zu einem Ganzkörper-Coronaanzug nicht weit.

 

Mit dem sogenannten Micrashell-Anzug, einer Mischung zwischen einem Raumanzug aus 2001: Odyssee im Weltraum und Schutzanzügen aus dem Film Outbreak, wird die Tanzfläche von innen erleuchtet. Der Anzug verfügt über ein eigenes Luftfiltersystem, LEDs für die richtige Partystimmung und sogar einen Kanister für Getränke, der an den Anzug angeschlossen werden kann. Tatsächlich ist der spacige Anzug der Hingucker auf jeder Party, ob er sich jedoch auch im Alltag bewähren wird, muss sich erst noch zeigen. Solange die Clubs geschlossen sind, wird es wohl auch dafür keinen Anlass geben.

 

Livestreams und Zuhause-Clubbing

Eher als Überbrückung gedacht ist auch das Angebot mancher Clubs, DJ Sets per Livestream aus den Clubs mitzufilmen. Gegen ein entsprechendes Entgelt, das jedoch meist nur einem Bruchteil der alten Ticketpreise entspricht, kann man sich den Club auf den heimischen Rechner holen und zuhause tanzen. Auch Heimkonzerte von beliebten Musikerinnen und Musikern sind mittlerweile sehr populär. Sie präsentieren auf diesem Weg neue Platten und bleiben in Kontakt mit ihren Fans.

Generell wird der Konsum von Musik und Film immer weiter digitalisiert. Denn wer zuhause bleibt, kann auch niemanden anstecken. Sogar Theater streamen bereits Vorstellungen live aus dem Theatersaal über das Internet. Natürlich ist das Live-Feeling damit nur noch marginal spürbar, den besten Sitzplatz hat man aber garantiert.

 

Fazit

Das Nachtleben ist überall auf der Welt zum Erliegen gekommen. Die Pandemie trifft gerade das kulturelle Nachtleben vieler Städte hart. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Konsumenten, Touristen und Bewohner, sondern auf eine riesige Branche mit unzähligen Arbeitsplätzen. Doch selbst in der Krise entwickeln viele kluge Köpfe Ideen und Lösungen, um Clubbing und Nightlife wieder möglich zu machen. Ziel ist es, die Pforten vieler Veranstaltungsorte trotz Corona weiter geöffnet zu lassen, damit auch in Zukunft nach Einbruch der Dunkelheit gelacht, getanzt und dem Alltag entflohen werden kann.