Nathan Fake – Zwischen Licht und Tiefe

Foto: Marco Dos Santos

Mit dem Langspieler „Evaporator“ schlägt der legendäre Produzent und Live-Act aus dem britischen Norfolk ein neues Kapitel auf: Nach den eher dunklen, dichten Klangwelten von „Blizzards“ und „Crystal Vision“ wendet sich Nathan Fake dem Licht zu – ohne dabei seine Tiefe zu verlieren. Das neue Album entstand größtenteils in nur sechs Wochen im Sommer 2024 und wirkt wie ein bewusstes Durchatmen: sonniger, luftiger, aber weiterhin intuitiv geprägt von emotionaler Intensität. Erschienen ist das Werk, das IDM, Leftfield-Techno und Ambient verschmilzt, am 20. Februar auf dem in Paris und Berlin ansässigen Traditionslabel Infiné.

Ursprünglich startete „Evaporator“ als reines Ambient-Projekt, fast im Sinne eines „Music for Airports“-Albums. Doch im Laufe des Prozesses nahm es zunehmend einen ausformulierteren, dynamischeren Charakter an. Nathan Fake macht Musik, die er selbst hören möchte – und diesmal war ihm nach etwas „Sunny and Breezy“ zumute, auch wenn das fertige Werk durchaus dunklere Momente bereithält. Der Großteil der Stücke wurde in einem kompakten Zeitfenster geschrieben und aufgenommen. Zwar dauerte die finale Ausarbeitung etwas länger – „das tut sie immer“ – doch der Kern des Albums entstand aus einem konzentrierten kreativen Schub heraus. Eine Ausnahme bildet „Black Drift Outro“, eine ältere Komposition, die ihren Weg in das neue Werk fand.

Nach der eher nächtlichen Atmosphäre der Vorgängeralben wollte Fake diesmal bewusst etwas anderes schaffen. Nicht als strategische Neuausrichtung, sondern einem schlichten Bedürfnis folgend: Musik zu produzieren, die er selbst hören will. Dieses intuitive Arbeiten zieht sich durch das gesamte Album. Die Entscheidung, ob ein Track antreibt oder Raum zum Atmen bekommt, entsteht nicht analytisch, sondern im Flow-Zustand. „Wenn man im Flow ist, passieren diese Dinge einfach – und genau dann entstehen die besten Momente“, beschreibt er es sinngemäß. Technisch blieb er sich treu: Produziert wurde komplett auf seinem alten Cubase-Setup, viele Passagen entstanden in Single-Takes. Besonders dieser Ansatz gebe ihm ein Gefühl von Eigenständigkeit. Für Fake war es nie attraktiv, so zu klingen wie alle anderen. Sein vertrautes Setup vermittelt ihm Sicherheit – und vor allem das Gefühl, dass die Musik unverkennbar „seine“ ist.

Dass „Evaporator“ nun auf InFiné erscheint, fühle sich für ihn stimmig an. Er sehe in der Musik eine gewisse Eleganz, die gut zum Label passt. Für Nathan Fake ist klar: Das Album ist am richtigen Ort gelandet. Live soll „Evaporator“ nochmals an Intensität gewinnen. Mit einer neuen A/V-Show bringt Fake die Wärme und Energie der Platte auf die Bühne – allerdings mit dem zusätzlichen Druck und der Dynamik, die seine Konzerte auszeichnen. Besonders gespannt sei er darauf, wie sich die neuen Tracks im Laufe der Zeit entwickeln werden. Denn erst im Live-Kontext, wenn Stücke wachsen und sich verändern, so Nathan Fake, entfalten sie ihr ganz eigenes Leben.

Aus dem FAZEmag 169/03.2026
Text: Triple P
Foto: Marco Dos Santos
www.instagram.com/nathanpaulfake