Wer heute in die Musikproduktion einsteigen möchte, besitzt als Ausgangspunkt meist nur eins: ein Notebook. Prozessorleistung, RAM und Festplattenvolumen reichen bei aktuellen Modellen in aller Regel aus. Gleichzeitig hapert es allerdings an der professionellen Klangqualität und den Anschlussmöglichkeiten für zusätzliches Equipment wie Mikrofon, Synthesizer und Effektgerät. Folglich muss ein externes Audiointerface her. Mit den kostengünstigen Modellen Komplete Audio 1 und 2 richtet sich Native Instruments an genau diese Schicht ambitionierter Heimstudio-Aktivisten und Live-Performer.


Software ohne Ende
Der Lieferumfang des Komplete-Audio-2-Paketes ist schnell beschrieben. Im naturbraunen Karton befinden sich im Wesentlichen ein USB-Kabel, eine Karte mit der Seriennummer und dem Setup-Link sowie natürlich das Hardwaregerät. Die Installation erfolgt modern über eine Cloud mit dem Namen Native Access. Dazu folgt man dem mitgelieferten Setup-Link, lädt dort den Access-Installer herunter und führt ihn aus. Besitzt man noch kein NI-Konto, muss man auch dieses noch kurz anlegen. In Native Access folgt schließlich auch die Eingabe der Seriennummer. Danach ist die Freude erst einmal groß. Denn im Software-Tab von Native Access erscheint eine lange Liste mit NI-Komponenten für den kostenlosen Download. Dazu zählen unter anderem die Minimoog-Emulation Monark, der Reaktor Mikro Prism, der Kontakt 6 Sample-Player inklusive zahlreicher Kontakt-5-Instrumente, ein Delay-, ein Phaser- und ein Kompressor-Effekt sowie mehr als 1,5-GB-Expansion-Samples. Zum Teil sind die Software-Dreingaben, wie die Bezeichnungen schon verraten, zwar abgespeckte Versionen oder ohnehin kostenfreie Player. Und natürlich erfüllen sie mitunter einen Marketing-Zweck, der Lust auf das große Mehr soll. Dennoch gibt es in den bereitgestellten Komponenten keinerlei unfairen Funktionssperren oder zusätzlichen Kaufzwänge – sie lassen sich uneingeschränkt nutzen. Das gilt beispielsweise auch für die mitgelieferte, virtuelle Groovebox Maschine Essentials. Sie funktioniert auch ohne das Hardware-Gegenstück lässt sich und als umfassende Produktionsumgebung nutzen, in die man auch die anderen Komponenten (Reaktor Player, Kontakt Player, Effekte usw.) direkt einbinden kann. Zusammen mit dem E-Mail-Bestätigungsschreiben für die Komplete-Audio-Registrierung erhält man zudem noch ein weiteres Production-Highlight: Eine Lizenz für die Lite-Version von Ableton Live. Wer auch diese noch installiert, hat dann wirklich ein einige Gigabyte umfassendes Software-Paket von insgesamt rund 10 GB auf dem Rechner, mit dem sich inklusive Live-Aufnahmen alle Features des Audiointerfaces ausgiebig nutzen lassen.

Hardware ohne Makel
Die Komplete-Audio-Hardware ist in der äußeren Erscheinung ein zurückhaltender schwarzer Quader in den mobilen Maßen 140 x 112 x 52 Millimeter. Aluminiumelemente, wie beispielsweise beim großen Bruder Komplete Audio 6, gibt es zwar nicht. Das verdeutlicht schon das geringe Gewicht von 360 Gramm. Dennoch macht die sauber verarbeitete Box durchaus den Eindruck, als halte sie auch etwas härteren Transport- und Nutzungsbeanspruchungen stand. Der rüde Umgang sollte aber besser nicht zur Gewohnheit werden. Wer sie häufig mit auf Reisen nimmt, investiert besser zusätzlich in eine separate Transportbox. Als Anschlüsse befinden sich rückseitig zum einen die Audio-Ausgänge 1 und 2, jeweils im symmetrischen Klinkeformat für störungsfreie Übertragungen. Ebenfalls ist dort der USB-Port für die Verbindung mit dem Rechner untergebracht. Vorderseitig befinden sich dann zwei kombinierte XLR/Klinke-Eingänge, um Mikrofon(e) oder externe Instrument(e). Zugeordnet sind jeweils ein Line/Instrument-Umschalter sowie Gain-Regler. Die Instrument-Einstellung wird angewählt, wenn man zum Beispiel eine Gitarre anschließen möchte. Sie benötigt eine andere Vorverstärkung als beispielsweise ein Synthesizer – dieser benötigt in aller Regel die Input-Einstellung Line. Eine zusätzliche Sonderstellung nimmt die ebenfalls zuschaltbare 48V-Phantomspeisung ein. Sie wird aktiviert, sobald ein Kondensatormikrofon ins Spiel kommt. Wer als Einsteiger mit derlei tontechnischen Basiskenntnissen noch nicht vertraut ist, muss nicht verzweifeln. Ganz am Ende der Setup-Page hat NI einen Link zu einem Quick-Start-Guide abgesetzt. Dort werden die verschiedenen Anschlussoptionen bis hin zu Live-Aufnahmen zwar englischsprachig, aber zugleich hervorragend bebildert erklärt. Da das Komplete-Audio-2-Interface zumindest in Kombination mit MacOS-Rechnern sogenannt „Class Compliant“ ist, müssen keine speziellen Treiber installiert werden. Bei Windows-10-Maschinen empfiehlt es sich, das aktuelle ASIO-Treiberangebot von der NI-Page zu picken, damit latenzfreies Arbeiten in allen Ausgabe/Aufnahme-Situationen gewährleistet ist. Ansonsten erfolgt die Ausgabe über Direct Audio bzw. WASAPI. Den notwendigen Strom zieht die kleine Kiste übrigens praktischerweise über USB.

Bedienung ohne Rätsel
Als ähnlich simpel wie die Installation erweist sich auch der Umgang mit dem Interface. Auf der Geräteoberseite befindet sich ein großer Drehregler, um die Ausgangslautstärke anzupassen. Links daneben, unterhalb der Glanzkunststoffplatte, zeigen kleine LED-Ketten grob die Pegelstärken der beiden Eingänge an. Eingestellt werden diese über die bereits erwähnten Gain-Regler auf der Vorderseite. Als sinnvolle Besonderheit befindet sich dort zudem ein Input/Host-Poti, mit dem man den Sound aus dem Computer und den der beiden Analog-Eingänge direkt am Interface abgreifen und im Mischungsverhältnis anpassen kann. Vorgehört wird über Kopfhörer – der entsprechende Klinkeeingang befindet sich inklusive Lautstärkeregler ebenfalls auf der Interface-Front. Das Klangverhalten der Komplete Audio 2 ist in Anbetracht des günstigen Preises von nur 129 EUR übrigens ein positive Anmerkung wert. Ausgewogen, druckvoll und klar leistet die verbaute 24-Bit/192kHz-Soundkarte zusammen mit den ausgesuchten Vorverstärkern und Wandlern hörbar gute Arbeit.

Was das Interface einzig nicht mitbringt, sind klassische MIDI-Ports und Digital-Audio-Anschlüsse. Aber derartige Merkmale wird die anvisierte Zielgruppe kaum vermissen. Denn nur die wenigsten Einsteiger werden derartiges Equipment überhaupt schon besitzen. Falls doch, muss halt eine Zusatzlösung oder gleich umfangreicher ausgestattete Alternative wie die NI Komplete Audio 6 her. So tat Native Instruments gut daran, es mit den entscheidenden Anschlüssen bewenden zu lassen und als Ergänzung voll auf hauseigene Software-Karte zu setzen. Tatsächlich lassen sich mit den freigeschalteten Applikationen bereits mühelos komplette Tracks, bzw. Songs erstellen. Ein vergleichbar üppiges Hardware-Software-Bundle hat für 129 EUR kein Wettbewerber im Programm. Um es brutal zu sagen: Wer damit keine überzeugenden Gehversuche hinbekommt, braucht sich über Anschlussinvestitionen gar keine Gedanken machen. Denn er oder sie hat sich als komplett unmusikalisch erwiesen. Wer tatsächlich nur sein Talent testen möchte, kann es sogar noch günstiger haben: Mit der Komplete Audio 1 für 99 EUR. Das mitgelieferte Software-Füllhorn sowie die Audiowerte sind mit der Audio 2 zwar identisch. Jedoch ist man anschlussseitig auf ein XLR-Mikrofon- und ein Klinke-In sowie zwei Cinch-Outs limitiert.

www.native-instruments.com

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