Native Instruments MX2 – Home-Standard

Wenn ich ehrlich bin, mochte ich keine DJ-Controller mehr. Klar, so hat man halt angefangen, im heimischen Wohnzimmer aufzulegen. Und das alles für unter 200 Euro. Aber sobald man dann irgendwann auf größeren CDJs spielte, gab es doch eigentlich kein Zurück mehr: die Wertigkeit, das Gewicht, die schiere Größe. Jeder Knopf fühlte sich deutlich besser an — es war eine ganz andere Liga als die ganzen Plastikschleudern, von denen es viel zu viele gibt. Ein logischer Schritt war es dann auch, sich für ein kleines Vermögen ein Club-Setup für zu Hause zu kaufen. Und mit dieser eher negativen Einstellung packte ich nun den neuen Controller MX2 von Native-Instruments aus und wurde hier doch nochmal überrascht.

Allein beim Auspacken dachte ich mir: Wow, das sieht irgendwie anders aus. Cooler, teurer und futuristischer. Eine matte Oberfläche mit reichlich Platz, großen Knobs und reduziertem Design. Es waren noch auch alte Controller von Native Instruments im Schrank — perfekt um den ersten Eindruck zu überprüfen. Und dieser stimmte: Die Fader, Knöpfe und Potis waren haptisch-taktil deutlich interessanter.

Der MX2 kommt mit dem neuen Traktor Pro 4 und ist komplett auf die neue Traktor-Version zugeschnitten. Was die DJ-Software angeht, hat Native Instruments einen kleinen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Zur Berliner Software-Schmiede gehören seit 2023 auch iZotope, Brainworx und Plug-in Alliance. Diese Symbiose aus DJ-Software, KI-Audio-Tools und edlen Studioeffekten bringt auch die neue Traktor-Version weiter. Für mich ist das Highlight die Stems-Separation. Und die ist eben vom Audio-Werkzeugkasten iZotope RX spendiert worden. Ich habe die Separation auch mal auf einer Club-Anlage ausprobiert, weil hier oft kleine Fehler und Artefakte besser direkt hörbar sind. Aber es klang smooth und lässt sich intuitiv am MX2 kontrollieren. Vor allem die Separation von Drums und Bass klang nahezu perfekt — und damit die wichtigsten Parameter für elektronische Musik.

Ein weiteres Feature aus iZotope ist der Limiter, eine spezielle DJ-Version des Maximer-Moduls aus der Mastering-Suite Ozone. Das Ergebnis ist, dass Tracks aus verschiedensten Quellen, also Vinyl, gemasterte Tracks, unreleaste Layouts oder auch YouTube-Rips alle in der passenden Lautstärke wiedergegeben werden, ohne dass man sich beim Mixen um die unterschiedlichen Gain-Einstellungen Sorgen machen muss. Ozone-typisch klingt der Sound dann nicht komplett zerquetscht und komprimiert, sondern druckvoll, wenn man es nicht übertreibt.

Was mir noch positiv aufgefallen ist, ist das flexible Beatgrid, mit dem man Tracks mit Tempo-Changes oder ungeraden Rhythmen gut für das Set vorbereiten kann. Viele DJ-Softwares haben ein ähnliches Feature, doch seien wir mal ehrlich — so richtig zuverlässig funktioniert es selten. Ich habe das Gefühl, ich vertraue dem Traktor-Grid da deutlich mehr seit Version 4. Zudem ist der Pitching- und Timestretch-Algorithmus einfach richtig gut, weil es sich relativ natürlich anhört.

Kommen wir nochmal zurück auf den MX2: Im Prinzip ist sein Wirkungsbereich eng verknüpft mit Traktor. Die Aufgabe beim Design des Controllers ist es dann, die Features der Software in einen fließenden Workflow in die Hardware zu bringen — und das ist sehr gut gelungen. Traktor hat einfach die größten Möglichkeiten, wenn es um Effekte und Klangmanipulation geht. Beim Spielen mit dem MX2 kommt man intuitiv zu einem Live-Remixing-Workflow, indem man auch mit zwei Decks sehr viel machen kann. Vinyl-Wizard Sven Väth nannte das in einem Interview zwar mal „verkappte Produzenten“. Aber deutlich positiver ausgedrückt heißt es, dass man mit dem MX2 ein Werkzeug hat, mit dem man ganz stark den Mix mit einer individuellen Klangästhetik prägen kann.

Mit der Stem-Seperation und den Effekten in Studioqualität sowie einer nahezu perfekten Oberfläche macht das wirklich Spaß. Man kann also auch weniger als ein paar tausend Euro für ein gutes Home-Setup ausgeben. Und man kann sich sicher sein, dass bestimmt auch an einer Vier-Deck-Variante getüftelt wird, was für viele auch sehr interessant sein wird.

Aus dem FAZEmag 165/11.2025
Text: Bastian Gies
www.native-instruments.com