
Abschreckende Slogans prägten lange die Drogenprävention in Deutschland. Die Kampagne „Keine Macht den Drogen“ war in den 90er Jahren durch Spots, Plakate und Sticker allgegenwärtig.
Laut einer Befragung des Instituts für Therapieforschung in München blieb ihr Einfluss auf das Konsumverhalten Jugendlicher jedoch gering. In Stuttgart setzt man deshalb auf persönliche Ansprache statt auf Schlagworte.
Mehrere Träger, darunter Caritasverband, Klinikum Stuttgart, Frauenverein Lagaya, Release Stuttgart, Gesundheitsladen und Wilde Bühne, bieten unterschiedliche Projekte an. Koordiniert werden die Maßnahmen von Geraldine Höbel, Beauftragte für Suchtprävention.
„Wir haben ein sehr breites Angebot in Stuttgart. Ich bin stolz darauf, dass wir Menschen in unterschiedlichen herausfordernden Lebenslagen ansprechen können“, erklärt sie gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. Der Schwerpunkt liege klar auf Kindern und jungen Erwachsenen.
Schulen wählen eigenständig aus den Angeboten, eine statistische Gesamtauswertung gibt es bislang nicht. „Ich kann aber so viel sagen: Die Träger sind gut ausgelastet“, so Höbel weiter. Die Beratungsstelle Release U21 führt nach eigenen Angaben jährlich rund 60 Schulveranstaltungen zur Prävention durch.
Ab Klasse sechs geht es um Mediennutzung, ab Klasse sieben um Informationen zu Substanzen. „Allerdings gibt es aktuell Überlegungen, dass wir bereits früher damit beginnen müssen“, sagt Höbel. Kinder kämen zunehmend früher mit Themen wie Vapes oder digitalem Konsum in Berührung.
Neben klassischen Suchtmitteln rücken auch Mediensucht und Essstörungen in den Fokus der Präventionsarbeit. Die Teillegalisierung von Cannabis erfordert zusätzliche Anpassungen. Das Programm FreD richtete sich an erstauffällige Jugendliche, die über Behörden vermittelt wurden.
„Das Programm ist sehr sinnvoll, weil es Jugendliche dabei unterstützt, das eigene Verhalten zu reflektieren und zu hinterfragen. Doch wir müssen nun neue Zugangswege dafür schaffen“, betont Höbel.
Entscheidend sei das Konsummuster. „Gefährlich wird es immer dann, wenn es ein kompensatorischer Konsum ist – und dadurch anderes vernachlässigt wird. Wenn man Probleme, die man nicht anders gelöst bekommt, kompensiert und nur noch so die Entspannung oder den Kick bekommt, beziehungsweise den Leistungsdruck vergessen kann.“
Statt reiner Aufklärung sollen Jugendliche Strategien für Krisen entwickeln. Höbel veranschaulicht das mit einer Klaviertastatur: Freunde, Familie, Sport oder Musik stehen für unterschiedliche Möglichkeiten, mit Stress umzugehen.
„Je mehr Tasten ich habe, desto weniger laufe ich Gefahr, ein abhängiges Verhalten zu entwickeln“, sagt sie.
Quelle: Stuttgarter Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren: