René Roth fand seinen Weg zur elektronischen Musik und Szene bereits in den 80er-Jahren. Erste Acid-Tracks aus den Staaten, Marushas Radiosendung DT64, gefolgt von Raves wie Save DT64 im Haus Leipzig sowie der ersten MAYDAY 1991 in Berlin. Mitte der 90er lancierte Roth dann seine eigene Karriere als Liveact und bespielte im Laufe der Nullerjahre Events bzw. Venues wie SonneMondSterne, K2 Preschen, Parkhaus Sonneberg, Triebwerk Dresden, Kantine Erfurt, Tresor Berlin. Nun startete Roth – nach längerer Schaffenspause – das Label NEXT DOOR. Nach der Premiere mit Sector8 im August vergangenen Jahres liefern The Computer Controlled Minds nun Katalognummer 002 des Labels.

 

Selbstverständlich beeinflussten auch Namen wie Kraftwerk, New Order und Depeche Mode seine musikalische Sozialisierung enorm: „Ich war immer auf der Suche nach neuen Klängen und Strukturen. Dabei ging es stilistisch von Elektronik, Disco, Italo bis hin zu New Wave und Techno. Ich erinnere mich noch, wie ich Heiligabend 1991 lieber in der kalten Garage im Auto verbrachte, um Marushas Sendung zu hören, als am Weihnachtsbaum. Nur wenige Tage zuvor, am 14. Dezember, fand im selben Jahr die erste MAYDAY statt, von der ich völlig überwältigt war. Danach wollten wir unbedingt wissen, wie solche Sounds entstehen. Das Musikhaus in der Nähe wusste mit unserer Beschreibung von ,silbernen Gerätschaften mit Drehreglern‘ nichts anzufangen, somit landeten wir im Gebraucht-Raum. Nahezu nichts ähnelte dem, bis auf ein Korg Poly61 für 150 Deutsche Mark, der damals superspacige Geräusche konnte.“ Als Polytechnique ging es dann mit den Freunden Heiko und Christian irgendwann selbst auf Tour: „Der Mehrzahl der Leute war das anfangs zu abgedreht. Unser Wersi Drum CX5 war am Pitch-Anschlag und der Poly61 hat nur noch gezwitschert, schwere Kost. Musiker ist ein mächtiger Begriff. Ich weiß nicht, ob wir damals Musiker sein wollten, das klang damals irgendwie zu althergebracht. Wir hatten auch immer das Ziel, alte Mauern einzureißen und zu Neuem zu animieren. Ich glaube, das ist eine sehr wichtige Herangehensweise und beschreibt bis heute meinen Anspruch.“

2005 ereilte Roth jedoch ein schwerer Schicksalsschlag – nach einem Motorradunfall lag er mehrere Tage im Koma und anschließend ganze 15 Wochen im Krankenhaus: „Ständige OPs und die Ungewissheit, ob es jemals zurück ins ,alte‘ Leben geht. Wie wertvoll jeder Tag ohne nennenswerte Sorgen sein kann und man sich dessen nicht wirklich bewusst ist, wurde mir damals extrem bewusst.“ Er verkaufte im gleichen Jahr sein gesamtes Studioequipment an Sebastian Kökow, zu dem eine bis heute anhaltende Freundschaft entstand. Zwischen 2010 und 2019 reifte dann erneut der Gedanke, das Thema Musik zu reaktivieren: „Ich hörte sehr viele alte Väth-Mixe, Acid aus den 80ern, Richie Hawtin und neue Sachen von z.B. Snuff Crew und Paranoid London, was ich absolut inspirierend und oldschool zugleich fand. Nach einem ersten gescheiterten Versuch, die nötigen Komponenten in einem Laptop unterzukriegen, richtete ich mir ein vollwertig analoges Studio ein.“ Als logische Konsequenz daraus initiierte Roth dann 2020 das Vinyl-only-Label: „Auf NEXT DOOR möchte ich einen gewissen Sound präsentieren, der ebenfalls oldschool und aktuell zugleich klingt, der auch anders ist als das, was man für gewöhnlich kennt, aber in einem gewissen bekannten Segment eingebettet ist. Der Sound sollte nicht allzu klar sein, eher etwas dreckig und gewissermaßen ,Lo-Fi‘.“

Am 5. März erscheint auf Deejay.de die „The Time Machine“-EP, auf der die aktuelle omnipräsente Situation sowie die dazugehörige gesellschaftliche Entwicklung thematisiert werden: „Wer den Filmklassiker von 1960 dazu kennt und die beiden Populationen in einer fernen Zukunft früher eher beiläufig wahrgenommen hat, wird sich im Jahre 2021 beim Ansehen des Films sehr erschrecken und auf uns heute sehen. In ,Don‘t Ask Me‘ weiß die wunderschöne Weena nicht, was der Zeitreisende aus dem Jahre 1900 für Antworten erwartet. Alles ist fremd! In ,Machines Are Working‘ steht die dunkle Atmosphäre der Höhlenbewohner mit ihren ständig laufenden Maschinen im Mittelpunkt. Ein irrer Acid-Kracher im Dreivierteltakt kommt dann mit der charmanten Aufforderung zum Tanzen an die Dancing Queen. Meiner Meinung nach funktioniert unsere Musik nur mit Dancefloor, ideal in alten Industriebauten/Clubs mit Motorbässen, Laser, Visuals und Strobo! So war das früher und so war das unsere Religion. Ich möchte, dass die Jugend von heute so etwas auch erleben darf und die Freiheit und Inspiration für ihr Leben entdeckt und auch danach sucht, alte störende Mauern einzureißen!“