
Brüssels Clubszene steckt nach mehreren Schließungen in einer tiefen Krise. Innerhalb von sechs Monaten gingen RESET, La Cabane, Bonnefooi und Spirito verloren oder kündigten ihr Aus an.
Zuvor hatte bereits die vorübergehende Schließung des legendären Fuse für politischen Aufruhr gesorgt und die Szene mobilisiert. Die NGO Brussels By Night sieht die Ursachen in „explodierenden Kosten, zunehmend schwieriges Zusammenleben mit Anwohnern und politischer Druck“.
Generalkoordinator Nathan Pujadas warnt, dass dies erst der Anfang sei, wenn die Politik nicht handele. Besonders betroffen sei die Branche, weil die Region Brüssel-Hauptstadt seit rund 550 Tagen ohne Regierung dastehe.
Dieser Stillstand lähmt Bereiche wie Kultur, Gesundheit, Stadtplanung und Nachtwirtschaft. Pujadas betont, das Nachtleben liege „an der Schnittstelle von Gesundheit, Gastgewerbe, Städtebau, Kultur und Inklusion“.
Institutionen schieben Entscheidungen jedoch hin und her, statt das Nachtleben systematisch mitzudenken. Zusätzlich kämpfen Clubs mit härteren Auflagen, strengeren Kontrollen, eingeschränkten Raucherräumen, höherer Mehrwertsteuer auf Tickets und gekürzten Subventionen.
Diese Einschnitte treffen besonders Orte, die seit Jahren Veranstaltungen und Projekte zur Schadensminimierung tragen. 2023 wurde die Clubkultur zwar als immaterielles Kulturerbe anerkannt, doch laut Pujadas blieb der Schritt symbolisch:
„Doch dieser symbolischen Anerkennung sind keine konkreten Maßnahmen gefolgt.“ Die Szene fühle sich mit Verweis auf angeblich fehlende Zuständigkeiten oder mangelnde Mittel alleingelassen.
Ein zentrales Konfliktfeld bleibt Lärm. Eine einzige Beschwerde kann wie im Fall von Fuse und Le Lac jahrzehntealte Clubs bedrohen, selbst wenn sie Lärmschutzregeln einhalten. Pujadas kritisiert, „dass eine einzelne Person neben einen Club ziehen kann, der seit 40 Jahren besteht“, und dessen Existenz mit einer Beschwerde gefährden kann.
Verstärkt wird die Lage durch verändertes Ausgehverhalten nach COVID-19. Zwar boomten Festivals und Pop-ups, doch sie können feste Clubs nicht ersetzen. Ein schlecht besuchter Abend könne für Orte mit geringen Margen existenzbedrohend sein, da Ticketpreise und Produktionskosten steigen und das Publikum höhere Erwartungen hat.
Brussels By Night fordert eine langfristige Strategie: solide Regulierung, finanzielle Unterstützung, niedrigere Energiekosten, passende Steuerpolitik und die Anerkennung von Clubs als kulturelle Infrastruktur.
Pujadas erinnert an die Pandemie, als die Branche als „nicht systemrelevant“ galt, und warnt vor Wiederholung. Ohne entschlossenes Handeln werde der Sektor in 20 Jahren deutlich zurückliegen.
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Quelle: Resident Advisor
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