Mein FAZEmag-Kollege Matthias freute sich in der letzten Ausgabe über ein brandneues und doch schon gehyptes Gerät auf seinem Studiotisch. Die Rede ist von Novations Groovebox Circuit Tracks. Egal, wer mit dieser Kiste zu tun hatte, sei es der Hamburger Produzent Stimming, das Future Music Mag oder die User, alle waren begeistert. Der Titel unserer Review war passenderweise “Feurio”, da man sich mit dem Circuit Tracks, auch nach meiner eigenen Erfahrung, schnell im Prozess verliert und der Funken der Inspiration schnell überspringt. Jetzt haben wir die Chance, das neueste Mitglied der Circuit-Familie zu testen, den Circuit Rhythm. Wie der Name schon sagt, ist der Rhythm eher für Beat-lastige Anwendungen gebaut. Was aber genau dahinter steckt, finde ich nun heraus. 

Zunächst zum Oberflächlichen: Auf den ersten Blick muss der Unterschied zwischen den beiden Grooveboxen erst einmal sehr klein erscheinen: Die gleiche Oberfläche, das gleiche Feeling der Drumpads, die gleiche Art, Projekte zu organisieren. Der Fokus liegt definitiv auf den 4×8-Drumpads. Diese sind etwas kleiner als bei der Maschine von NI und auch etwas schlechter in der Anschlagsdynamik. Allerdings ist das Kritik auf hohem Niveau, denn das Feeling der Pads spielt immer noch in der oberen Liga und Spaß macht das Beatsbauen mit diesen Pads allemal. 

Die Buttons über den Drumpads sind zum Umschalten der Tracks 1-8, auf denen man jeweils ein Sample bearbeiten und sequenzen kann. Rechts davon sind alle Tasten für die MIDI-Effekte: Note, Velocity, Gate und Probability. Auf der linken Seite finden wir alle globalen Einstellungen, wo man die gewünschte Ansicht (Pattern, Mixer oder FX-View) einstellen kann sowie die Transport-Sektion. Über diesen Buttons befinden sich noch zehn sehr wertige Drehregler, mit denen man im Handumdrehen die Samples tweaken kann. Mein Lieblingsdrehregler ist definitiv der Master-Filter, mit dem man mal eben den Bass rausnehmen und dann genau an der richtigen Stelle wieder droppen kann. Simpel, aber bringt wirklich immer einen WOW-Effekt.

Auf der Rückseite finden sich dann alle Anschlüsse zur Außenwelt: Zwei Klinkeneingänge zum Aufnehmen von Samples stehen als Input bereit. Das ganze MIDI-Trio In, Out und Through verbindet den Rhythm mit dem heimischen Synthesizer-Park, der mittels des Sync-Ausgangs im gleichen Takt wie die Master-Clock der Groovebox läuft. Samples, Updates und erweiterte Einstellungen können auch über den microSD-Slot importiert werden. Der Sound wird über zwei Klinkenausgänge wieder nach außen gelassen. 

Eine der Besonderheiten der beiden Novation Grooveboxen ist die Möglichkeit des Akkubetriebs, der gerade mit dem recht kompakten Format (240 x 210 mm) Sinn für Sessions auf Reisen oder Outdoor macht. Einfach über USB-C verbinden und kurz laden. Der Akku hält übrigens etwa drei bis fünf Stunden. 

Der Hauptunterschied zum Circuit Tracks ist das Sampling: Während das Importieren von Audiomaterial beim Tracks ziemlich aufwendig über die mitgelieferte Components-Software funktioniert, kann man hier direkt über den Audioeingang alles recorden, was man möchte: Einzelne Hits von Drummachines, Loops aus deiner Plattensammlung, Stimmsamples direkt aus deinem Mikrofon oder eben Gitarrenriffs. Diese Sounds können dann sofort in der Groovebox manipuliert werden: Samples kann man mit dem Rhythm choppen, melodisch spielen, loopen oder mit den Grid-Effects performen.

Wer hier ausschließlich mit perkussiven Klängen arbeitet, sollte am besten auf die Drum-Pads- Ansicht wechseln. Hier kann man alle Samples der Sampletracks 1-8 in einer Ansicht sehen und spielen, wie man das zum Beispiel von der MPC gut kennt. 

Die oben genannten Grid-Effects sind ebenfalls exklusiv hier. Dazu gehören sieben Effekte, welche direkt auf dem Master liegen, sie werden also auf alle Kanäle sowie Input aus dem Line-Eingang angewendet. Beat-Repeat, Gate, Vinyl-Simulation, Phaser, Bitcrusher, Filter und Reverse sind dabei die Effekte, die ihr benutzen könnt. 

Diese Effekte kann man sich nun direkt auf die Drumpads mappen. Welche Effekte wie intensiv genutzt werden, kann man in der Components-Software einstellen. So kann man zum z.B. acht Pads mit Beat Repeat belegen und von 1/32- bis 1/2-Stutter einstellen.

Das Sequenzen der Pattern ist auch genau gleich zum Circuit Tracks, bis auf ein paar Ausnahmen: So kann man hier nur monophone Patterns programmieren, was für eher Rhythmus-basierte Instrumente spricht. 

Als vorgezogenes Fazit lässt sich also sagen: Sampeln ist meist eine Sache, die entweder Vintage-Geräten oder DAWs vorbehalten war. Meinem Gefühl nach könnte sich das mit Circuit Rhythm doch nochmal ändern. Wenn man annimmt, dass viele Produzent*innen durchaus Sample-basiert arbeiten, ist dieses Tool sozusagen die Auslagerung des DAW-Samplers in eine Hardware.

Ich denke, niemand hat vor, hiermit tatsächlich ganze Songs fertig zu arrangieren und auf die kleinen Details zu achten. Doch der Vorteil einer solchen Groovebox ist einfach, dass man sich hier viel schneller im Moment verlieren kann, wenn man Beats macht, als nur mit der Maus am Computer. Deine Hände haben zehn Finger, die nun am Sound schrauben und die deine Patterns einfach einspielen können. Und wenn es nur kurze Ideen sind. Denn wenn diese etwas taugen, kann man sie im nächsten Schritt am Computer weiterverfolgen und zu einem ganzen Track vollenden.

Vielleicht gab es keinen Sampler-Boom in den letzten Jahren, weil man am Computer eine Vielzahl mehr Parameter einstellen konnte. Doch mit dem Rhythm hat Novation kräftig aufgeholt, denn hier kann man nochmal deutlich tiefer in die Sample-Manipulation einsteigen als beim Circuit Tracks.

Bisher gab es in diesem Segment entweder kleine “Spielzeug”-Kisten, die zwar jede Menge Spaß machen, aber nicht annähernd so viele Optionen wie der Rhythm haben und dabei auch nicht Live-Sampeln können. Dazu gehören Korg Volca Samples oder die Pocket Operatoren von Teenage Engineering. Oder es gibt deutlich größere Sample-Flaggschiffe wie die MPC oder Elektrons Oktatrack, die noch deutlich ausgefeilter, aber eben auch deutlich teurer sind. Dazwischen positioniert sich Novation sehr überzeugend mit seiner Beat-Groovebox zu einem im Vergleich recht günstigen Preis.

Allerdings: Warum verbindet man nicht die Vorzüge von Circuit Tracks und Circuit Rhythm und baut eine ernstzunehmende Sampling-Maschine mit einer polyphonen Synth-Engine? Und Timestretching braucht man hier unbedingt, wenn man mit längeren Samples oder Loops arbeitet. Vielleicht beim nächsten Update. Ansonsten macht dieser Sampler einfach nur Spaß.

Zum Schluss noch ein paar Anregungen, in welchen Setups ihr den Rhythm einsetzten könnt: 

Ihr hört eine lustige Sprachnachricht im Zug. Plötzlich entsteht die Idee, das ihr diese perfekt in einen Track einsetzen könnt. Also verbindet ihr einfach euer Handy mit der Groovebox und nehmt die Sprachnachricht auf. Passende Adapter vorausgesetzt. 

Oder ihr seid mal wieder in der Küche und merkt beim Kochen, wie gut die Töpfe klingen, wenn ihr mit dem Löffel draufhaut. Schon ist der Fieldrecorder zur Hand. Am Output ist der Circuit Rhythm angeschlossen und nimmt eure Topf-Trommelsession brav auf. Das Ergebnis wird geslict und nach unten gepitcht. Industrial Techno vom feinsten. 

Oder ihr legt mit Traktor auf und benutzt den Rhythm als Drumsequenzer, um zusätzliche Schlagzeugfills einzuzocken. Alternativ könnt ihr auch den Output eures Interfaces durch die Grid-Effekte jagen und mit diesen spannende Effekte à la Korg Chaos Pad performen. Oder ihr geht in den Proberaum eurer Lieblingsband, nehmt die Session auf und produziert kurzerhand auf dem Rückweg einen Remix.

 

 

Aus dem FAZEmag 115/09.21
Text: Bastian Gies
www.novationmusic.com