novys welt
Novys Welt FAZEmag 026/04.2014


In den letzten Jahren gibt es weltweit einen Trend zu beobachten. Festivals sprießen aus dem Boden, wo man nur hin schaut. Ein weltweites Phänomen, das seinen zerstörerischen Ursprung so richtig in Australien hat, glaube ich. Wenn ich zerstörerisch sage, dann meine ich zerstörerisch für die dort ansässigen Clubs und deren Kultur.

Als ich vor etwa sieben Jahren das erste Mal durch Australien reiste und auf der Future Music Festival Tour gebucht war, wurde mir damals schon klar, dass die großen Events die Clubs leeren. Future Music Festival war neben Stereosonic die größte Festival-Tour im Lande. Fünf Shows an zwei Wochenenden im ganzen Land.  Die beiden größten haben mittlerweile in Sydney und Melbourne über 100.000 Besucher. Die Acts, die dort spielen, müssen mittlerweile Exklusivverträge unterschreiben, dass sie vorher und nachher nicht noch in den Clubs spielen. Somit wird es dem Clubbetreiber richtig schwer gemacht, hochwertige Line-ups zu buchen.

Und so kam es, dass ich schon damals von vielen Promotern und Clubbesitzern gehört habe, dass es immer schwieriger werde, ein gutes Line-up auf die Beine zu stellen – vor allem in den Sommermonaten, wenn alle zwei Wochen ein anderes großes Festival in der Stadt ist. Die Gäste würden ihr Geld auch sparen, um dorthin zu gehen, und die Clubs blieben leer.

Denselben Trend kann man mittlerweile in allen Ländern beobachten. Festivals wohin man sieht. Leider sind die Line-ups bei den meisten großen Festivals auch immer dieselben, so dass es wenig Platz gibt für neue Künstler oder Innovation gibt. Überraschungen sind eher selten. Man bucht, was man kennt und was einem die gewünschten Besucherzahlen bringt. Festivals sind ein Multimillionengeschäft geworden. Nicht erst seit der Großkonzern SFX investiert hat. Auch schon vorher wurde mit Festivals sehr viel Geld verdient. Geld, das aus den Taschen der Fans für elektronische Musik kommt und Geld, das eben nicht mehr in den Clubs ausgegeben wird. Im Grunde ist es ein großer Kampf um Zahlende und Konsumierende geworden. Sicher, Dance Music ist populär geworden und die Anzahl der Fans gestiegen. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass jeder hier in Zukunft auf seine Kosten kommen wird. Der Overkill hat quasi schon begonnen und wenn man auf die einzelnen Regionen blickt und eins und eins zusammenzählt, dann wird einem schnell klar, wohin uns das alles bringen wird.

„Zurück auf Los“ könnte ein gutes Modell sein. Sich gesundschrumpfen. Oder aber Türen öffnen für Neues. Neue Künstler und neue Musik. Ich persönlich weiß es nicht genau, und es ist auch nicht meine Aufgabe, das vorher zu sagen. Ich würde mir nur wünschen, das vieles wieder ein bisschen mehr Balance findet. Denn eine derartige Kommerzialisierung des Ganzen hat in meinen Augen einen Zusammenbruch der Kultur an sich als Begleiterscheinung. Es kommt zu Subkulturen, aus denen aber leider nicht viel entstehen kann, weil jeder in sein eigenes Horn bläst und im Grunde versucht, doch wieder den Trend für sich zu gewinnen. Underground als Vorwand für den Wunsch nach Erfolg. Der Versuch, Themen umzukehren und die gnadenlose Verdummung der Musik. Egal, ob EDM oder Techhouse. Produziert wird vielerorts nur noch, um Shows zu bekommen. Um mitzuspielen. Qualität ist mittlerweile zweitrangig. Und in Zeiten, in denen ein DJ, der gerade mal zwei Edits von Balladen macht – Stücke, die er weder geschrieben noch an denen er die Rechte hat – und damit Top Ten geht und ab sofort Gagen von 10.000 Euro und mehr verlangen kann, ist der Andrang auf einen der vorderen Plätze groß. Wenn es so leicht geht, will das schließlich jeder gerne. Leider ist das mittlerweile Status Quo und Identifikation der elektronischen Musik geworden. Für mich hört sich vieles wie eine immer wiederkehrende Endlosschleife an. „Generation Remix“ könnte man es nennen. Gewinnt heute nicht der mit der tollsten Musik, sondern der, der auf dem größten Festival spielt und den besten PR-Berater hat?

Edits zum freien Downloaden völlig illegal und wirklich SEHR kreativ auf meiner Soundcloudseite. Wir sehen uns dann Mainstage Tomorrowland. Ihr macht Fotos mit dem Handy von mir, und ich mach Herzen mit meiner Hand.

Bis dann

Euer Tom

 

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