Novys Welt – Die Jubiläumsausgabe

So Freunde, da habt ihr gedacht, ihr seid den Novy los. Abgestellt, coronatot, altersschwach. Zum Glück hält der Typ endlich das Maul.

Mitnichten. Ich habe mich, wie man so schön sagt, ein wenig besonnen. Zwei Jahre Sabbatical müssen reichen für den spirituellen Durchblick. Da hat mich doch gerade der Herausgeber vom FAZEmag angewhatsappt um 06:35 Uhr und mich angefleht, dass die zehnjährige Jubiläumsausgabe keine ist, ohne meine Sicht der Dinge. Nun, nachdem ich das Pausenbrot schon fertig hatte und der Schulranzen für meinen Sohn gepackt war, kann man das schon mal machen.

Zehn Jahre in your Faze. Die volle Dröhnung Musik, Partys und Electronic Lifestyle. Ich muss sagen, ich bin stolz auf die Jungs. Richtig stolz. Und natürlich auch auf die Mädchen dort. Wollen ja das Gendern nicht vergessen. Super, Rafa. Mach weiter so. Es ist schon eine beachtliche Leistung in der heutigen Zeit, ein solches Magazin am Laufen zu halten. Und zwar als Printausgabe und digital. Auch wenn das echt eine richtig bescheuerte Idee ist, immer noch Papier zu drucken. Ich find es richtig cool. Es ist richtig cool! Ja, wo fang ich da am besten an. Richtig, bei der Musik. Also in zwei Jahren ohne Shows stellt man ja so alles Mögliche an als DJ. Man wird sich der Sinnlosigkeit seines Daseins so richtig bewusst, wenn die Clubs fehlen. Die Musik ist zwar noch da, aber zu Hause die neue Beatport-Playlist abfeiern ist irgendwie lame. OK, dann eben mit meinen Fans. Los, lass mal streamen! Als ob das jemanden interessiert hat. Na gut, dann lass mal richtig tolle Stories oder Reels auf Insta machen, wie ich tanze oder gerade im Urlaub bin in meiner 7-Sterne-Hütte auf den Malediven. Oder ein Haus baue auf Ibiza, NFTs im Darknet anbiete, um reich zu werden. Oder lass Alltag machen. Ich bin ja ein ganz normaler Typ, der jeden Tag ein Glas Rotwein trinkt und mit seinem Hund schmust. Generation Insta feiert das fett. Was haben wir gelernt hier? Richtig, der Beruf eine DJs, ist es Musik zu machen. Der Rest ist, sagen wir mal, Zugabe. Nur wenn die Musik Nebensache wird, bist du kein DJ, sondern was anderes.

Zum Glück bin ich, bevor mich der Wahnsinn befallen hat, vom Radio gebucht worden, als es mit dem Zu-Hause-Bleiben losging. Das Gute daran ist, dass ich mich, egal ob ich will oder nicht, jede Woche mit Musik beschäftigen muss. Jede Woche Mixe erstellen und jede Woche die neueste Musik checken. Man will ja schliesslich der Erste sein, der den Leuten den neuen Sommerhit präsentiert. Danke fürs Einschalten übrigens. Jeden Donnerstag Live ab 20 Uhr auf 95.5 Charivari München. On Air in MUC oder über die App auf der ganzen Welt. So war ich also gerettet. Es gab weiter einen Sinn. Den Rest der Zeit habe ich im Restaurant meiner Freundin mit Kellnern verbracht. Mittlerweile hab ich mich hochgeschlafen und die Chefin geheiratet. Ich bin jetzt Chefin Nummer 2. Läuft also bei mir. Zurück zur Musik. Die wurde in den letzten beiden Jahren leider wirklich mit Füßen getreten. Ist ja auch klar, wenn man sie nur noch für Insta-Storys und Spotify-Short-Edits braucht. Damit nicht genug, wird aus Retro nun Newtro. Der Trend kommt aus Asien, habe ich gelesen. Das ist, als wenn Charlotte De Witte und Enrico Sangiuliano «Age Of Love» neu remixen und alle denken, das ist cool. Das ist leider auch mit der Musik passiert.  Zum Glück gibt es noch einige, die der Musik die Stange halten. Denn es kommt doch sehr viel Neues und Gutes von überall. Man muss nur herausbekommen, wo.

Und zum Glück ist einer der Felsen in der Brandung das FAZEmag. Monat um Monat kämpfen sich die Mitarbeiter*innen durch einen Wust von schlechter Musik. Nur die besten Tracks schaffen es und ihr werdet informiert und unterhalten. Und das seit ganzen zehn Jahren – gratuliere. In Zeiten wie diesen ist so etwas verdammt wichtig. So wie früher. Man geht in den Plattenladen und fragt den/die Dealer*in des Vertrauens. Heute wird man überschüttet mit lahmen Playlisten und Links von Streams und jeder normal Sterbliche wird heutzutage von den Labels bemustert. Wie soll man sich da noch auskennen – und vor allem: wer hat so viel Zeit? Ja, das FAZEmag ist für euch da. Und es bleibt da. Denn es hat sich der Aufklärung und der Verbreitung guter Musik verschworen.

Ich bin dankbar und froh, dass es das FAZE Mag nun zehn Jahre gibt. Denn dann ist nicht alles Scheiße!

Weiter so Jungs und Mädchen

Euer Tom

Aus dem FAZEmag 121/03.22

 

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