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Novys Welt – FAZEmag 011/01.2013
Ich wollte ja einen super Jahresrückblick 2012 schreiben, aber dann habe ich gesehen, dass selbst Daniela Katzenberger schon ihren im TV gezeigt hat und Jauch und Co. auch schon durch damit sind. Man möchte ja nicht der Letzte sein, der 2012 unter die Lupe nimmt. Darüber hinaus war 2012 ein wenig unspektakulär, was elektronische Musik angeht, finde ich. Ein bisschen wie eine Warteschleife. Ich hoffe, 2013 wird ein großes Jahr mit viel neuem Sound.


Jetzt könnte ich ja damit weiter machen, die Zukunft vorher zu sagen, aber ich will euch nicht den Spaß verderben, und so schreibe ich einmal meinen Kollegen von der Seele. Heute geht es um falsche Freunde. Wer kennt sie nicht, Freunde vom DJ. Plötzlich sind sie da. An deiner Seite und sie gehen nicht mehr weg, es sei denn, man unternimmt etwas. Da gibt es die verschiedensten Mutationen. Als erstes gibt es da den/die ‚Flüsterer‘. Penetrant, aber harmlos. Alle gefühlten zehn Minuten wird man ran gewunken und dann wird einem ins Ohr geflüstert. Die Nachrichten reichen von „Kannst du mal dies spielen“, „Meine Freundin hat heute Geburtstag“ bis hin zu „Ich will ein Kind von dir“ oder „Kannst du bitte den nächsten DJ holen“. Es gibt eigentlich nichts, was mir schon geflüstert wurde. Als Nächstes gibt es die technisch Aufgeschlossenen. Die haben ein Handy. Das wird dann gerne mal in dein Gesicht gehalten. Meistens mit einem Musikwunsch. Gerne aber auch mit einer Nachricht. Sehr beliebt sind „Gib mal Gas“, „Geh mal weg“ oder „Komm mal runter“. Manchmal sind es aber auch Fotos von der Mami oder Nacktbilder von der Freundin. Ab und zu wird auch ein Getränk bestellt.

Schwierig wird es, wenn sich ein falscher Handyfreund Zutritt zur DJ Kanzel verschafft. Dann kommt die Kamera zum Einsatz. Man wird dann schnell mal in den Schwitzkasten genommen und abgedrückt. Das ganze gibt’s dann natürlich zwei Sekunden später auf Facebook und Twitter „Ich und mein Kumpel beim Durchdrehen“ steht dann drunter. Oft wird aber auch gleich ein ganzes virtuelles Album angelegt. Faszinierend ,was ich da schon alles gefunden habe. Die etwas penetrantere Version eines falschen Freundes ist der Neben-Dir-Tänzer. Der hält sein Gesicht in jedes Foto, das gemacht wird, unbedingt mal mit Daumen-nach-oben-Pose und er/sie tanzt wie wild um dich herum. Gerne nimmt er auch in einem Moment deiner Unaufmerksamkeit deinen Kopfhörer und setzt ihn auf und tut, als ob er der DJ ist. Wenn man Glück hat, dann langt er oder sie auch noch ins Pult und dreht an den Reglern. Das kann so lange gehen, bis die Musik aus ist. Alles schon erlebt. Ganz fies wird es, wenn zum Tänzer/rin dann noch der Laberflash dazu kommt. Unaufhörliches Vollgequatsche und nervtötende Kommentare. Meist geht das ganze mit Anfassen einher. Also am Liebsten ganz fest in den Schwitzkasten nehmen und ins Ohr schreien. Oder aber am Arm zu sich her ziehen und dann drauf los quasseln.

Auch ärgerlich sind die Schnorrer oder Mittrinker. Dass man gerne was trinkt am Abend, bringt der Beruf ja mit sich. Gerne gibt man auch mal was aus. Kein Problem. Wenn sich aber eine ganze Gruppe von falschen Freunden über deine Drinks hermacht, als gäbe es sonst keinen Alkohol, dann ist das zwar ärgerlich, aber irgendwie auch faszinierend. Ohne Fragen und die geringste Form von Anstand wird da einfach nachgegossen und geschluckt, was das Zeug hält. Das dauert Gott sei Dank nur so lange bis die Getränke vernichtet sind. Es ist mir allerdings auch schon vor gekommen, dass ein Wildfremder, ein Freund eines Freundes eines Bekannten, mich nach Nachschub gefragt hat. „Novy, Schampus und Wodka sind alle! Bestell mal nach!“ Da haben sich schon Geschichten abgespielt die man fast nicht glauben möchte.

Zu guter Letzt gibt es dann noch den oder das Groupie. Das geht eigentlich, denn ich kann durchaus verstehen, dass sich Frauen und Männer sexuell zu mir hin gezogen fühlen. Dennoch sollte ich hier eines mal klar stellen. Ich wünsche keinen Verkehr während der Arbeit. Das klingt ein wenig spießig, aber ich behalte mein Shirt und meine Hose eben lieber an, wenn ich auflege. Nehmt euch doch in der Zwischenzeit was zu trinken und ich wartet, bis ihr voll seid. Dann seid ihr leichte Beute und tanzt wie wild, und ich muss mir euer Gelalle anhören. Wenn ich nett frage, zieht ihr auch gerne mal euer Shirt aus . Und so wird es kommen. Ich hab das Wochenende für Wochenende erlebt.

Das waren sie, die falschen Freunde der DJs, die einem am Abend das Leben verschönern. Ich bin mir sicher , es gibt noch mehr zu erzählen. Und diesmal, meine Kollegen, seid ihr aufgefordert. Bitte schreibt mir euren lustigsten „Falsche Freunde“ , gerne auch mit Bild, und wir drucken die drei Witzigsten dann hier ab. Ich freue mich schon auf eure Ergüsse. Bis dahin wünsche ich euch einen entspannten Januar und wir lesen uns wieder nächsten Monat nach meiner Reha.

Eure Geschichten bitte an nicole@fazemag.de.
Euer Tom

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